Muckis als Nebeneffekt
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Von news.de-Mitarbeiter Andreas Schloder
Artikel vom 06.03.2010
Funktionelles Training liegt im Trend. Während Spitzensportler schon lange auf die Methode aufbauen, findet sie bei Hobbyathleten und ihren Trainern immer mehr Anhänger. Statt Kraft stehen Sehen und Gelenke im Vordergrund.
Übungen mit einem Gymnastikball, Stretchbändern oder einem Schaumstoffkissen zwischen den Oberschenkeln: Was im ersten Moment eher nach Reha-Athmosphäre klingt, ist heute nicht mehr aus der Sportlerausbildung wegzudenken. «Functional training» - zu deutsch «zweckmäßige Leibesübungen» - hat die Wettkampfvorbereitung der Profis revolutioniert.
«In unserer Technik geht es nicht allein darum, die Kraft des Athleten zu verbessern», erklärt Michael Boyle die Unterschiede zu herkömmlichen Trainingsmethoden. «Die rohe Muskelkraft wird zwar oft in den Vordergrund gestellt, aber nur die funktionelle ist richtig wertvoll. Vielmehr solle der Athlet in seiner Sportart leistungsfähiger werden und sich weniger verletzen, so das Anliegen der Methode. Die Muskeln kämen dann von alleine.
Der Fitness-Experte am Trainingszentrum Athletes' Performance im kalifornischen Carson zählt zu den Pionieren des Erfolgskonzepts. Anders als beim klassischen Krafttraining wie Bankdrücken und Beinpresse, die feste Bestandteile eines jeden Fitnessstudios sind, werden hier die Muskelgruppen mit einfachsten Hilfsmitteln wie Medizinbällen und Gymnastikmatten in freien Bewegungen trainiert.
Das Zauberwort ist dann auch: «frei». «Wenn der Sportler an einem festen Gerät übt, so übernimmt dieses seine Stabilität», erklärt Boyle und warnt: «Doch wer nicht zugleich seine Eigenwahrnehmung von Sehnen und Gelenken trainiert und seine Muskeln mit Stabilisierungsübungen aufbaut, ist im Training und im Wettkampf außerhalb des Kraftraums enorm von Verletzungen gefährdet.»
Auf einen starken Rumpf kommt es an
Die funktionelle Methode bestehe überwiegend aus Übungen, bei denen der Sportler mit beiden Beinen auf dem Boden steht und nur das eigene Körpergewicht als Widerstand eingesetzt wird. Das fördert vor allem einen starken Rumpf, der Hauptstabilisator des Körpers. «Der Sportler lernt dabei, sein eigenes Gewicht zu halten und auszubalancieren», betont der Fitness-Experte.
Mit zunehmendem Trainingsverlauf werden die Bewegungen anspruchsvoller, etwa Liegestützen auf dem Gymnastikball, einbeinige Kniebeugen auf einem Hocker oder auf dem Balancebrett. Der Sportler muss immer mehr selbst für Stabilität sorgen. «Wir arbeiten mit unseren Athleten auf verschiedenen Oberflächen wie Eis, Gras oder Kunstrasen. Diese bieten unvorhersehbare Störfaktoren, die der Sportler ausgleichen muss», so Boyle, der über 25 Jahre lang die Fitness und Koordination von Eishockeyprofis in der NHL auf Vordermann gebracht sowie den Sportlernachwuchs der Boston University betreut hatte.
Doch nicht nur auf dem Eis hat der Amerikaner prominente Anhänger. Auch die Kicker der deutschen Nationalmannschaft haben sich dem funktionellen Training in Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft 2006 verschrieben. Das mache laut Boyle die Methode auch so effektiv. Sie kann von Athleten sportartenübergreifend betrieben werden. «Sprinten, Laufen oder Seitwärtsbewegungen kommen in vielen Disziplinen vor. Schnellkraft werde vor allem in Ballsportarten gebraucht und kann daher auf die gleiche Weise trainiert werden.
Lesetipp: Michael Boyle: Functional Training, riva Verlag, 223 Seiten, 24,90 Euro.
kat/news.de
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