Winter-Depression Der Blues will nicht aufhören

Immer noch Kälte, Eis und Schnee: Da kann man schon den Blues bekommen. Manche Menschen werden sogar von der ungleich schwereren Winter-Depression heimgesucht. Schlafmediziner Wilfried Böhning weiß, wie man dagegen angeht.

Was tun bei Winter-Depression und Frühjahrsmüdigkeit? (Foto)
Frauen leiden bis zu vier Mal häufiger an Winter-Depressionen als Männer. Bild: dpa

Was ist Winter-Depression?

Böhning: Die saisonal abhängige Depression, kurz SAD, tritt in den Herbst- und Wintermonaten auf. Sie geht einher mit Antriebslosigkeit und dem Gefühl, Situationen nicht mehr bewältigen zu können sowie mit einer erhöhten Selbstmordgefährdung.

Typisch ist auch Heißhunger auf Süßigkeiten. SAD liegt vor, wenn die Symptome mindestens zwei Jahre hintereinander auftreten. Diese Erkrankung kommt praktisch nur auf der nördlichen Erdhalbkugel vor - also dort, wo die Jahreszeiten klar voneinander getrennt wahrnehmbar sind. In unseren Breiten leidet grob geschätzt jeder Zehnte unter Winter-Depression, Frauen drei bis viermal häufiger als Männer.

Was sind die Ursachen?

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Böhning: Die SAD ist vor allem eine Störung des hormonellen Gleichgewichts, des Wechselspiels zweier Hormone: Melatonin und Serotonin. Melatonin fördert den Schlaf. Dieses Hormon wird stimuliert durch den Eintritt der Dunkelheit. Wenn es tagsüber aber gar nicht richtig hell wird, ist der Melatoninspiegel auch tagsüber erhöht. Das Serotonin, landläufig auch als Glückshormon bezeichnet, wird durch das Sonnenlicht stimuliert.

Was kann man gegen Winter-Depression tun?

Böhning: Im Vordergrund steht der Lichtmangel. Abhilfe kann eine Lichttherapie schaffen. Dafür gibt es spezielle Lampen, die im Fachhandel relativ preiswert zu bekommen sind. Entscheidend ist dabei, dass das Licht durch die geöffneten Augen auf die Netzhaut trifft. Einfach ins Solarium zu gehen, funktioniert also nicht.

Was ist der Unterschied zur Frühjahrsmüdigkeit?

Böhning: Die Frühjahrsmüdigkeit ist eine Befindlichkeitsstörung. Mehr als jeder Zweite ist in der Übergangszeit vom Winter zum Frühling müde, fühlt sich schlapp, ist aber nicht depressiv. Diese Anpassungsprobleme sollten sich innerhalb von maximal vier Wochen normalisieren.

Was hilft gegen Frühjahrsmüdigkeit?

Böhning: Wenn man weiß, dass man dafür anfällig ist, kann man vorbeugen. Morgens früher aufstehen, abends früher ins Bett gehen. Häufig machen die Menschen den Fehler, dass sie im Frühjahr zwar mehr im Freien sind und die Sonne genießen, dann aber dicke Sonnenbrillen aufsetzen. Man sollte den Tag beginnen mit Wechselduschen und grundsätzlich mit der kalten Dusche enden. Angesagt sind auch leichtere, vitaminreiche Mahlzeiten und Säfte. Und Bewegung im Freien ist immer gut. Das alles wird auch bei SAD empfohlen. Die Schwierigkeit ist aber, die Betroffenen dazu zu animieren, wenn sie so antriebslos sind.

Wilfried Böhning ist Schlafmediziner am Medizinischen Zentrum für Gesundheit in Bad Lippspringe.

sca/car/ivb/news.de/dpa

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Elster
  • Kommentar 1
  • 20.02.2010 13:38

Wer ,da sagt ,er habe keine depresive Phase in der driesten Jahreszeit ,der lügt .Die Stimmung ist nicht gerade erquickend .Ich bin so ,daß ich raus muß und wenn es nur eine kleine Weile ist . Man konnte nicht so unbekümmert raus ,denn Glätte und Schnee waren ja vorrangig vorhanden .Klar ist es gut ,wenn man gemütlich auch in der Wohnung ist ,aber man bekommt schnell einen " Budenkoller " Mein Hobby hilft mir etwas ,daß die Stimmung etwas verbessert wird .

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