Von news.de-Mitarbeiter Andreas Schloder - 09.03.2010, 11.15 Uhr

Raucherhusten: Der schleichende Lungenkiller

Rund fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Raucherhusten (COPD). Was im Volksmund so harmlos klingt, ist eine gefährliche Krankheit, die langsam und unheilbar das Lungengewebe zerstört.

Raucherhusten gehört zu den gefährlichsten Lungenerkrankungen, da er das Organ zerstört. Bild: dpa

Durchatmen: Für Jens Lingemann ein Traum, der sein Leben lang auch einer bleiben wird: Seit zehn Jahren versorgt ein mobiles Sauerstoffgerät den 49-Jährigen permanent alle paar Sekunden mit Sauerstoff. Eine Beatmungsmaschine sichert während der Nacht eine unkomplizierte Atmung und entlastet zudem die Atempumpe. Ohne den Sauerstoff könnte Lingemann mit seinen verbliebenen 15 Prozent Lungenfunktion nicht überleben.

Rund fünf Millionen Deutsche leiden an einer chronisch einengenden Lungenkrankheit, kurz COPD (Chronical Obstructive Pulmonary Disease). Lingemann hat das schwerste Stadium, Stufe vier, erreicht. Was im Volksmund als Raucherhusten verharmlost wird, ist bei weitem mehr als nur ein Reizreflex. Chronisch entzündete Bronchien schränken die Atmung immens ein. Durch das zerstörte Lungengewebe wird weder genug Sauerstoff im Blut aufgenommen noch ausreichend Kohlendioxid über die Atmung abgegeben. Immer mehr «schlechte Luft» reichert sich im Blut an.

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Die Folge: Der Körper vergiftet. «Das Herz muss zunehmend schneller schlagen,  um die Organe mit genügend Sauerstoff zu versorgen. Es vergrößert sich, was wiederum andere gesundheitliche Folgen hat. In jedem Fall ist es ein Teufelskreis, der unter Umständen zu Herzstillstand und Funktionsstörungen der verschiedensten Organe führen kann», erklärt Lingemann die schwerwiegenden Folgen.

Wie der Bundesverband der Lungenärzte informiert, sterben mehr Patienten an COPD als an Lungen- und Brustkrebs zusammengezählt. In zehn Jahren, so schätzen die Pneumologen, wird die Krankheit die dritthäufigste krankheitsbedingte Todesursache weltweit sein – noch vor Schlaganfall und Herzinfarkt. 220 Millionen sind derzeit von der Krankheit betroffen. Raucher gehören zur Risikogruppe Nummer eins: In neun von zehn Fällen sind die Erkrankten Raucher oder ehemalige Raucher.

Allerdings nicht jeder Nikotinsüchtige wird krank. Von 100 Menschen, die über Jahre zum Glimmstängel greifen, erkranken etwa ein Drittel an einer COPD. Die anderen zwei Drittel bekommen zwar «nur» eine chronische Bronchitis, haben aber wie die COPD-Patienten ein gesteigertes Risiko, einen Herzinfarkt oder Lungenkrebs zu bekommen und daran zu sterben. Die Lungenkrankheit kann in seltenen Fällen auch Nichtraucher treffen. Vor allem jene, die im Beruf mit «Staub» zu tun haben, der sich in der Lunge festsetzt, wie etwa bei Bäcker oder Bauarbeiter, die viele Jahre mit Mehlstaub oder etwa Asbest in Berührung kommen.

Körper bis zum totalen Zusammenbruch heruntergewirtschaftet

«Das Gefährliche ist, dass die Erkrankung über viele Jahre schleichend kommt», weiß Lingemann aus eigener Erfahrung. Seit seinem 18. Lebensjahr hatte der selbstständige Unternehmer geraucht - um seinen Stress zu kompensieren, bis zu zwei Schachteln Zigaretten täglich, 18 Jahre lang. «Zuerst schaffst du es zu Fuß nicht mehr in den fünften Stock, dann in den vierten, bis du nicht einmal mehr aus eigener Kraft die erste Etage erreichst», schildert Lingemann seinen Leidensweg. Auch den ersten Warnungen wie dem morgendlichen Reizhusten mit Auswurf oder pfeifenden Atemgeräuschen hatte der heute 49-Jährige kaum Beachtung geschenkt. «Ich habe meinen Körper so lange heruntergewirtschaftet, bis es zum totalen Zusammenbruch kam», erklärt er.

Zu spät kam seine Einsicht. Obwohl er mit 36 mit dem Rauchen aufhörte, wurde er im Jahr 2000, da war er 40, regungslos in seiner Küche gefunden und lag anschließend drei Tage im Koma. «Seitdem muss ich permanent Sauerstoff zuführen», sagt Lingemann. Auch wenn die erste Zeit für ihn und seine Familie die «absolute Hölle» war und es nicht einfach war, die neue Situation zu verarbeiten, blieb für Lingemann nur ein Ausweg: die Krankheit zu akzeptieren. «Mein Leben endet nicht mit der COPD-Diagnose, es beginnt neu – nur auf eine andere Art und Weise», sagt Lingemann.

Nicht nur sich selbst macht er Mut. Als Vorsitzender des Pneumokokken muss der Betroffene auch absolute Bereitschaft zeigen, alles Notwendige wirklich umzusetzen», macht Lingemann deutlich.

Vor allem Jugendliche vor dem Rauchen schützen

Dennoch hat sich der 49-Jährige nicht zum militanten Nichtraucher entwickelt. «Letztlich entscheidet doch jeder selbst über sein Leben», findet er. Aber: Man müsse noch viel stärker die Jugend vor dieser gefährlichen Sucht schützen und sie über die Risiken und die sich daraus ergebenden Folgen aufklären. Denn, so erklärt der Ex-Raucher, in der Pubertät sei die Lunge besonders anfällig, weil sie noch nicht ausgewachsen ist.

car/kat/reu/news.de

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