Von news.de-Redakteurin Kathrin Steinmetz
Jetzt beackert nicht nur eine Hypnose-Therapeutin mein Hirn, das sich gegen Sport und Diät stemmt. Auch ich selbst soll aktiv werden und den Windungen einen neuen Drall geben.
Mein BMI beträgt 24,5. Damit habe ich laut Tabelle Sichtkontakt mit dem Übergewicht. Ein Trost: Ab meinem 35. Lebensjahr bin ich mit diesem BMI ganz gut im Mittel, weil die Tabelle mit wachsender Zahl der Jahresringe gnädiger wird. Wenn ich demnach faltenüberströmt mit 70 durchs Alterheim hüpfe, schramme ich mit meinem 24,5er BMI sogar hart am Untergewicht.
Fünf Kilo trennen mich derzeit von einem moderaten BMI. Ein Universum, denn man höre und staune: Nur jämmerliche 200 Gramm quälten sich in dieser Woche von meinen Hüpften. Und nein, da tröstet auch nicht, dass es überhaupt nach unten ging mit dem Gewicht.
Abnehmen ist zu schwer für mich. Das war schon immer so, und das wird auch immer so ... Stopp! Hier schlägt wieder einer meiner Glaubenssätze zu, die Hypnose-Therapeutin Iris Kaisan in der vergangenen Sitzung zutage förderte. Mein Leben ist voll davon: Abspecken macht keinen Spaß. Ich mag keinen Sport. Ein Kinoabend ohne Nachos ist möglich, aber sinnlos. Zum Wein gehört Käse und meine Nase ist zu lang.
«Glaubenssätze sind Schlussfolgerungen aufgrund von gemachten Erfahrungen vor allem aus der Kindheit, die das Verhalten steuern», meinte Ratgeberautor Andreas Winter in einem Interview zu seinem Buch Abnehmen ist leichter als Zunehmen. Diese Schlussfolgerungen entstünden unreflektiert und seien daher zumeist einseitig. Das betont auch die Hypnose-Therapeutin. Das Ändern der Glaubenssätze sei möglich, sobald man sich ihrer bewusst werde. Schon braut sich in mir der nächste fatale Satz zusammen: So einfach ist das doch nicht.
Die versteckte Kekstüte
«Selbstverständlich - wenn du dir nichts anderes einredest», beharrt Iris Kaisan und schiebt nach: «Glaubenssätze sind fundamental für die Hypnose. Denn sie kann sich nur in dem Rahmen bewegen, den der Klient unbewusst vorgibt.» Sollte das der Grund sein, warum mir bei Schokolade noch immer die Sinne schwinden? Weil ich fest daran glaube, dass mir die Therapeutin die zuckrigen Versuchungen nicht ausreden kann?
Iris Kaisan zumindest sieht darin eine Möglichkeit. Immerhin sollte die Lust auf Süßigkeiten nach zwei bis drei Sitzungen verraucht sein. Sagen wir mal so: Meine Kollegin versteckt für mich eine Tüte mit Keksen, damit diese den nächsten Sonnenaufgang überhaupt erlebt.
Fazit: Den Glaubenssätzen geht´s jetzt an den Kragen. Mir kommen künftig nur noch die guten ins Haus. Sportlich lege ich zu, der Spaßfaktor hinkt trotzdem hinterher. Abends keine Kohlenhydrate - läuft gut, je nachdem, ob man 18 Uhr schon zum Abend zählt. Ich esse langsamer, zwischendurch nur Obst, das klappt besser als je zuvor.
Mit den 200 Gramm habe ich mich inzwischen versöhnt, vor allem dank dieser Hochrechnung: Wenn ich das Tempo beibehalte, bin ich in einem Jahr zehn Kilo los. Ihr putzigen kleinen Kleidergrößen - ihr entwischt mir nicht.
Iris Kaisan ist staatlich geprüfte Heilpraktikerin für Psychotherapie, geprüfte Hypnosetherapeutin sowie Ernährungs- und Fitnessberaterin. Sie arbeitet in Leipzig.
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