Adipositas

Die Gene machen dick

Von news.de-Mitarbeiter Andreas Schloder

Einige Menschen bekommen die Tendenz für Speckröllchen schon mit in die Wiege gelegt. Denn die Gene manipulieren ihre Lust aufs Essen. Das belegen Studien. Forscher versuchen mit neuen Therapien die programmierte Esssucht auszutricksen.

Lester Maul (Was ist das?)

Ich hab's immer gewusst, nicht ich bin es, der an keiner Würstchenbude vorbeigehen kann. Es sind meine Gene. Ich verfluche sie. Grade jetzt lassen Sie mich wieder aufstehen und zum Kühlschrank gehen. Ich kann nichts dafür!

«Essen, um sich wohlzufühlen und zu belohnen - das ist ein urmenschlicher Gedanke, der aber auch zur Sucht führen kann», erklärt Professor Michael Stumvoll, Klinikleiter für Endrokrinologie an der Universität Leipzig. Vor allem dann, wenn die Essstörung schon in die Wiege gelegt wird: Zu rund 60 Prozent aller Fälle bestimmen die Gene, ob Menschen übergewichtig oder sogar fettsüchtig werden oder leicht das Normalgewicht halten können. 

Der Hormonexperte konzentriert sich in seiner Forschung auf das Fettmacher-Gen «fat mass and obesity associated» (FTO). Dieses zählt zu den Gendefekten, die in letzter Zeit in den Fokus der Wissenschaft gerückt sind. Laut Stumvoll ist das FTO bei 22 Prozent aller Übergewichtigen zu finden. Wie eine internationale Forschergruppe festgestellt hat, sind demnach Menschen mit diesem Gen im Schnitt um zwei Kilogramm schwerer als Nichtbetroffene. Das gilt vor allem dann, wenn beide Elternteile das Gen vererbt haben.

«Klar wird man dicker, wenn mehr Kalorien aufgenommen als verbraucht werden», macht Stumvoll die Rolle des Essverhaltens deutlich. Doch genau da liegt das Problem. Denn dieses wird beeinflusst und gestört. «Gefühle wie Hunger und Sättigung reguliert unser Gehirn über Hormone und andere Botenstoffe», erklärt Stumvoll. «Bei der FTO-Variante gehen wir davon aus, dass sich die Träger unterbewusst öfter mit Essen in größeren Mengen belohnen, um sich wohler zu fühlen.»

Doch die Betroffenen lassen sich nicht nur von Lebensmitteln verführen. Der Mediziner und seine Kollegen haben FTO-Probanden im Rahmen einer Studie zum Kartenspiel am Computer aufgefordert. «Diese Spieler waren deutlich risikobereiter als die anderen, um schneller ein Erfolgserlebnis zu bekommen», so das Ergebnis. Genau dort wollen die Leipziger ansetzen, um in Zukunft etwa mit visuellen Reizen das Verlangen sich zu belohnen zu therapieren. «Bis es so weit ist, gibt es eigentlich nur zwei sinnvolle Methoden gegen Übergewicht: Bewegen und richtig ernähren», appelliert der Experte. Adipositas und seine Folgen, wie etwa Diabetes, gelten als das größtes Gesundheitsproblem, das auf Deutschland in den kommenden Jahren zukommen wird.

Trotz der hohen Anzahl von FTO-Trägern bei Übergewichtigen betont Stumvoll: «Eine Genvariante macht alleine noch keine Adipositas-Erkrankung aus.» Erst die Verbindung aus weiteren Gen-Veränderungen, zu vielen faulen Nachmittagen auf der Couch und zu häufigen ungesunden Fressattacken sei fatal. Da ist Sensibilisierung gefragt. «Es ist nahezu kriminell, wie Eltern ihre Kinder mästen und diese sich nicht einmal dagegen wehren können», kritisiert Stumvoll und feuert im gleichen Atemzug auch gegen die Lebensmittelindustrie: «Mittlerweile wird so hoch raffiniertes Essen produziert, mit dem unser Körper überhaupt nicht zurechtkommt.»

kat/ivb/news.de
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Leserkommentare (1)
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  • Kommentar: 1
  • 22.07.2010 10:43
von
clony clondix

wenn ich sehe, daß meine fettleibige Nachbarin, im Garten sitzt und pausenlos etwas in sich hineinspachtelt und dann in den Essenspausen schläft und beim ersten Erwachen weiterspachtelt um sich vom Essen wieder durch schlafen ausruhen muß und permanent fettleibiger wird, dann kann ich nur zustimmen, daß hier die Krankenkassenbeiträge drastisch erhöht werden sollten, denn die Herzprobleme, Gelenkprobleme, Zucker usw. müssen ja alle Beitragszahler mitfinanzieren. Sehr viele dieser Krankheiten wären durch gesunde Ernährungsweise und weniger Bequemlichkeit zu vermeiden.

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