Gleichgewicht Eine Frage der Balance

Gleichgewicht (Foto)
Gleichgewichtstraining ist eine wirksame Methode, Schwindelanfällen vorzubeugen. Bild: Istockphoto

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Wer Schwindel vorbeugen möchte, sollte sein Gleichgewichtssystem trainieren. Ist es intakt, steht man sicherer auf den Beinen und die Welt gerät nicht so leicht ins Wanken. News.de stellt einige Übungen vor.

Wer rastet, der rostet. Das gilt auch für den sechsten Sinn: das Gleichgewichtssystem. «Eingeschränkte Bewegung kann ursächlich für Gleichgewichtsstörungen sein», erklärt Anne Freimann, Redakteurin der Medizinsendung Service: Gesundheit des hr-Fernsehens und Ratgeberautorin. «Je weniger der Körper gefordert wird und je seltener die Muskeln in den Beinen trainiert werden, desto schwerer fällt es auch, das Gleichgewicht zu halten.»

Damit der Körper die Balance halten kann, arbeiten mehrere Sinnesorgane zusammen. Die Augen sorgen für die optische Orientierung, der Tastsinn teilt dem Körper mit, ob wir beispielsweise mit beiden Beinen auf dem Boden stehen, und das Ohr hat eine Doppelfunktion: Es ermöglicht zum einen das räumliche Hören. Zum anderen sitzen im rechten und linken Innenohr die beiden Gleichgewichtsorgane. «Sie bestehen aus drei Bogengängen, die aussehen wie kreisförmige Schläuche», erklärt Freimann. Der obere Bogengang sei für die Bewegungsorientierung «oben – unten» verantwortlich, die seitlichen Bogengänge für die Bewegungsorientierung «rechts – links» beziehungsweise «vorne – hinten».

Fitness
Sanfter Sport mit starker Wirkung

In den Bogengängen befinden sich die Sinneszellen, die mit winzigen Härchen besetzt und von Flüssigkeit umgeben sind. «Bewegt man sich, bleibt die Flüssigkeit zurück und erzeugt Sinnesreize an die Nervenzellen», sagt Freimann. Über den Gleichgewichtsnerv werden diese Reize ständig an das Gehirn weitergegeben.

Im Innenohr befinden sich auch die Otholiten: winzige Steinchen, die in den Bogengängen des Innenohrs verankert sind. «Wenn es zum Beispiel während einer Autofahrt zu einer ruckartigen Bewegung kommt, können sich die Steinchen lösen und sich unkontrolliert im Gleichgewichtsorgan bewegen», sagt Freimann. Das Gehirn erhält dann verwirrende Informationen und reagiert mit Drehschwindel.

Alle diese Systeme - die Gleichgewichtsorgane im Innenohr, die Augen, das Gehirn und der Bewegungsapparat - halten den Mensch im Gleichgewicht. Wenn ein System nur ein bisschen gestört ist, können das die anderen drei Systeme noch ausgleichen. Zum Schwindel kommt es meistens erst, wenn ein Komplettausfall eines dieser Systeme vorliegt oder zwei und mehr Systeme gleichzeitig schwach sind.

Wer unter leichten Schwindelbeschwerden leidet oder Schwierigkeiten hat, die Balance im Körper zu halten, dem empfiehlt Freimann Gleichgewichtstraining. Die Übungen könnten helfen, sich besser im Raum zu orientieren und sicherer auf beiden Beinen zu stehen. Das Training mindere sogar Schwindelgefühle oder sorge dafür, dass sie ganz abklingen.

Freimann rät außerdem zu Krafttraining für die Beine auf dem Fahrradergometer oder Stepper. «Denn nur wenn die Beine genügend Kraft haben, können sie den Körper gut tragen», erklärt die Autorin. Sogar im Alter von 80 Jahren ließen sich noch Muskeln aufbauen. Weitere empfehlenswerte Sportarten sind Schwimmen und Nordic Walking.

Lesen Sie auf Seite 2, welche Übungen gegen Schwindel helfen

Sanftes Blicktraining (auf dem Rücken liegend): Mit beiden Augen nach oben schauen, nach unten, dann nach links und nach rechts. Den Kopf dabei nicht bewegen. So wird das Gleichgewicht langsam gefestigt.

Gewichtsverlagerung (im Stehen): Mit beiden Beinen fest auf den Boden stellen. Die Füße stehen etwa hüftbreit auseinander. Der Oberkörper ist gerade und die Arme hängen entspannt herunter. Dann das Gewicht langsam von einem Bein auf das andere verlagern – so weit, bis das Gewicht nur noch auf einem Bein liegt. Die Füße berühren dabei den Boden.

Hüftkreisen: Beide Beine stehen fest auf dem Boden. Die Hände sind in die Hüfte gestützt. Dann die Hüfte langsam kreisend bewegen.

«S» zeichnen: Die Beine stehen fest auf dem Boden. Abwechselnd mit den Füßen versuchen, ein «S» nachzuzeichnen.

Flamingo: Beim Flamingo steht man auf einem Bein. Dabei kann man sich zunächst abstützen, Ziel ist es aber, ohne sich festzuhalten, ein paar Sekunden auf einen Bein stehen zu bleiben.

Robotergang: So langsam wie möglich laufen. Den Fuß dabei immer vom Hacken bis zur Fußspitze abrollen.

Siebenmeilenstiefel: Bei dieser Übung macht man möglichst große Schritte.

Hürdenlaufen: Hier tut man so, als müsse man beim Laufen über Hürden steigen.


Noch mehr Übungen befinden sich im Ratgeber: Schwindel. So kommt die Welt wieder ins Gleichgewicht von Anne Freimann, Schlütersche Verlagsgesellschaft, 102 Seiten, 12,90 Euro.
 

news.de

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig