Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen - 05.02.2010, 18.55 Uhr

Risikoschwangerschaft: Späte Mütter - riskanter Kinderwahn?

Immer mehr Frauen erfüllen sich erst ab dem 35. Lebensjahr ihren Kinderwunsch und reagieren verängstigt, wenn der Arzt von einer Risikoschwangerschaft spricht. Doch das ist nicht zwangsläufig ein Grund zur Sorge.

Die Risiken einer späten Schwangerschaft können durch intensive Vorsorge und Überwachung minimiert werden. Bild: Istockphoto

Gerade unter Promis scheint eine Schwangerschaft mit über 40 Jahren ein absoluter Trend zu sein. Jennifer Lopez, Madonna, Marcia Cross - sie alle haben lange mit dem Kinderkriegen gewartet. Doch auch «normale» Frauen entscheiden sich immer öfter, noch im reifen Alter ein Baby zu bekommen.

Im Jahr 2006 lag das Durchschnittsalter der Frauen in Deutschland, die ihr erstes Kind bekamen, bei 29 Jahren. Mittlerweile steigt das Alter weiter an und immer mehr Frauen gebären ihr erstes Kind, wenn sie um die 40 Jahre alt sind.

Die Gründe für späte Schwangerschaften sind vielfältig. «Feste Partnerschaften und Ehen werden später geschlossen. Außerdem ist es vielen Frauen heute wichtig, nach der Ausbildung berufliche Erfahrungen zu sammeln», sagt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte (BVF). Die steigende Scheidungsrate führt ebenso zu späten Geburten: «Viele Männer und Frauen, die nach der ersten Ehe eine weitere Verbindung eingehen, haben den Wunsch, mit dem neuen Partner ein Kind zu bekommen», sagt Albring. Ein weiterer Grund für eine späte Schwangerschaft: Neue Behandlungsmethoden ermöglichen es Paaren mit Kinderwunsch, nach vielen Jahren doch noch ein Kind zu bekommen.

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Die Risiken einer späten Mutterschaft

Späte werdende Mütter – gemeint sind Frauen, die ihr erstes Kind ab dem 35. Lebensjahr erwarten - gelten als «risikoschwanger», denn bei ihnen besteht die Gefahr, «dass es während der Schwangerschaft oder Geburt zu Komplikationen kommt», erläutert Albring. Auch das Risiko für eine kindliche Störung ist höher als bei jüngeren Schwangeren. So sind Kinder später Mütter häufiger von Chromosomenstörungen betroffen. Das heißt, sie bekommen entweder zu viel oder zu wenig Erbinformationen mit. Die bekannteste Abweichung ist das Down Syndrom (Trisomie 21), bei der ein Kind drei statt zwei Chromosomen 21 besitzt.

Laut dem Frauenarzt ist das Alter nur einer von vielen Gründen, die dazu führen, dass Ärzte heutzutage immer öfter die Diagnose «Risikoschwangerschaft» stellen. Das liegt daran, dass sich die Liste der möglichen Risiken in den vergangenen Jahren erweitert hat.

Wichtige Kriterien für die Entscheidung, ob eine Frau als Risikoschwangere betreut werden muss, sind zum Beispiel chronische Krankheiten wie etwa Herzkreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Auch Frauen, die übergewichtig sind, die unter Allergien, Schwangerschaftsdiabetes oder einer Stoffwechselerkrankung (Gestose) leiden, zählen zur Gruppe der Risikoschwangeren. Ebenso Frauen, die schon einmal per Kaiserschnitt oder mehr als vier Kinder entbunden haben oder bereits eine Fehl-, Früh- oder Totgeburt hatten.

Außerdem sind Frauen, die Mehrlinge erwarten, «risikoschwanger». «Bei einer Frau über 35 Jahre ist die Wahrscheinlichkeit, Zwillinge zu bekommen, etwas höher, weil der Eierstock nicht mehr so selektiv arbeitet», erklärt Albring. Frauenärzte sprechen auch dann von einer Risikoschwangerschaft, wenn Schwangere unter 18 Jahre alt sind, eine Rhesusunverträglichkeit vorliegt oder das Kind falsch liegt, also in der Quer- oder Steißlage.

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Kein Grund zur Beunruhigung

Doch all das ist laut Albring kein Grund zur Beunruhigung. «Die gute Nachricht ist, dass die meisten Schwangerschaften jenseits des 35. Lebensjahres so komplikationslos verlaufen wie bei jüngeren Frauen», versichert Albring. Das liege daran, dass die Risiken durch «eine intensive Vorsorge mit Ultraschalldiagnostik und Überwachung minimiert werden können». So würden Frauen bei einer «normalen» Schwangerschaft bis zur 28. Woche in Vier-Wochen-Rhythmen zur Kontrolle eingeladen. Anders Frauen, die Diabetes oder einen hohen Bluthochdruck haben: Sie werden mindestens alle zwei Wochen kontrolliert, gelegentlich sogar wöchentlich, um sicher zu stellen, dass es dem Baby gut geht, erläutert der BVF-Präsident.

Die Kehrseite einer solchen «Überversorgung»: «Viele schwangere Frauen empfinden ihre Schwangerschaft nicht mehr als natürlich und können sie deshalb nicht genießen», stellt Alrbing fest. Sie sind verunsichert und in ständiger Sorge um das Wohl ihres Kindes und ihrer eigenen Gesundheit. Völlig unnötig, wie der Mediziner findet. Jennifer Lopez, Madonna und Marcia Cross haben schließlich auch völlig gesunde Kinder zu Welt gebracht.

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