Lebensretter für Ole gesucht
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Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 29.01.2010
Die Diagnose Leukämie traf Ole Fischer und seine Familie vor einem Jahr wie ein Blitz. Nach einem Jahr intensiver Chemotherapie steht fest: Nur eine Stammzellspende kann den 22-Jährigen retten.
Silvester 2008 war für ihn noch die Welt in Ordnung. Doch am Abend bekam er eine dicke Grippe, die zehn Tage dauern sollte. Gleichzeitig litt er unter heftigen Bauchschmerzen. Trotzdem ging der 22-Jährige seiner Arbeit als Kfz-Mechatroniker nach.
Aber Mitte Januar 2009 ging es einfach nicht mehr. «Die Schmerzen waren zu stark», sagt Ole Fischer. Er packte ein paar Sachen in eine Tasche und ließ sich in ein Krankenhaus bringen. «Dort wurde mir Blut abgenommen - mit dem Ergebnis, dass die Leukozyten völlig aus jedem Sollwert herausstachen», erzählt der junge Mann aus Holzwickede bei Unna in Nordrhein-Westfalen. Eine Ultraschalluntersuchung seines schmerzenden Unterleibes ergab zudem, dass seine Milz bis auf ein Fünffaches angeschwollen war. «Die Ärzte dachten sofort an Leukämie, mir wurde Knochenmark entnommen und nach zwei Tagen wurde der Verdacht bestätigt.»
Leukämie kann jeden treffen
Alle 45 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Leukämie, umgangssprachlich auch bekannt unter Blutkrebs. Es ist eine Erkrankung des blutbildenden Systems. Dabei vermehrt sich eine bestimmte Sorte der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) unkontrolliert. Zum Teil oder komplett unreife Leukozyten schwemmen vom Knochenmark ins Blut aus und siedeln sich in verschiedenen Organen des lymphatischen Systems oder im Körpergewebe an.
Das lymphatische System ist Teil des Immunsystems; zu den sogenannten lymphatischen Organen zählen zum Beispiel die Lymphknoten, die Milz und die Mandeln. Die erkrankten Blutzellen sind nicht funktionstüchtig. Die Vermehrung dieser Leukämiezellen im Knochenmark verdrängt dort die Blutstammzellen, die zur Bildung aller Blutzellen (rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen) befähigt sind.
Ole Fischer leidet unter einer besonders heftigen Art von Blutkrebs: der akuten lymphatischen Leukämie, die unbehandelt innerhalb weniger Wochen oder Monate zum Tod führt. «Mir ging im ersten Augenblick nicht viel durch den Kopf, es dauerte einige Zeit, bis mir klar wurde, dass ich todkrank bin», sagt Ole Fischer, der damals nicht sehr viel wusste über seine Erkrankung, deren Ursachen bis heute nicht genau geklärt sind. «Die Ärzte hier in der Uniklinik Münster sind wirklich klasse und nehmen sich immer sehr viel Zeit, um mir alles ganz genau zu erklären.»
Nur eine Stammzellspende kann Ole retten
Die Chemotherapie, mit der Ole Fischer daraufhin fast ein Jahr behandelt wurde, schlug zunächst sehr gut an. Der 22-Jährige hatte schon Hoffnung, den Krebs auf diese Weise besiegen zu können. Doch kurz vor dem Jahreswechsel 2009/2010 bekam er plötzlich sehr starke Rückenschmerzen, «die kaum noch auszuhalten waren». Am Neujahrstag wurde Ole Fischer erneut in die Klinik gebracht. Dort stellten die Ärzte ein Lymphom zwischen Lunge und Wirbelsäule fest. Es war bösartig. Ein Schlag für die ganze Familie.
Derzeit muss sich Ole Fischer einer besonders intensiven Chemotherapie unterziehen, die seinem Körper stark zusetzt. «Mir geht es, wie man so schön sagt, den Umständen entsprechend», berichtet er per E-Mail aus der Uniklinik Münster. «Manchmal geht es mir gut, aber meistens geht es mir schlecht.»
