Krebs in der Mundhöhle ist besonders aggressiv. Wer raucht und trinkt, ist akut gefährdet. Ein halbjährlicher Check beim Zahnarzt ist daher das A und O, um Tumore früh zu erkennen.
Bösartige Tumore in der Mundhöhle gehören weltweit zu den zehn häufigsten Krebserkrankungen und gelten als besonders aggressiv und hinterhältig. In Deutschland werden nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Pathologen jährlich rund 11.000 neue Fälle diagnostiziert. Rund dreiviertel aller Patienten sind Männer. Waren früher vor allem Menschen jenseits des 50. Lebensjahres betroffen, sind es heute zunehmend Jüngere.
Doch davor kann man sich schützen. Die Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) rät, beim halbjährlichen Zahnarztcheck auch die Mundschleimhaut regelmäßig kontrollieren zu lassen.
«Früherkennung ist angesichts der schlechten Überlebensraten beim Mundhöhlenkrebs besonders wichtig», sagt DGZMK-Vizepräsident Wolfgang Bengel. «Die Heilungschancen sind abhängig davon, wo der Tumor sich ausgebildet hat sowie vom Zeitpunkt der Diagnose», so der Zahnarzt. Bei sehr früh entdecktem Befund liegt die Heilungschance bei etwa 80 Prozent - bei fortgeschrittenem Krebs sinkt sie gegen Null.
Um Zahnärzten bei der schwierigen Diagnose von Veränderungen in der Mundschleimhaut zu helfen, hat die DGZMK ein Kompetenzteam zusammengestellt. Der Zahnarzt sendet Bilder seines Befundes an die Experten und bekommt eine Verhaltensempfehlung mit einer Vermutungsdiagnose. «Bislang haben rund 550 Zahnärzte diesen Service in Anspruch genommen», sagt Initiator Bengel.
In frühem Stadium bereitet diese Krebsform kaum Beschwerden. Meist wird die Krankheit erst entdeckt, wenn es bereits zu spät ist. Im fortgeschrittenen Stadium leiden die Erkrankten - je nachdem, wo sich der Tumor befindet - unter Schmerzen beim Essen und Schlucken. Bei vielen fällt starker Mundgeruch durch zerfallende Tumorteile auf. Gelegentlich ist der Speichel blutig gefärbt.
90 Prozent aller Betroffenen sind Raucher
Rauchen und Alkohol gelten als die größten Risikofaktoren für Mundhöhlenkrebs. 90 Prozent aller Patienten sind Raucher. Sollte übermäßiger Alkoholkonsum dazu kommen, potenziert sich das Risiko. Chronisch wunde Stellen an der Mundschleimhaut, verursacht durch scharfe Kanten von Zahnspangen oder Prothesen sind ebenfalls gefährlich. Neuerdings wird vermutet, dass auch chronische Pilzerkrankungen im Mund oder Papillomviren, die bereits für Gebärmutterhalskrebs mitverantwortlich gemacht werden, als Mitverursacher oraler Krebserkrankungen wirken.
Bösartige Mundhöhlentumore gehen bei 95 Prozent der Patienten vom Plattenepithel aus, das die oberste Hautschicht im Mund und auf der Zunge bildet. Etwa zwei Drittel der Tumore befinden sich im unteren Teil der Mundhöhle, also an der Zunge und am Mundboden. «Die Diagnose ist schwierig, weil sich das Karzinom unter allen möglichen Bildern verbergen kann», sagt Bengel. Das könnten Erosionen der Schleimhaut, rote oder weiße Flecken, Verdickungen sowie nicht abheilende Entzündungen sein. «Veränderungen der Mundschleimhaut, die nach zwei Wochen nicht verschwunden sind, sollten unbedingt vom Zahnarzt begutachtet werden», rät der Experte.
Die beste Prävention ist neben der regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung laut DGZMK, das Rauchen und den übermäßigen Alkoholgenuss einzustellen. Keine der heute gebräuchlichen Therapien kann nach Expertenangaben das Risiko einer Transformation einer noch harmlosen Mundschleimhautveränderung zu Krebs grundsätzlich ausschließen. Drei bis acht Prozent der sogenannten Leukoplakien, das sind die häufigsten Veränderungen der Mundschleimhaut, werden innerhalb von fünf Jahren zu Krebs. Ob die Hautveränderung operativ entfernt werden muss, entscheidet der Arzt im Einzelfall nach Ausmaß und Typ der Leukoplakie.
Neben der Vorsorge beim Zahnarzt kann aber auch jeder selbst zur Früherkennung beitragen. Regelmäßig sollte man seine Mundhöhle bei guten Lichtverhältnissen kontrollieren. Fallen dabei flächige, weißliche Stellen auf, die sich hart anfühlen und nicht abzuwischen sind, sollten sie sofort von einem Arzt begutachtet werden.
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