Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen - 25.02.2010, 16.47 Uhr

Gewichtskontrolle: Die Waage nicht zu ernst nehmen

Für viele gehört der Schritt auf die Waage zum Tagesprogramm. Doch meist führt der Blick auf die Zahl im Display zu Frustration und Enttäuschung. Ernährungspsychologin Dr. Ilona Bürgel erklärt, wie man zu einem entspannten Umgang mit der Waage findet.

Vom morgendlichen Wiege-Ergebnis hängt für viele die Tageslaune ab. Bild: news.de

Schon wieder 200 Gramm mehr! Vielen bringt der täglich Schritt auf die Waage nur Frust und Enttäuschung. Sie machen ihre Laune und den weiteren Tagesablauf abhängig von der Zahl, die auf der Anzeige steht. Und die verheißt selten Gutes, denn meist bewegt sich der Zeiger der Waage immer weiter weg von der Traumfigur.

Dabei gibt es Studien, die zeigen, dass Menschen, die abgenommen haben und sich täglich wiegen, leichter ihr Gewicht halten als solche, die auf die Waage verzichten. Denn das tägliche Wiegeritual kann eine zusätzliche Motivation sein und die eigenen Ziele ins Gedächtnis rufen.

Männer gehen sachlicher mit der Waage um

Meist gelingt es Männern besser, die Waage als Kontrollgerät zu nutzen, sagt Bürgel. Manche gehen sogar so weit, dass sie die Zahlen in eine Tabelle eintragen und Gewichtsveränderungen grafisch darstellen. Frauen bleibt dieser sachliche Blick auf das Körpergewicht meist versagt. Sie entwickeln oft einen so großen Ehrgeiz, dass sie sich täglich auf die Waage stellen und sich leicht die Laune verderben lassen, wenn das Körpergewicht nicht dem Ideal entspricht.

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«Wer sich auf diese Weise abhängig von der Waage macht, sollte sie besser aus seinem Leben verbannen», rät die Dresdner Ernährungspsychologin Dr. Ilona Bürgel. Oder lernen, das Gerät entspannt zu nutzen und die Zahlen nicht zu ernst zu nehmen.

Denn vor allem bei Frauen können kleine Gewichtsschwankungen von zahlreichen Faktoren abhängen. Etwa vom Wasser- und Hormonhaushalt beziehungsweise vom weiblichen Zyklus. «Schon ein paar Tage vor der Periode wiegen Frauen mehr, weil der Körper Wasser einlagert», erklärt Bürgel. Das sei auch der Grund, warum sich Frauen an den Tagen vor den Tagen oft aufgeschwämmt fühlten.

«Kleine Gewichtsveränderungen lassen sich auch darauf zurückführen, wie viel Körperflüssigkeit wir ausscheiden», sagt die Ernährungsexpertin. Und das hängt wiederum davon ab, wie warm es draußen ist, ob wir viel schwitzen oder wenig, ob wir Sport treiben, wie viel wir trinken und was wir essen.

Kilozahl und BMI sind keine verlässlichen Größen

Die Waage reduziert alles auf eine einzige Zahl. «Tatsächlich sagen die Kilozahlen aber nichts über die Zusammensetzung unserers Körpers aus», erläutert Bürgel. Eigentlich müsste jeder Bodybuilder als übergewichtig gelten. Aber weil Muskeln schwerer sind als Fett, kann ein Kraftsportler mehr wiegen als ein Sportmuffel mit Bauchansatz. 

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Auch Körperfettwaagen bieten nur ein scheinbar genaues Bild des Körperzustands. Das ergab eine Untersuchung der Zeitschrift Healthy Living in Zusammenarbeit mit der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK). Das größte Problem: Die Messung des Körperfettanteils beziehe sich nur auf den unteren Teil des Körpers. Die Waagen könnten den oberen Teil gar nicht erfassen. Darüber hinaus beeinflusse unter anderem die Trinkmenge das Messergebnis um fünf bis zehn Prozent. Wer viel trinkt, erhöht laut der Waage seinen Körperfettanteil - dabei bleibt er in Wirklichkeit unverändert.

«Auch der Body Mass Index BMI=Gewicht dividiert durch Größe in Meter2) (BMI) ist keine verlässliche Größe», sagt Bürgel. Er könne nur eine grobe Richtung vorgeben. Denn auch hier gilt: Das Körpergewicht eines Menschen hängt auch von seinem Knochenbau und dem Anteil an Muskelgewebe zusammen. Zudem, so die Ernährungspsychologin, haben ältere Menschen einen größeren Anteil an Fettgewebe. Der BMI kann dann naturbedingt höher sein.

Im Grunde, so die Psychologin, braucht man die Waage nicht. Man könne sich auch daran orientieren, ob die Hose oder der Rock vom letzten Jahr wieder passt. Oder daran, wie stramm die Uhr rund ums Handgelenk gespannt ist.

Das Unterbewusstsein überlisten

Wer trotzdem nicht auf die Waage verzichten möchte, sollte das Wiegen auf einmal in der Woche reduzieren und dabei immer für die gleichen Bedingungen sorgen, damit die Zahlen vergleichbar sind. Am günstigsten ist es, sich morgens nackt und nach dem Toilettengang zu wiegen, rät Bürgel.

Allen, die ihre Tageslaune abhängig von dem Gerät machen, empfiehlt Bürgel, die Anzeige mit einem Zettel zu überkleben, auf dem das Wunschgewicht steht. «Man sieht dann jeden Tag, was man sehen will und trainiert sein Unterbewusstsein auf die Zielvorgabe», sagt Bürgel. Mit dem erstaunlichen Erfolg, dass man tatsächlich entspannt abnimmt. Die motivierende Kraft der Hoffnung kann sich laut Bürgel auch dann entfalten, wenn man sich ein Bild von sich selbst macht - und zwar so, wie man gerne sein möchte. Etwa ohne Fettpölsterchen an Po und Beinen.

Viel entscheidender, als einer Modelfigur hinterher zu jagen, so Bürgel, ist es, sein körperliches und seelisches Gleichgewicht zu finden. Und sich zu fragen, mit welchem Gewicht man sich wohl fühlt, gut schläft und vital aufsteht. Denn oft sind das Idealgewicht und das Wohlfühlgewicht zwei völlig unterschiedliche Größen.

reu/news.de

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