Mo., 13.02.12

Partnerwahl Bei Stress sind Männer nicht wählerisch

Artikel vom 10.03.2010

Die meisten Menschen wählen einen Partner, der ihnen relativ ähnlich sieht. Stress scheint dieses Muster umzukehren: Gestresste Männer bevorzugen Partnerinnen, die ihnen äußerlich gar nicht gleichen.

Was einen potenziellen Partner attraktiv macht, hängt auch von der eigenen Gemütslage ab: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Stress die Partnerwahl beeinflusst. Normalerweise werden Kandidaten mit möglichst ähnlichen Gesichtszügen bevorzugt, vermutlich, weil diese besonders vertraut und somit auch vertrauenswürdig erscheinen – eine Voraussetzung, die vor allem für langfristige Partnerschaften wichtig ist.

Unter Stress hingegen falle die Wahl eher auf Personen mit fremden Gesichtszügen und habe oft nur eine kurzzeitige Liaison zur Folge: Die Unähnlichkeit im Äußeren lasse auf unterschiedliches Genmaterial und damit auf eine erfolgreiche Fortpflanzung schließen, vermuten die Forscher. Von Tieren sei bereits bekannt, dass Stress den Reproduktionstrieb steigere, berichten Johanna Lass-Hennemann von der Universität Trier und ihr Team in den Proceedings B der britischen Royal Society.

Aus diversen Studien ist bekannt, dass Menschen bei der Partnerwahl optisch ähnliche Gegenüber bevorzugen. Das Gleiche gilt für Tierarten, die dauerhafte Beziehungen pflegen – allerdings nur, solange sie nicht unter extremem Stress stehen. Stressreaktionen werden meist durch Bedrohungen ausgelöst, etwa durch Feinde, Konkurrenten oder auch mangelnde Nahrung. Infolgedessen wird eine Art Notfallprogramm angefahren, das da heißt: Vermehrung. Statt Verlässlichkeit ist den Tieren nun eine möglichst große genetische Vielfalt wichtig, die den Fortpflanzungserfolg erhöht und die Gefahr von Inzucht abschwächt. Je stärker die äußerlichen Unterschiede zwischen den Tieren sind, desto höher ist die Chance auf unterschiedliches Genmaterial. 

Lass-Hennemann und ihre Kollegen wollten nun überprüfen, ob diese Beobachtungen in abgeschwächter Form auch auf den Menschen zutreffen. Dazu zeigten sie 50 männlichen Probanden Fotografien nackter Frauen. Unter den Originalbildern befanden sich jedoch auch Varianten, die die Wissenschaftler mit Hilfe des Computers dergestalt verändert hatten, dass die Gesichtszüge zwar noch eindeutig feminin aussahen, jedoch charakteristische Merkmale des jeweiligen Probanden aufwiesen. Bevor sie sich die Bilder ansahen, musste die Hälfte der Teilnehmer ihre rechte Hand drei Minuten in eiskaltes Wasser halten. Dadurch wurde der Stresspegel deutlich erhöht, was die Forscher auch anhand körperlicher Parameter wie etwa einem gestiegenen Blutdruck belegen konnten.

Anschließend zeigten sie den Probanden die erotischen Fotografien und maßen dabei mit Hilfe einer Elektrode die Reaktion eines bestimmten Augenmuskels: Dieser reagiert auf spannende optische Sinneseindrücke mit einem willentlich nicht beeinflussbaren Zucken, und zwar eher schwach, wenn das Gesehene als positiv wahrgenommen wird und sehr stark, wenn es abstoßend wirkt.

«Diese Messung war auch der Grund, weshalb die Frauen nackt sein mussten, denn die Muskelreaktion findet erst ab einem gewissen Grad an Aufregung statt », erklärte Lass-Hennemann. Die Auswertung deckte sich mit den Bewertungen der Bilder durch die Probanden: Während die entspannten Teilnehmer die Frauen mit ähnlichen Gesichtszügen bevorzugten, fanden die gestressten Männer die Originalbilder attraktiver. Die Versuchsergebnisse liefern nach Ansicht der Forscher auch eine Erklärung dafür, dass dauerhaft unter Stress stehende Menschen eher One-Night-Stands und Kurzbeziehungen anstelle einer dauerhaften Partnerschaft pflegen.

car/reu/news.de/ddp
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren
Partnerschaft (Foto)
Bettgeschichten Let's Talk About Sex

Frauen wollen verwöhnt werden. Ansonsten ist die weibliche Sexualität ein Buch mit sieben mehr ...

Single (Foto)
Immer noch allein? Single-Sein ist keine Schande

Viele Singles finden nicht den Richtigen. Dr. Maren Stephan gibt Tipps für die Suche nach der großen mehr ...

Partnersuche: Wie die Nase die Liebe bestimmt (Foto)
Partnersuche Der richtige Riecher für die Liebe

Die Liste der Wünsche in puncto Traumpartner ist lang. Und in großen Teilen überflüssig. Denn die Nase mehr ...

Liebe (Foto)
Geheimrezept So klappt es mit dem Eheglück

Wie es mit der Liebe klappt? Er muss mindestens fünf Jahre älter sein und sie klüger als er. mehr ...

Partnerschaft (Foto)
Beziehungskiller Lieber guten Schlaf als heißen Sex

Erst Schlaf, dann Sex. So lautet die Rangliste der Amerikaner, fragt man sie nach Kriterien für eine gute mehr ...

Eheringe (Foto)
Gefühle Macht der Trauschein eifersüchtiger?

In Ehen sind Partner oft zufriedener als in Beziehungen ohne Trauschein. Bis Eifersucht mehr ...

Partnerwahl: Bei Stress sind Männer nicht wählerisch » Gesundheit » Nachrichten

URL : http://www.news.de/gesundheit/855047817/bei-stress-sind-maenner-nicht-waehlerisch/1/
Schlagworte:
Leserkommentare (0)
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Zum Thema
Anzeige
Meistgelesene Artikel
Fotostrecken Videos
zurück
vor
Anzeige
drucken
Bookmarken
Bookmarken
RSS-Newsfeed
Newsletter abonnieren
Newsletter abonnieren