Die Kunst der süßen Plauderei
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Von Britta Schmeis
Artikel vom 08.02.2010
Komplimente zu machen, ist eine Kunst für sich. Aber auch damit umzugehen, ist nicht gerade leicht. Viele unterstellen ein unlauteres Ziel und fragen sich: «Was kommt danach?» Dabei sollte man ein Kompliment als das nehmen, was es ist: ein Geschenk.
Sie sind oft plump oder unangemessen, häufig auch abgedroschen. Und doch steckt meist ein Fünkchen Wahrheit in ihnen. Aber annehmen oder wirklich glauben mag man sie meist nicht - auch wenn man sich ein wenig freut oder gar geschmeichelt fühlt.
Kurzum, es ist eine Krux mit den Komplimenten. Dabei sind sie ein Geschenk. «Die noch im 18. Jahrhundert gängige Umgangsform des Komplimentierens und die süße Plauderei haben heute an Bedeutung verloren», sagt die in der Schweiz lebende Rhetorikerin Gloria Beck. Das ist bedauerlich, denn Psychologen und Flirtexperten sind sich einig: Komplimente setzen positive Energien frei, steigern das Wohlbehagen und wirken stabilisierend auf Beziehungen.
«Ein Kompliment ist wie eine Praline. Sie versüßt das Leben und versetzt den anderen für einen Moment in Euphorie», erklärt Beck. Doch die Fähigkeit, eine solche Nettigkeit ohne Hintergedanken anzunehmen und auch auszusprechen, scheint abhandengekommen zu sein. «Das hat etwas mit unserer Erziehung zu tun, mit der anerzogenen Bescheidenheit und dem Understatement», sagt der Stilberater Jan Schaumann aus Berlin. Dazu komme eine ganze Menge Misstrauen: «Viele überlegen erstmal ‹Was will er damit bezwecken›.» Ein «Gut siehst Du heute aus» könne da auch schnell missverstanden werden - frei nach dem Motto «Ach, und sonst nicht?»
Danken und lächeln
«Grundsätzlich gibt es keine besseren oder schlechteren Komplimente», sagt der Paartherapeut Jörg Wesner aus Hamburg. Dafür seien die Nettigkeiten oft viel zu individuell und persönlich. Doch gerade das könne im beruflichen oder öffentlichen Umfeld zum Problem werden, weil sie entweder unpassend sind oder tatsächlich etwas ganz anderes bewirken sollen.
Gleiten Komplimente ins Persönliche ab - was vor allem zwischen älteren Männern und jungen Frauen vorkommt und dann ganz besonders peinlich wird, sind sie meist ebenfalls unangemessen, deswegen aber längst noch nicht weniger ehrlich. «Die ältere Generation, und da gerade die Männer, haben noch gelernt, Komplimente zu machen, was bei modernen Frauen aber nicht immer so gut ankommt», sagt Schaumann.
Nina Deissler rät dennoch zu Gelassenheit: «Ein Kompliment ist ein kleines Geschenk und sollte auch als solches behandelt werden», findet die Flirtexpertin aus Hamburg. Ein freundliches «Danke schön» und dazu ein nettes Lächeln seien meistens die beste Reaktion. «Schließlich ist nicht jeder ein guter Rhetoriker.»
Metaphern kommen gut an
Trotzdem kommt es durchaus auf die Formulierung an. «Kleine Variationen in der Wortwahl oder der Wortstellung veredeln die Aussage», erklärt Beck. «Nur» die blauen Augen, oder die langen Beine zu loben, sei sprachlich gesehen einfach langweilig. Hier sei Sprachkompetenz gefordert, also das Bemühen, sich besser auszudrücken, zum Beispiel durch einen ungewöhnlichen Vergleich oder eine nette Metapher. Zwar könne man auch immer wieder die langen Beine loben, aber den eleganten Schwung der Waden zu erwähnen, steigere die Qualität der Schmeichelei, findet Beck.
Doch was ist ein gelungenes Kompliment? «Das Problem ist doch, dass viele Komplimente formelhaft und wie auswendig gelernt dahergesagt werden», sagt Schaumann. Solche «süßen Worte» kämen nur in seltenen Fällen an und wirkten plump. «Toll ist es doch, wenn man mal etwas hört, was man noch nie gehört hat», sagt auch Deissler. Da dürfe es auch mal die Zahnlücke sein, die das Gegenüber besonders herausstellt. Das allerdings erfordert besondere Aufmerksamkeit und Beobachtungsgabe - und die Zeit nehmen sich viele erst gar nicht.
«Bei einem gelungenen Kompliment kommt es darauf an, es dem Geschmack des anderen anzupassen, nicht seinem eigenen», erklärt Beck. Das sei so ziemlich die einzige Regel, die man bei Komplimenten anwenden könne. Alles andere lasse sich nicht verallgemeinern.
Besondere Aufmerksamkeit ist bei Komplimenten in einer Beziehung geboten. «Oft machen sich Partner nicht mehr so viele, dabei gefällt ihnen viel mehr aneinander als der andere denkt», sagt Wesner. Es könne helfen zu versuchen, den anderen mal wieder mit anderen Augen zu betrachten. «Das frischt die Beziehung auf.» Gleichzeitig warnt er davor, die Nettigkeiten ausschließlich in Superlativen zu formulieren: «Das wirkt dann auch ganz schön hohl.»
Literaturtipp: Gloria Beck: Komplimente. Eine Gebrauchsanleitung, Eichborn-Verlag, 19,95 Euro.
car/reu/news.de/dpa
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