Nur eine Transplantation gesunder StammzellenStammzellen sind die Reparaturreserve des Körpers. Sie sind noch nicht differenziert und können sich daher je nach Bedarf zu einer Vielzahl verschiedener Zelltypen entwickeln. Deshalb erhofft sich die Wissenschaft von ihrer Erforschung neue Heilungsmethoden wie bei Hirnschäden nach Schlaganfällen oder die Parkinsonsche Krankheit. kann Ole Fischer jetzt noch retten. Eine Chance auf Heilung besteht nur, wenn er seinen «genetischen Zwilling» findet. Und da liegt das Problem: Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die Gewebemerkmale zweier Menschen übereinstimmen, ist äußerst selten, weil es mehr als 2600 verschiedene Merkmale gibt, die wiederum in Abermillionen Kombinationen auftreten können. Bei häufigen Merkmalkombinationen findet sich ein passender Spender unter 20.000 Menschen, bei seltenen findet sich unter Millionen Menschen kein einziger.
Die Eltern kommen als Spender nicht in Frage, auch Bruder Jan nicht. Das haben Untersuchungen ergeben. Ole Fischer ist also auf die Hilfe der Menschen aus seiner Heimatgemeinde Holzwickede und auf die Hilfe Fremder angewiesen.
Ein Puzzlespiel mit Abermillionen Teilen
Hier setzt die Arbeit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) an. Die gemeinnützige Gesellschaft mit Sitz in Tübingen hat es sich zur Aufgabe gemacht, für jeden Leukämiekranken einen geeigneten Spender zu finden. Mehr als zwei Millionen Menschen sind derzeit in der Datei registriert. 3578 von ihnen wurden 2009 tatsächlich zum Lebensretter und spendeten einem Patienten Knochenmark oder Stammzellen. Dennoch sucht jeder fünfte Leukämiepatient vergeblich einen passenden Spender.
Es ist wie bei einem komplizierten Puzzlespiel mit Millionen von Teilen - deshalb ist es wichtig, genügend geeignete Stammzellspender zu finden. Ole Fischers Familie hat mit Unterstützung der DKMS und ihrer Ärzte eine Typisierungsaktion auf die Beine gestellt, bei der sich jeder gesunde Mensch im Alter von 18 bis 55 Jahren bei der DKMS registrieren lassen kann. Dazu ist anfangs nur die Abgabe einer Blutprobe von fünf Millilitern erforderlich.
Ole Fischer und seine Familie hoffen, dass möglichst viele Menschen der Einladung folgen - und dass sich auch Menschen anderswo in Deutschland registrieren lassen. Denn jeder, der sich typisieren lässt, kann zum Lebensretter von Ole oder einem anderen Leukämiepatienten weltweit werden.
Ole Fischer versucht, tapfer zu sein. «Ich bin ein Mensch, der immer sehr optimistisch denkt - auch jetzt in Bezug auf meine Krankheit», schreibt er. «Ich lasse mich davon nicht unterkriegen. Ich habe zum Glück eine tolle Familie, die besten Freunde und die geben mir alle sehr viel Kraft und stärken mir den Rücken.»
Die Typisierungsaktion in Holzwickede (Nordrhein-Westfalen) ist am Samstag, 30. Januar, von 10 bis 16 Uhr im Forum des Schulzentrums, Opherdicker Straße 44. Termine für Typisierungsaktionen bundesweit werden auf der Homepage der Deutschen Knochenmarkspenderdatei www.dkms.de veröffentlicht. Dort gibt es auch Informationen über die Typisierung. Jede Neuaufnahme eines Spenders kostet die DKMS 50 Euro. Deshalb bittet Familie Fischer um Spenden, die auf das DKMS-Spendenkonto 2 032 431 bei der Sparkasse Unna, BLZ 443 500 60, überwiesen werden können.
/ivb/news.de
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