Fasten Frühjahrsputz für Körper und Seele

Fastenzeit (Foto)
Abwarten und Tee trinken: Beim Fasten ist Durchhaltevermögen gefragt. Bild: ddp

Von Imke Zimmermann
Beim Fasten wird zuerst immer an überschüssige Kilos gedacht. Doch das Fasten steht auch im direkten Zusammenhang mit Reinigung und tut daher auch der Seele gut, sagte Fastenexperte Christian Kuhn.

Herr Kuhn, Sie werben für das Fasten. Warum?

Kuhn: Das Fasten hat verschiedene Dimensionen. Die eine ist die körperliche - viele Menschen finden, dass sie damit ganz gut abnehmen können. Wir sagen aber: Am Ende des Fastens entscheidet sich, ob nur die Hose oder auch das Bewusstsein weiter geworden sind. Wenn man langfristig abnehmen will, kann man das mit Fasten anfangen, muss aber auch seinen Lebensstil bewusst verändern. Das Fasten ist als Einstieg sehr gut, eben weil es auch eine geistig-seelische Dimension hat.

Wie wirkt Fasten auf die Seele?

Kuhn: Wenn man das Fasten mit Stille und mit Ritualen für Ruhe kombiniert, dann ist man an den Wurzeln des Fastens. Die Menschen haben immer schon gefastet, um sich aus der Welt zurückzuziehen, sich zu besinnen, nach innen zu gehen und eventuell mit einer höheren Kraft in Kontakt zu treten. Das passiert natürlich nur, wenn man die geeigneten Rahmenbedingungen schafft. Das Fasten im hektischen Alltag halte ich aus diesem Grund für nicht empfehlenswert, denn das ist dann nur ein körperliches Fasten. Da ist eine Diät besser.

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Welche positiven Wirkungen hat richtiges Fasten?

Kuhn: Fasten schaltet uns von außen nach innen, von Sympathikus auf Parasympathikus. Wir werden sensibler dafür, was in uns, in unserem Geist und unserer Seele, abläuft. Unsere Gefühle werden uns bewusster - die schönen wie die schwierigen. Tagsüber im Hamsterrad spüren wir nicht, ob wir gerade glücklich sind oder aggressiv, oder ob wir schlechte Gefühle haben. Fasten verhilft zu einer Bestandsaufnahme: Wo stehe ich? Was fühle ich? Wo will ich hin?

Macht Fasten glücklich?

Kuhn: Ja, weil Glück die Erfahrung der Einheit mit etwas Höherem ist, und das kann beim Fasten passieren. Auch steigt der Spiegel des Glückshormons im Blut, des Serotonins. Doch das ist die Folge des veränderten Bewusstseins, nicht dessen Ursache. Das verwechseln die Biochemiker immer.

Braucht man psychologische Unterstützung beim Fasten?

Kuhn: Manche Menschen ja. Das hängt davon ab, inwieweit man mit seinen Gefühlen und deren Aufwallungen allein fertig werden kann. In der Regel ist es schön, eine Unterstützung zu haben. Aber vieles passiert auch ganz von allein, wenn man dem Raum gibt.

Gibt es psychische Dispositionen, bei denen Sie vom Fasten abraten?

Kuhn: Es gibt schizophrene Erkrankungen und Psychosen, bei denen wir nicht ganz strikt abraten, aber sehr vorsichtig sind und auf jeden Fall psychotherapeutische Begleitung anbieten oder vorschreiben würden. Grundsätzlich gibt es keine absolute Kontraindikation.

Wie lange sollte man fasten?

Kuhn: Richtig gut ist ein dreiwöchiges Fasten. In der erste Woche ist überwiegend das körperliche Fasten an der Reihe, in der zweiten folgt das seelische, in der dritten das geistig-spirituelle. In unseren schnelllebigen Tagen nehmen sich viele Menschen allerdings immer weniger Zeit. Aber wenn man sich richtig vorbereitet, aus dem Alltag herausgeht - zum Beispiel Ferien macht - auf Kontakte über Handy oder E-Mail verzichtet, dann kann man auch schon nach fünf Tagen seelische und geistige Erlebnisse haben.

Fasten muss man durchhalten. Haben Sie Tipps?

Kuhn: Durchhalten werden Fastende immer, wenn sie die ersten drei Tage überstanden haben. Trotzdem haben manche Menschen Angst, das nicht zu schaffen. Interessierte sollten sich vorher informieren, sich vielleicht auch geistig vorbereiten und ein bisschen Vertrauen haben in diese Methode, die so alt ist wie die Menschheit. Wir haben ja immer mal mehrere Tage und Wochen ohne Essen verbracht. Ab dem dritten, vierten Tag Fasten kann man sich gar nichts Besseres mehr vorstellen, weil man sich leicht fühlt, körperlich sauber, bei klarem Bewusstsein. Und dann hält man auch problemlos drei Wochen durch.

 

Christian Kuhn ist Internist und Psychotherapeut sowie Vorsitzender der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung. Er ist in einer großen Fastenklinik tätig.

 

car/nbr/news.de/ap

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