Sa., 26.05.12

Darmkrebsmonat 04.03.2010 Heidi Lutter besiegt den Krebs, jeden Tag

Heidi Lutter (Foto)
Heidi Lutter Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen

Jährlich erkranken mehr als 70.000 Menschen in Deutschland an Darmkrebs, für 27.000 bedeutet es den Tod. Viele müssten nicht sterben, wenn sie zur Vorsorge gehen würden. Darauf macht der Darmkrebsmonat März aufmerksam.

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«Sie haben Darmkrebs.» Die Worte des Arztes klingen Heidi Lutter noch heute im Ohr. Ein paar Tage zuvor ist sie aus dem Urlaub zurückgekommen, braungebrannt, voller Lebensfreude – und kerngesund. Denkt sie. «Das ist mein Todesurteil», geht es der 46-Jährigen durch den Kopf. Denn an Darmkrebs erkrankten auch ihre Mutter, Oma und Tante. Alle drei waren binnen acht Wochen nach der Diagnose tot. Darmkrebs – das ist die Krankheit, die man nicht überleben kann. Jedenfalls nicht in der Familie von Heidi Lutter.

Doch Heidi Lutter hat den Darmkrebs überlebt. «Ich hatte Riesenglück», sagt sie. «Wenn der Tumor nicht eines morgens massiv geblutet hätte und ich aus diesem Grund nicht zum Arzt gegangen wäre, würde ich heute nicht mehr leben.» Bis zu dieser Blutung hat Heidi Lutter keinerlei Beschwerden. Keine Verdauungsprobleme, keinen Gewichtsverlust, keine Bauchschmerzen. «Sogar mein jährlicher Gesundheitscheck, der vier Monate vorher gemacht wurde, zeigte keine Auffälligkeiten», berichtet die Mönchengladbacherin.

Nur unerträgliche Rückenschmerzen quälen sie gelegentlich. Dabei ist es fünf vor zwölf. Die Ärzte drängen auf eine Operation. Bereits drei Tage nach der Diagnose wird der Tumor entfernt. Glück im Unglück: Er hat noch nicht gestreut.

Nach zwei Wochen Krankenhausaufenthalt sagen die Ärzte: «Sie sind gesund.» Heidi Lutter will das glauben, so schnell wie möglich ins normale Leben zurückkehren und das Wort Krebs aus ihren Gedanken streichen. Aber das gelingt nicht. Massive Verdauungsprobleme quälen sie – und bald auch die Angst, dass der Darmkrebs zurückkehren könnte. Denn er kann zurückkehren.

Zehn Jahre sind seit der Diagnose vergangen. Heidi Lutter weiß inzwischen, dass die Krankheit in ihren Genen steckt. Sie leidet unter dem Lynch Syndrom. Die Veranlagung dazu wird von einem Elternteil geerbt, sie ist damit von Geburt an vorhanden und kann schon im jungen Lebensalter zu Darmkrebs oder auch anderen Krebstumoren führen. Denn die vererbten Genveränderungen können alle Körperzellen betreffen, nicht nur die Zellen der Darmschleimhaut. Deshalb haben Lynch-Syndrom-Patienten nicht nur ein erhöhtes Darmkrebsrisiko, sondern auch ein erhöhtes Risiko für andere Krebserkrankungen, beispielsweise Krebs der Gebärmutter oder den Eierstöcken, Magenkrebs oder Dünndarmkrebs, Krebs der Harnwege oder der Gallenwegen.

Heidi Lutter lebt mit dem Wissen, dass sie wieder an Krebs erkranken kann – und dass ihre Tochter ebenfalls gefährdet ist. Also sorgt sie vor, lässt einmal jährlich Darm- und Magenspiegelungen über sich ergehen, ist Dauergast beim Gynäkologen, Dermatologen und Hausarzt, begleitet ihre 25 Jahre alte Tochter demnächst zu deren ersten Koloskopie. «Mit all den Untersuchungen habe ich eine ziemlich große Sicherheit, dass ein erneut ausbrechender Krebs schnell erkannt wird», sagt sie.

Einmal in der Woche arbeitet die 56-Jährige in ihrem alten Job als Bankangestellte. Mehr will sie sich nicht mehr zumuten. Außerdem verschafft ihr das Freiraum für ihr ehrenamtliches Engagement: Heidi Lutter hat die Familienhilfe Darmkrebs mitgegründet. Seit 2005 kooperiert die Gruppe mit der Deutschen ILCO, die sich an Stomaträger und an Menschen mit Darmkrebs ohne Stoma und deren Angehörige richtet.

«Bis zu meiner Diagnose dachte ich immer, Selbsthilfegruppen wären etwas für Menschen, die mit ihrem Leben nicht alleine fertig werden», sagt Heidi Lutter. «Aber in der Reha habe ich erlebt, dass Gespräche mit Gleichgesinnten ausgesprochen gut tun und ungeheuer entlasten.»

Fast missionarisch reist sie durch ganz Deutschland, um Vorträge über den familiären Darmkrebs zu halten und um ihre Zuhörer zur Darmspiegelung zu motivieren. «Gerade Menschen aus Familien mit einer Krebshäufung sollten diese Vorsorgeangebot wahrnehmen», sagt Heidi Lutter. «Man kann sich dadurch viel Leid ersparen. Denn früh erkannt, ist Darmkrebs heilbar.» Heidi Lutter besiegt den Krebs – jeden Tag aufs Neue.

Informationen zum Darmkrebsmonat März unter www.felix-burda-stiftung.de. 

kat/news.de
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