Schädlinge im Haushalt Gewusel in der Mehlbox

Mehl (Foto)
An Krabbeltieren im Mehl ist nicht fehlende Hygiene Schuld. Bild: news.de/ istockphoto (Montage)

Von news-de-Redakteur Jens Kiffmeier
Krabbelnde Käfer oder Motten in der Mehlpackung sind keine Seltenheit in deutschen Küchen. Ein Zeichen von mangelnder Hygiene? Nein, sagen die Experten. Die meisten Schädlinge werden dem Verbraucher schon beim Verkauf untergejubelt.

Viele kennen das. Da will man einfach nur schnell einen Kuchen backen - und dann das: In der aufgerissenen Mehlpackung, die geschwind aus dem Regal hervorgekramt wird, kreucht und fleucht allerhand Kleingetier. Igitt, Ekelgefühle kommen auf, zumeist gepaart mit einem großen Schamgefühl. Wie peinlich! Man sollte vielleicht doch öfter putzen...

Doch selbst wahre Putzteufel sind vor Schädlingsbefall in Trockenlebensmittel nicht wirklich geschützt. Das weiß niemand so gut, wie Verena Misgaiski. «Auch wenn viele das denken», sagt die Mitarbeiterin vom Berliner Julius-Kühn-Institut (JKI), «es handelt sich dabei um kein Hygieneproblem.» Egal ob Dörrobstmotte, der Brot- oder Kornkäfer, die Mehlmotte oder der gemeine Speckkäfer – sie alle fühlen sich in trockenen Vorratsgütern wie Mehl, Nudeln, Nüssen, Knäckebrot oder Gewürzen pudelwohl. Doch heranzüchten kann man sich die ungebetenen Gäste im Haushalt kaum. «In der Regel sind die Larven schon beim Kauf in der Packung, da ist man machtlos», sagt Misgaiski.

Grüne Woche
Tiere, Nahrung und Politiker

Insgesamt unterscheiden die Experten 60 Arten. Laut den Erkenntnissen des JKI finden aber nur fünf davon den Weg in den üblichen Haushalt. Auf der Grünen Woche, der weltgrößten Ernährungsmesse in Berlin, haben die Lebensmitteltechniker an ihrem Informationsstand ein paar Exemplare ausgestellt. Bei dem ein oder anderen Messebesucher erregt das Gewusel in den kleinen durchsichtigen Dosen durchaus Interesse, doch nach einem kurzen Blick laufen die meisten Neugierigen schnell weiter. Zugeben, dass man mit den mikroskopisch kleinen Viechern Ärger hat, wollen die wenigsten. «Dabei ist jeder zweite Haushalt in Deutschland regelmäßig davon betroffen», sagt Misgaiski.

Einmal im Haus, nisten sich die Schädlinge ein

Auch wenn man dem Schädlingsbefall nicht restlos vorbeugen kann, mit ein bisschen Vorsorge lässt sich das Risiko dennoch ein wenig minimieren. Expertin Misgaiski weiß jedenfalls Rat: «Am besten man achtet schon beim Einkauf auf die Verpackung», sagt sie. In der Regel sind Aluminium- beziehungsweise Konservendosen natürlich insektendicht.

Aber dünnes Plastik oder Papier stellen für die Schädlinge schon kein Hindernis mehr dar. Ein winziges Loch in der Ausgussöffnung eines Tetra-Packs oder eine unvollständige Schweißnaht in einem Plastikbeutel reichen aus, um die ungebetenen Gästen anzulocken, die dann ihre Eilarven in die Packung legen. «Bei den Schweißnähten gilt übrigens die Faustregel: Packungsöffnungen sind sicherer, wenn die Naht längs- und nicht horizontal verschweißt wurde», sagt Misgaiski.

Außerdem kommt es nach dem Einkauf auf die richtige Lagerung der Vorräte an. Kurz, kühl, trocken, also nach Möglichkeit nicht in der Küche. Denn dort erhöht sich regelmäßig durch das Kochen die Temperatur und die Gefahr, dass die Larven schlüpfen. Aus diesem Grund rät Misgaiski auch dazu, die anfälligen Lebensmittel in dichte Dosen umzufüllen, am besten in Einweckgläser.

Konnte man indes trotz aller Vorsichtsmaßnahmen den Schädlingsbefall nicht verhindern, dann hilft nur noch eines: Wegschmeißen. «Dabei sollte man aber bedenken, dass sich die Schädlinge bereits in der Wohnung ausgebreitet haben können», warnt Misgaiski.

Ein Hinweis darauf können kleine Löcher in der Verpackung sein. Denn zumeist handelt es sich dabei nicht - wie oftmals fälschlicherweise angenommen wird - um Eintritts-, sondern um Ausbohrlöcher. Die Wanderlarven können sich dann schon in Ritzen und Fugen oder in eine Ecke des Vorratsschranks gesetzt haben. Werden sie nicht restlos entfernt, dann paaren sich die schlüpfenden Falter und legen erneut Eier ab - ein Teufelskreis beginnt. Dann helfen nur noch Mottenfallen.

«In Panik verfallen muss man deswegen aber nicht», beruhigt die Expertin. Entdeckt man Schädlinge frühzeitig, dann sind die winzigen Besucher in der Regel kaum gesundheitsgefährdend - im Gegensatz zu den so genannten Hygieneschädlingen (wie zum Beispiel Fliegen, Schaben, Ameisen), die von den Vorratsschädlingen unterschieden werden und zum Teil auch Krankheitskeime übertragen können. Trotzdem sollten Vorratsschädlinge lieber nicht mitgegessen werden, da in diesem Fall durchaus allergische Reaktionen oder Darmerkrankungen auftreten können.

Schädlingsbefall: Schaden geht in die Milliardenhöhe

Doch wirklich bedrohlich sind die unliebsamen Tierchen eigentlich nur für die Lebensmittelerzeuger. Denn bei den Landwirten und Produzenten tummeln sich die Schädlinge zuhauf - und meistens ungestört. Denn laut JKI-Geschäftsführer Cornel Adler scheuen viele die hohen Kosten für den Bau gasdichter Silos, mit denen die Insekten problemlos ausgeschlossen werden könnten.

Stattdessen nähmen sie lieber in Kauf, dass regelmäßig ein Teil der Ernte befallen ist. «Die meisten reden nicht drüber und verfüttern das als Tiernahrung», kritisiert Adler. Er hält diese Vorgehensweise für sehr kurzfristig. Denn seinen Berechnungen nach gehen dadurch jährlich fünf bis zehn Prozent der Getreideernte verloren. «Zusammengerechnet», sagt der Experte, «geht der Schaden in die Milliardenhöhe.»

ped/ivb/news.de

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige