Sa., 26.05.12

Depressionen im Alter 23.02.2010 Vermeidbarer Weg in die Isolation

Ein Tag grauer als der andere: Depressionen im Alter (Foto)
Pillen für bessere Stimmung: Psychopharmaka sind bei älteren Menschen weit verbreitet. Den Gang zum Psychotherapeuten scheuen sie dagegen. Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiter Andreas Schloder

Studien zufolge tauchen Depressionen im Alter nicht häufiger als in jüngeren Altersgruppen auf, jedoch sind sie lebensbedrohlicher. Gerade bei älteren Männern ist das Suizidrisiko vier Mal so hoch wie bei Frauen.

«Depressionen können wirklich jeden treffen, wie eine Rheuma-Attacke», sagt Professor Ulrich Hegerl, Leiter der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie der Universität Leipzig. Rund vier Millionen Bundesbürger werden jährlich gegen Depressionen behandelt.

Das Unkalkulierbare: So individuell wie die Symptome, so unterschiedlich können auch die Auslöser für die Erkrankung sein. «Zum einen können Verlusterlebnisse, zum anderen aber auch positive Ereignisse wie eine Beförderung oder eine bestandene Prüfung dazu führen, an einer Depression zu erkranken, da mit der Leistung auch der Erwartungsdruck steigt», erklärt Hegerl. Der Professor ist zudem Sprecher des Kompetenznetzes Depression, Suizidalität - ein Netzwerk aus bundesweiten Ärzten,Therapeuten und Forschern, die gemeinsam gegen die sich überschneidenden Gesundheitsprobleme vorgehen.

Gerade bei älteren Menschen sind die Experten gefordert: Dem Deutschen Bündnis gegen Depression zufolge gehören Depressionen neben der Demenz zu den häufigsten psychischen Störungen im höheren Lebensalter. Das Problem: Oft werden die Symptome als Begleiterscheinung des Alterns verkannt und abgetan.

Insbesondere bei Patienten mit körperlichen Krankheiten, die in Alten- und Pflegeheimen leben, ist das Depressionsrisiko deutlich erhöht. Die Folge: Mit zunehmendem Alter steigt auch die Suizidrate, was die Zahlen des Statistischen Bundesamtes verdeutlichen: Etwa 30 Prozent aller Selbsttötungen wurden 2006 von Menschen über 65 Jahre verübt, wobei ihr Anteil an der Bevölkerung dagegen nur rund 15 Prozent beträgt. Gerade bei Männern ist die Suizidrate rund vier Mal so hoch wie bei Frauen.

Anders als bei einer Demenz, die ein schleichender und langwieriger Prozess ist, tritt die Depression in Episoden auf. «Sie nimmt sich ihre Themen aus dem Leben», erklärt Hegerl. Die Sorgen zum Alter, der eigenen Gesundheit und zum Autoritätsverlust führten die Betroffenen oft in ständiges Grübeln. Die Schuld werde stets bei sich selbst gesucht. Das führt zu einer wachsenden Hoffnungs- und Antriebslosigkeit. Weitere Symptome sind Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Konzentrationsstörungen. «Für viele ist der Zustand so unerträglich, dass sie sich wünschen, einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen», erläutert der Professor.

Gerade aus dieser Antriebslosigkeit heraus gelingt es den Betroffenen nicht, sich die Depression einzugestehen, geschweige denn Hilfe anzunehmen, da es doch ihre eigene Schuld sei. «In erster Linie sind hier Angehörige, Freunde oder Bekannte gefordert, die einem Mut machen, sich behandeln zu lassen», so Hegerl.

Denn Depressionen lassen sich gut behandeln, den meisten Patienten kann geholfen werden. Die wichtigsten Eckpfeiler der Behandlung sind unter anderem die Anwendung von Medikamenten und die eine Verhaltenstherapie. Elemente daraus sind unter anderem, wie man den Tag strukturiert, ohne dabei wieder von den Pflichten erdrückt zu werden und die negativen Gedanken zur Seite legt.

Bei der Therapie ist laut Hegerl das Vertrauen des Patienten in den Therapeuten von entscheidender Bedeutung. Nicht selten sind ältere Menschen anfangs skeptisch gegenüber den deutlich jüngeren Experten. «Der Altersunterschied kann am Anfang natürlich eine Barriere sein. Aber es gibt handlungsorientierte Verfahren, beispielsweise wie man den Tag strukturiert. Der Draht zwischen Therapeut und Patient muss stimmen», sagt Hegerl.

car/news.de
Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • paulson marianne
  • Kommentar 2
  • 12.04.2010 14:15
 Antwort auf Kommentar 1

Auch im Winter kann man sich Ziele setzen und das hilft.Z.B wieder mal einen Briefschreiben.Freunde besuchen,einen Spieleabend organisieren.Die Schätze die man hat mal wieder rausholen und bewußt anschauen ,so wie Fotoalben oder Münzen oder Briefmarken.Sich einen Reisepartner suchen.Auch mit wenig Geld läßt sich schon einiges machen.Ganz wichtig sich nicht einigeln. marianne

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  • Elster
  • Kommentar 1
  • 08.04.2010 08:10
 

Deppresive Phasen hat jeder. Im Winter besonderst .

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