Trainieren wie die First Lady
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Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 12.04.2010
Viele kennen Hula-Hoop noch als Spielzeug aus ihrer Kindheit. Jetzt erlebt der bunte Reifen ein großes Revival als multifunktionales Fitnessgerät. Sogar Prominente wie Beyoncé, Carmen Electra und Michelle Obama outen sich als Hooper.
Christabel Zamor hatte mit Hula-Hoop lange Zeit nichts am Hut. Sie war 27 Jahre alt, als sie das erste Mal einen Reifen in die Hand nahm. «Ich war füllig, unbeholfen und introvertiert. Ich versteckte meinen Körper in dunkler, weiter Kleidung», sagt sie. Außerdem hatte sie starke Regelschmerzen, die von einer Endometriose rührten, nahm daher Medikamente, die ihre Libido schwächten und dazu führten, dass sie ihre Weiblichkeit und erotische Anziehungskraft infrage stellte. «Ich fühlte mich unwohl in meiner Haut», fasst Christabel Zamor zusammen.
Auf einem Musikfestival entdeckte sie Hula-Hoop für sich und war sofort «fasziniert von dem Gefühl, wie der Reifen über mein Becken glitt». Fortan war Christabel Zamor mit Feuereifer bei der Sache und verbrachte jede freie Minute mit Hula-Hoop - im Park und selbst in ihrer kleinen Wohnung. «So viel Spaß hatte ich schon lange nicht mehr gehabt», sagt sie.
Das war aber nicht alles: «Als Erstes bemerkte ich, dass mein Bedürfnis nach Zigaretten nachließ und ich stellte fest, dass Hula-Hoop hervorragend dazu geeignet war, um Stress abzubauen und Dampf abzulassen», erzählt Christabel Zanor. Außerdem wurde ihr Körper straffer, Extrapfunde wichen geformten Muskeln. «Hula-Hoop schafft ein neues Körpergefühl, mehr Energie und Lebensfreude und gibt einen Kick für das Selbstbewusstsein», sagt sie.
Inzwischen unterrichtet Christabel Zamor den Sport mit dem Reifen in ihrem eigenen Fitnessstudio in San Francisco und hat mit ihrer Begeisterung einen Hula-Hoop-Boom ausgelöst. Trainer aus den USA, Kanada und Großbritannien lassen sich bei ihr ausbilden. Außerdem trainiert sie eine Gruppe professioneller Hula-Hoop-Tänzerinnen, die «HoopGirl AllStars», die unter anderem für den Cirque de Soleil und Universal Pictures auftreten, und hat ein Buch über Hula-Hoop geschrieben.
Darin schildert die Amerikanerin, dass Hula-Hoop mehr ist, als dem Reifen stundenlang um die Hüften drehen zu lassen. «Den Reifen kann man auch um die Hände, Oberarme, Schultern, Brust, Oberschenkel und Füße kreisen lassen - und auch andere Übungen damit machen: Würfe, Richtungswechsel und Sprünge», sagt sie. «Sogar ganze Choreographien lassen sich damit innerhalb kurzer Zeit erlernen.»
Mit dem Hula-Hoop der 1950er Jahre hat dies nicht mehr viel zu tun. Damals sei Hula-Hoop ziemlich eintönig gewesen, sagt Christabel Zamor. Es sei nur darum gegangen, den Reifen irgendwie in Bewegung zu halten. In den folgenden Jahrzehnten habe sich Hula-Hoop mit Bauchtanz, Hip-Hop, Zirkusakrobatik, rhythmischer Sportgymnastik und Yoga verbunden und so immer neue Tanzformen hervorgebracht. Das Bewegen mit dem Reifen habe sich zu einer Form von Ganzkörpertraining entwickelt, das sich für jedermann eignet. «Wer laufen kann, der kann auch hoopen», lautet Christabel Zamors Credo. Man müsse nur eine Verbindung mit dem Reifen eingehen und lernen, auf ihn zu reagieren.
Beim Reifenkauf (rund 20 Euro) rät Christabel Zamor, auf die richtige Größe zu achten: «Wenn er auf dem Boden vor Ihnen steht, sollte sich sein oberes Ende einige Zentimeter über Ihrem Bauchnabel befinden.» Für das Training eignen sich Kleidung aus Baumwolle und Stretchjeans, nicht geeignet sind gleitfähige Kunstfasern wie Viskose, Polyester und Lycra, mit denen der Reifen leichter die Körperhaftung verliert. «Mehr als alle Materialien liebt der Reifen aber die nackte Haut - sie ist die rutschsicherste Oberfläche», sagt die Hooperin. Sportbustiers oder Bikinioberteile seien gut, um den Rumpf ins rechte Licht zu rücken.
Dann kann es losgehen mit den ersten Versuchen. Anders als viele Anfänger glauben, wird der Reifen dabei weniger durch kreisende Hüftbewegungen am Rotieren gehalten als vielmehr durch ein abwechselndes Drücken und Ziehen des Beckens nach vorne beziehungsweise hinten. Anfänger sollten nicht enttäuscht sein, wenn der Reifen selbst nach zig Versuchen zu Boden fällt, so die Trainerin. Es dauere nun einmal, bis man den Dreh raus habe.
Wer durchhalte und regelmäßig trainierte werde auf vielfältige Weise belohnt, verspricht Christabel Zamor. Denn Hula-Hoop kräftigt die Rumpf- und Rückenmuskulatur, verbessert Beweglichkeit, Geschicklichkeit und Gleichgewichtssinn, strafft Bauch, Beine, Po und Arme, erhöht Ausdauer und Energie, kurbelt die Fettverbrennung und den Gewichtsverlust an und stärkt die Libido. Auch Geist und Seele profitieren: Hula-Hoop rege zum Lachen an, fördert Kreativität und Fantasie, baut Stress ab, fördert die Konzentration und schafft Vertrauen in den eigenen Körper.
Für Christabel Zamor ist Hula-Hoop «die beste Therapie» und der Reifen eine Art Stützrad, das in allen Lebensbereichen helfen kann, das eigene Potenzial voll auszuschöpfen. Also: «Treten Sie in den Reifen, lassen Sie ihn kreisen und warten Sie ab, was geschieht.»
Lesetipp: Christabel Zamor: Das Hula-Hoop-Workout (mit Übungen, Chroreographien und Lern-DVD), Riva Verlag, München 2010, 22 Euro.
/ivb/news.de
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