Diabetesmittel unter Infarkt-Verdacht
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Von news.de-Mitarbeiterin Claudia Arthen
Artikel vom 23.02.2010
Das Diabetes-Mittel Avandia steht erneut im Verdacht, schwere Herzprobleme auszulösen. In den USA soll es nach Ansicht zweier Gutachter der Gesundheitsbehörde vom Markt verschwinden. Wie sollen Patienten in Deutschland reagieren? News.de hat nachgefragt.
Eine langjährige Diskussion über das Diabetes-Medikament Avandia ist jetzt in den USA neu aufgeflammt: Zwei Gutachter der US-Gesundheitsbehörde FDA empfehlen laut einem internen Regierungsbericht, das Mittel sofort vom Markt zu nehmen, berichtet die Online-Ausgabe der New York Times (NYT). Der Grund: Das Präparat könne tödliche Herzkrankheiten - Herzinfarkte und Herzversagen - auslösen. Allein im dritten Quartal 2009 würden in den USA 304 Todesfälle in Verbindung mit Avandia stehen.
Laut der NYT spricht der interne Bericht davon, dass durch diese Maßnahme rund 500 Herzinfarkte und 300 Herzinsuffizienzen pro Monat in den USA verhindert werden könnten. Die zwei US-Senatoren werfen dem Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) vor, bereits vor 2007 von den möglichen Herzproblemen gewusst zu haben. Die Herstellerfirma weist das zurück.
Das Mittel mit dem Wirkstoff Rosiglitazon soll den Blutzuckergehalt von Typ-2-Diabetikern stabilisieren. In Deutschland wird Avandia relativ selten verschrieben, teilen Experten des Diabetes-Informationsportals diabetesDE und der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) mit. Entweder werde das Präparat in Kombination mit anderen Antidiabetika oder als Ersatz-Medikament, wenn andere Mittel nicht vertragen werden, eingenommen.
Unerwünschte Nebenwirkungen von Avandia und weiteren Medikamenten aus der Wirkstoffgruppe der Glitazone sind laut DDG-Sprecherin Beate Schweitzer schon seit Jahren bekannt und werden in Fachkreisen schon lange kontrovers diskutiert. Zu den Nebenwirkungen zählen zum Beispiel Wassereinlagerungen im Gewebe, Herzschwäche und Knochenbrüche bei Frauen.
Empfohlen werden Glitazone in Deutschland deshalb vor allem dann, so Schweitzer, wenn das individuelle Risiko für die Nebenwirkungen gering ist und die Vorteile überwiegen. Diese können darin bestehen, den Stoffwechsel zu verbessern und das Risiko für Gefäßschäden zu minimieren. Vor allem die Patienten profitierten, bei denen andere Medikamente Unterzuckerungen verursachen. Häufige Unterzuckerungen werden mit einem erhöhten Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko in Verbindung gebracht.
Vor einem Jahr hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) festgestellt, dass Glitazone noch nicht ausreichend untersucht sind. Zum einen gebe es zwar Hinweise, dass Patienten profitieren könnten. Allerdings lieferten die selben Studien auch Hinweise auf mögliche Nachteile, unter anderem auf ein erhöhtes Risiko für Herzschwäche, so das Institut.
In den USA ist die Diskussion noch nicht abgeschlossen: Die zuständige Behörde, die Food and Drug Administration (FDA), plant im Juli 2010 ihren Abschlussbericht nach Auswertung der sogenannten Record-Studie, die Nutzen und Nebenwirkungen von Avandia untersuchte.
Laut DDG gibt es in Deutschland keinen Grund, dass auf Avandia eingestellte Patienten das Präparat absetzen. Ärzte müssten aber gemeinsam mit den Patienten entscheiden, ob der Einsatz des Präparats sinnvoll sei. Jedoch hätten auch andere Therapieoptionen, wie alle wirksamen Medikamente, Nebenwirkungen. Die Diabetes-Experten von diabetesDE und DDG empfehlen verunsicherten Patienten, die Avandia einnehmen, mit ihrem Arzt zu sprechen.
cvd/reu/news.de
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