Selbst der tägliche Anblick des übellaunigen Kollegen im Büro ist weniger anstrengend als ein Überraschungsbesuch durch die Schwiegermutter. Zumindest für das Gehirn. Zu diesem Schluss kommen Forscher aus Frankfurt am Main.
Wer genervt reagiert, wenn die Mutter des Partners wieder mal unangemeldet hereinschneit, braucht künftig kein schlechtes Gewissen mehr zu haben. Denn die Wissenschaft bestätigt, dass derartige Überfälle dem Gehirn enormen Stress verursachen. Und zwar mehr Stress als der tägliche Anblick eines übellaunigen Kollegen im Büro.
Das Gehirn verarbeitet unerwartete Eindrücke wesentlich schlechter als erwartete. Zu diesem Schluss sind Forscher um Arjen Alink vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main gekommen. Der unverhoffte Anblick verunsichere das Gehirn, es liebe keine Überraschungen, erläutert Alink. Damit widersprechen die Wissenschaftler der These, dass das Gehirn nur passiv auf Sinneseindrücke wartet, um diese dann in Signale umzuwandeln. Nach Ansicht der Wissenschaftler bereitet es sich vielmehr aktiv auf erwartete Reize vor, die dann mit weniger Aufwand verarbeitet werden können, berichtet das Institut.
In ihren Experimenten zeigten die Forscher den freiwilligen Studienteilnehmern auf einem Computerbildschirm kleine Balken, die sich immer im gleichen Muster bewegten, gelegentlich jedoch aus diesem ausbrachen. Parallel dazu zeichneten sie mit Hilfe funktioneller Kernspintomographie die Aktivität auf, die der Sinneseindruck im sogenannten primären visuellen Kortex der Probanden auslöste. Diese Hirnregion ist für die Verarbeitung und Weiterleitung der optischen Reize zuständig, die vom Auge kommen.
Und eben dort verzeichneten die Forscher in ihren Versuchen eine sprunghaft angestiegene Aktivität, sobald ein Balken eine unerwartete Richtung einschlug. «Wir schließen daraus, dass das Gehirn nicht einfach nur auf Signale aus den Sinnesorganen wartet. Stattdessen versucht es aktiv, mögliche Sinneseindrücke vorherzusagen. Treffen die Vorhersagen zu, kann das Gehirn die tatsächlich eintreffenden Informationen besonders effektiv verarbeiten», sagt Alinks Kollege Wolf Singer. Stimmt der eintreffende Reiz hingegen nicht mit der Erwartung überein, bedeutet das für das Gehirn mehr Aufwand.
tfa/car/reu/news.de/ddp
Es ist wieder interessant, zu lesen, wie allgemeingültig diese "Erkenntnisse" festgesetzt werden. Dieses "Schwiegermutterphänomen" ist nämlich vor allen Dingen ein Deutsch-Kulturell geprägtes. In anderen Kulturen ist der Trend der Wahrnehmung ein völlig anderer. Dort ergänzen sich die Familien,somit auch Schwiegertöchter und -mütter einander. Für mich wäre es eine Beleidigung, wenn sich die Mutter meines Ehemannes nicht bei uns zuhause fühlen würde und jedesmal erst anfragen würde, ob sie uns besuchen darf. Wir haben auch nichts vor ihr zu verbergen und umgekehrt desgleichen.
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