Job-Angst

Die Krise stört den Schlaf der Deutschen

Sie schlafen nicht und schleppen sich krank ins Büro: Die deutschen Arbeitnehmer leiden gesundheitlich unter der Wirtschaftskrise. Besonders Schlafstörungen werden laut einer DAK-Studie oft schlecht behandelt.

Lester Maul (Was ist das?)

Wegen der Kurzarbeit kriege ich nur noch halb soviel Büroschlaf!

Schwere Schlafstörungen machen den Alltag von rund vier Millionen Arbeitnehmern in Deutschland zur Qual - behandelt werden sie oft nur mangelhaft. Leistungsdruck und Job-Ängste dürften in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise zur weiteren Ausbreitung dieser Volkskrankheit beitragen. Viele Betroffene schleppen sich trotz Erschöpfung, Antriebslosigkeit oder Nervosität zur Arbeit. Das geht aus dem Gesundheitsreport 2010 der Krankenkasse DAK hervor.

«Jeder zweite fühlt sich von Schlafstörungen betroffen», sagte DAK-Chef Herbert Rebscher. Rund 28 Prozent leiden manchmal darunter, 21 Prozent häufiger. Insgesamt hat jeder zehnte Arbeitnehmer schwere Störungen, schläft mindestens dreimal pro Woche schlecht und quält sich fast immer stark übermüdet durch den Tag.

Regelmäßiges Aufwachen, längeres Wachliegen und riskant kurzer Schlaf unter sechs Stunden sind laut der Studie die Hauptprobleme. «Wenn man chronisch weniger als sechs Stunden schläft, hat man eine deutlich kürzere Lebenserwartung», warnte der Berliner Schlafmediziner Ingo Fietze. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnten die Folge sein.

Ausfalltage wegen Schlaflosigkeit

Rund neun Prozent der Betroffenen leiden an ihrer Arbeitsstelle oft unter massivem Schlaf-Drang, berichtete der Geschäftsführer des IGES- Instituts, Hans-Dieter Nolting. Das Institut hatte im DAK-Auftrag 3000 Erwerbstätige zwischen 35 und 65 Jahren befragt.

Besonderer Stress und Grübeleien in der Nacht sind die häufigsten Auslöser. «Die Wirtschaftskrise kann die Anzahl der Schlaflosen erhöhen», sagte Fietze. Der Druck zu Mehrarbeit aus Jobangst begünstige das Leiden ebenso wie Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Ausfalltage wegen Schlaflosigkeit habe in den vergangenen Jahren zugenommen, teilte Nolting mit.

Sorgen machen sich die Experten über die ihrer Einschätzung nach oft mangelhafte Behandlung. «Das größte Manko in Deutschland besteht darin, dass wir zu wenig aufgeklärt sind», sagte Fietze. Das gelte für Ärzte und Betroffene gleichermaßen. Viele Haus- und Fachärzte seien nicht geschult, das Leiden zu erkennen. Jeder dritte Patient, der auf Schlafmittel vertraut, nehme die Medikamente länger als empfohlen.

Krankenstand auf niedrigem Niveau

Bei den Senioren nehmen rund 13 Prozent an mehr als 180 Tagen die Mittel - obwohl sie eigentlich nur dafür da sind, Schlafstörungen einmalig zu durchbrechen und dann wieder abgesetzt werden sollen, wie Mediziner Fietze erläuterte. Auch Verhaltenstherapien zwischen einem halben und einem Jahr Dauer könnten helfen.

Auch andere Krankheiten kurierten die Arbeitnehmer aus Angst vor dem Jobverlust seltener als früher aus, sagte Rebscher. Trotz einer leichten Steigerung auf 3,4 Prozent sei der Krankenstand auf niedrigem Niveau. Ein DAK-Versicherter war 2009 im Schnitt 12,4 Tage krank. Mehr als ein Fünftel aller Krankheitstage gehen auf Muskel-Skelett-Probleme zurück, 19 Prozent auf Erkrankungen des Atemwegsystems. Für die Studie wurden die Daten von 2,5 Millionen DAK-Mitgliedern ausgewertet. Sie sei aussagekräftig auch für die Gesamtbevölkerung.

ped/car/reu/news.de/dpa
Zum Thema Thema verfolgen » Newsletter abonnieren Artikel kommentierenArtikel kommentieren
Entspannt im Job mit Tagesplan und Pausen (Foto)
Stress im Job

Bloß nicht krank arbeiten

Schlechte Luft, hoher Lärmpegel, Zeitdruck, Angst um den Job - die Belastungen am Arbeitsplatz sind vielfältig, ob mehr ...

Fehltage am Arbeitsplatz (Foto)
Krank im Job

Straßenkehrer fehlen am häufigsten

Mit 35 Fehltagen melden sich Straßenreiniger in Deutschland am häufigsten krank. Das ergab eine Studie der mehr ...

 (Foto)
Studie

Zeitarbeiter sind häufiger krank

Zeitarbeit macht krank. Das lässt sich aus einer Studie der Techniker Krankenkasse schließen. Demnach fehlen Zeitarbeiter mehr ...

 (Foto)
Berufskrankheit

Krach im Büro schadet der Gesundheit

Wenn am Arbeitsplatz dauernd die Telefone klingeln, ist das nicht nur nervig. Der Lärm, der dabei entsteht, mehr ...

Bei Mobbing im Internet unbedingt Hilfe holen (Foto)
Arbeitspsychologie

Mobbing macht unproduktiv

Kleine Sticheleien von der Kollegin oder der Chef, der seinen Angestellten vor versammelter Mannschaft herunterputzt - Mobbing mehr ...

 (Foto)
Zivilisatosen

Wenn der Luxus krank macht

Fußballstar Sebastian Deisler lebte ein Leben, von dem andere träumen. Für seine Künste im Mittelfeld vergöttert, für mehr ...

Job-Angst : Die Krise stört den Schlaf der Deutschen » Gesundheit » Nachrichten
URL : http://www.news.de/gesundheit/855043843/wirtschaftskrise-macht-uns-krank/1/
Schlagworte:
Leserkommentare (0)
jetzt kommentieren
Kommentar schreiben
Netiquettelink | AGB
Ihr Name
Ihre Emailadresse
noch 600 Zeichen übrig
Ihr Kommentar
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.

Zum Thema
Anzeige
Meistgelesene Artikel
Fotostrecken
Videos
zurück
vor
Merkzettel
Hier können Sie Artikel ablegen, die Sie später lesen wollen.
Wie geht das?
Anzeige