Ferndiagnose vom Online-Doc
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Online-Diagnosen und virtuelle Behandlungen könnten schon bald zum Alltag gehören. Bei einer rückläufigen Arztdichte im ländlichen Raum ist dies auch notwendig. Doch das technisch Machbare setzt sich in Deutschland bisher nur langsam durch.
Im digitalen Zeitalter gibt es «User» und «Loser» - wer schlau genug ist, die Technik zu bedienen, hat Chancen auf ein längeres Leben.
Bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Herzinsuffizienz hat sich die Telemedizin bereits etabliert. Hier können Patienten schon heute über elektronische Systeme ihre Werte messen und an eine Klinik senden lassen. «Wenn man bestimmte Parameter regelmäßig erfasst, kann man auch aus der Distanz einschätzen, ob sich der Patient in einer guten gesundheitlichen Verfassung befindet», sagt Martin Schultz vom Telemedizinzentrum der Charité in Berlin. Wenn in der Gesamtschau aus Daten wie Körpergewicht, Blutdruck und EKG etwas nicht in Ordnung ist, könne dann automatisch ein Notarzt alarmiert werden.
An der Charité werden gegenwärtig einige hundert Herzpatienten über ein solches «Tele-Monitoring» versorgt. Ähnliche Projekte gibt es auch an anderen deutschen Kliniken. Bei einer älter werdenden Bevölkerung und einer vor allem in ländlichen Regionen rückläufigen Arztdichte kommt solchen technischen Lösungen eine immer größere Bedeutung zu. Bei gleichbleibenden Budgets zwingt die demografische Entwicklung zu mehr Effizienz. Zu dem Ergebnis kommt auch eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Roland Berger.
«Das Problem ist, dass die meisten telemedizinischen Leistungen noch nicht in die Regelversorgung integriert sind», sagt Schultz. Erst wenn die Effektivität nachgewiesen ist, seien die Krankenkassen bereit zu zahlen. Denn bevor die neue Technik Einsparungen erzeugen kann, sind oft erst große Investitionen in neue Anlagen und in neue Ausbildungen nötig. Auch die deutschen Gesetze stehen einem flächendeckenden Einsatz von Telemedizin bislang im Wege.
In anderen Ländern ist man in Sachen elektronischer Kommunikation und Datenerfassung in der Gesundheitsversorgung schon weiter. «In Skandinavien ist das fester Bestandteil der medizinischen Praxis», sagt Bernhard Wolf von der TU München. In Deutschland gäbe es im Bereich der Telemedizin dagegen nur «Inselaktivitäten». Als Inhaber eines Lehrstuhls für Medizinische Elektronik ist Wolf auch in einem zukunftsweisenden Projekt in der Schweiz involviert. Unter dem Namen «Medgate» gibt es hier bereits so etwas wie eine «Telemedizin-Praxis».
Ferndiagnose rund um die Uhr
Wer sich bei Medgate als Mitglied registriert, kann nach einer Eingangsuntersuchung zu jeder Tag- und Nachtzeit in der Praxis anrufen und medizinische Beratung erhalten. Auf Basis der telefonischen Sprechstunde können auch bestimmte Medikamente gleich an den Patienten verschickt werden. Sollte sich bei dem Gespräch herausstellen, dass es sich um eine ernstere Sache handelt, wird sofort ein Notarzt geschickt.
Wolf geht davon aus, dass sich bei rückgehender Ärztedichte solche Modelle auch in Deutschland durchsetzen werden. Je nach Gesetzeslage könne das sogar sehr schnell passieren. Das würde allerdings ein grundsätzliches Umdenken erfordern, gerade bei älteren Patienten. Trotzdem sieht Wolf in den Entwicklungen vor allem eine Chance: «Es stellt ja auch eine Form von Emanzipation dar, das heißt, Sie müssen nicht immer in die Praxis und sparen ja auch Zeit dadurch.»
Telemedizin für den Notfall
In manchen Fällen geht es gar nicht anders. Wenn etwa an Bord eines Flugzeugs ein Passagier einen Schlaganfall erleidet, ist Telemedizin vielleicht die einzige Rettung. Das Zentrum der Charité in Berlin hat daher gemeinsam mit der Lufthansa ein Projekt initiiert, das die Möglichkeit einer medizinischen Hilfeleistung auch in der Luft anstrebt. Per Videokonferenz soll dabei ein Arzt von einem «Contact-Center» aus die Erstuntersuchung übernehmen, alle relevanten Daten prüfen und schließlich entscheiden, ob eine Ausweichlandung notwendig ist.
Im Alltag wird der persönliche Kontakt zwischen Arzt und Patienten wohl auch in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen. Eine ärztliche Behandlung ausschließlich über Telefon oder Internet ist nach dem «Fernbehandlungsverbot» in Deutschland nicht zulässig. Bernhard Wolf ist dennoch überzeugt, dass die Akzeptanz von Telemedizin steigen wird: «Wenn sie zwar einen Hausarzt haben, aber viel unterwegs sind, ist es als zusätzliches Betreuungselement sehr interessant.» Gleichzeitig mahnt er, auch die Berührungsängste der älteren Generation gegenüber einer «seelenlosen Gerätemedizin» ernst zu nehmen. «Es gibt Leute, die so etwas können, und andere, die es nicht können. Es ist ein Angebot. Auf der Basis sollte man es auch einführen.»
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Leserkommentare (3)
In d. Zusammenhang auch interessant:In einem Artikel im FT Magazin medbiz (www.doctr.com/static/content/presse/artikelftdmedbiz.pdf) weist die Autorin darauf hin, dass Dänemark in Sachen Telemedizin europaweit eine Vorreiterrolle einnimmt: "In Europa setzen v. a. Finnland u. Dänemark Standards für d. Telemedizin. In Dänemark sind Ärzte seit Jahresanfang sogar gesetzlich verpflichtet, E-Health-Beratung anzubieten. Seit 2009 gilt eine Vereinbarung zwischen d. Politik u. dem Verband der dänischen Hausärztevereinigung, dass alle Hausärzte auch per Internet für ihre Patienten zu erreichen sind."
jetzt antworten Kommentar meldenleider nicht nur ein Segen, immer dann wenn man das andere komplett abgeschafft hat. Bestes Beispiel Bankkarte, heute geht das ohne gar nicht mehr und das Risiko trägt nur der Kunde. Da diese leider zu oft der Fall ist, finde ich die hier vorgestellte Lösung eben auch kritisch. Sollte wirklich ein zusätzliches Angebot und auch nur bei speziefischen und wiederkehrenden (wie zBsp hier genannten) Untersuchungen verwendet werden. Die Antwort auf die Landflucht der Ärzte ist es aus meiner Sicht nicht.
jetzt antworten Kommentar meldenDie heutige Technologie ist ein Segen der Menschheit. Es ist alles moeglich, warum nicht auch Ferndiagnosen fuer Kranke. Was viel einfacher zu realisieren waere, ist eine induktive Ausloesung der Auto-Bremsen bei Ampel-Rotlicht. Oder zumindest eine Alarmeinrichtung. Dann haetten wir noch unsere Frau Kaessmann im Amt.
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