Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Allein in Deutschland leiden 1,2 Millionen Menschen an Alzheimer, weltweit sind es 24 Millionen. Doch nicht nur die Patienten trifft der unaufhaltsame geistige Verfall, auch die Angehörigen sind Opfer der Krankheit.
Alzheimer ist die Geißel einer alternden Gesellschaft. Eine Krankheit, die auch heute noch immer mit einem Tabu belegt ist, obwohl immer mehr Menschen an ihr erkranken. Bei Betroffenen und Angehörigen ist die Scham, darüber zu sprechen, meist sehr groß. Denn Kranke, die ihre Biografie verlieren, gelten als nicht gesellschaftsfähig.
90 Prozent aller Betroffenen werden zu Hause gepflegt und gehütet. Deshalb sind Familien von Alzheimer-Patienten gleichfalls Opfer der Krankheit. Auch ihr Leben wird von der Krankheit bestimmt, von der großen Herausforderung, sich um jemanden zu kümmern, der immer etwas will, sich oft beschwert, aggressiv ist, nicht mehr alleine essen und sich nicht selbst waschen kann. Da braucht es nicht nur finanzielle Unterstützung durch die Sozialversicherung, sondern auch seelische durch Selbsthilfegruppen oder Therapeuten. Sonst werden auch pflegende Angehörige krank.
Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem die Angehörigen überfordert sind. Dann müssen professionelle Pflegekräfte die Betreuung übernehmen. Doch die meisten Altenheime sind auf körperliche Gebrechen eingestellt, nicht auf die des Geistes. Und weil die öffentlichen Kassen leer sind, fehlt es an Geld für ausgebildetes Pflegepersonal.
Dabei ist es wichtig, ein für den Erkrankten optimales Umfeld zu schaffen, beginnend bei Räumen, in denen er sich nicht verirrt, bis hin zu einer sinnvollen Tagesbeschäftigung. Ein Alzheimer-Patient darf nicht sich selbst überlassen bleiben. Statt isoliert, sauber und ruhig gestellt gehört er im Wortsinn in Gesellschaft, zum Beispiel in ambulant betreute Wohngemeinschaften, wie es sie in einigen deutschen Großstädten schon gibt.
Des Themas Demenz muss sich auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen ernsthaft angenommen werden. Junge Menschen, möglichst schon in Schulen, sollten sich damit beschäftigen. Eine Grundkenntnis darüber, was Alzheimer genau ist, könnte die Krankheit entmystifizieren und das Stigma zumindest verringern. Wer die Augen verschließt, vergisst, dass Alzheimer auch ihn treffen könnte.
kas/news.de