Bei Stress sind Männer nicht wählerisch
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Die meisten Menschen wählen einen Partner, der ihnen relativ ähnlich sieht. Stress scheint dieses Muster umzukehren: Gestresste Männer bevorzugen Partnerinnen, die ihnen äußerlich gar nicht gleichen.
Was einen potenziellen Partner attraktiv macht, hängt auch von der eigenen Gemütslage ab: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Stress die Partnerwahl beeinflusst. Normalerweise werden Kandidaten mit möglichst ähnlichen Gesichtszügen bevorzugt, vermutlich, weil diese besonders vertraut und somit auch vertrauenswürdig erscheinen – eine Voraussetzung, die vor allem für langfristige Partnerschaften wichtig ist.
Unter Stress hingegen falle die Wahl eher auf Personen mit fremden Gesichtszügen und habe oft nur eine kurzzeitige Liaison zur Folge: Die Unähnlichkeit im Äußeren lasse auf unterschiedliches Genmaterial und damit auf eine erfolgreiche Fortpflanzung schließen, vermuten die Forscher. Von Tieren sei bereits bekannt, dass Stress den Reproduktionstrieb steigere, berichten Johanna Lass-Hennemann von der Universität Trier und ihr Team in den Proceedings B der britischen Royal Society.
Aus diversen Studien ist bekannt, dass Menschen bei der Partnerwahl optisch ähnliche Gegenüber bevorzugen. Das Gleiche gilt für Tierarten, die dauerhafte Beziehungen pflegen – allerdings nur, solange sie nicht unter extremem Stress stehen. Stressreaktionen werden meist durch Bedrohungen ausgelöst, etwa durch Feinde, Konkurrenten oder auch mangelnde Nahrung. Infolgedessen wird eine Art Notfallprogramm angefahren, das da heißt: Vermehrung. Statt Verlässlichkeit ist den Tieren nun eine möglichst große genetische Vielfalt wichtig, die den Fortpflanzungserfolg erhöht und die Gefahr von Inzucht abschwächt. Je stärker die äußerlichen Unterschiede zwischen den Tieren sind, desto höher ist die Chance auf unterschiedliches Genmaterial.
Lass-Hennemann und ihre Kollegen wollten nun überprüfen, ob diese Beobachtungen in abgeschwächter Form auch auf den Menschen zutreffen. Dazu zeigten sie 50 männlichen Probanden Fotografien nackter Frauen. Unter den Originalbildern befanden sich jedoch auch Varianten, die die Wissenschaftler mit Hilfe des Computers dergestalt verändert hatten, dass die Gesichtszüge zwar noch eindeutig feminin aussahen, jedoch charakteristische Merkmale des jeweiligen Probanden aufwiesen. Bevor sie sich die Bilder ansahen, musste die Hälfte der Teilnehmer ihre rechte Hand drei Minuten in eiskaltes Wasser halten. Dadurch wurde der Stresspegel deutlich erhöht, was die Forscher auch anhand körperlicher Parameter wie etwa einem gestiegenen Blutdruck belegen konnten.
Anschließend zeigten sie den Probanden die erotischen Fotografien und maßen dabei mit Hilfe einer Elektrode die Reaktion eines bestimmten Augenmuskels: Dieser reagiert auf spannende optische Sinneseindrücke mit einem willentlich nicht beeinflussbaren Zucken, und zwar eher schwach, wenn das Gesehene als positiv wahrgenommen wird und sehr stark, wenn es abstoßend wirkt.
«Diese Messung war auch der Grund, weshalb die Frauen nackt sein mussten, denn die Muskelreaktion findet erst ab einem gewissen Grad an Aufregung statt », erklärte Lass-Hennemann. Die Auswertung deckte sich mit den Bewertungen der Bilder durch die Probanden: Während die entspannten Teilnehmer die Frauen mit ähnlichen Gesichtszügen bevorzugten, fanden die gestressten Männer die Originalbilder attraktiver. Die Versuchsergebnisse liefern nach Ansicht der Forscher auch eine Erklärung dafür, dass dauerhaft unter Stress stehende Menschen eher One-Night-Stands und Kurzbeziehungen anstelle einer dauerhaften Partnerschaft pflegen.
car/reu/news.de/ddp
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