Hauptsache mehr Meer
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Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager
Artikel vom 09.02.2010
Fisch ist die Krone der Lebensmittel. Denn die Meeresbewohner liefern die perfekte Zusammensetzung an Nährstoffen, um den menschlichen Körper fit und gesund zu halten. Deshalb würde Dr. Frank Liebke seinen Patienten Fisch gerne per Rezept verordnen.
Schenkt man Dr. Frank Liebke, Allgemeinmediziner und Buchautor, Glauben, dann passen Fisch und Mensch so perfekt zusammen, als hätte da jemand das einzig wahre Lebensmittel für uns geschaffen. Dafür, dass Fisch als das gesündeste Nahrungsmittel auf jeden Speiseplan in Massen gehört, hat Liebke auch eine ganz einfache Erklärung.
Bevor unser Vorväter sich todesmutig mit Waffen zur Jagd aufmachten, um zu Land Tiere zu erlegen, ernährten sich die Menschen aus dem Wasser. Der friedfertige Fischer watete durch die Küstengewässer des Meeres oder am Flußufer entlang und brachte anschließend leicht zu fangende und sich kaum wehrende Fische oder Meeresfrüchte nach Hause. Über seinen längsten Entwicklungszeitraum haben den Menschen Fische und Meerestiere als dominante Nahrungsquelle begleitet, erklärt Liebke die Lebensmittelkrone für den Fisch. Die Evolution passte den menschlichen Stoffwechsel perfekt an das vorhandene Nahrungsangebot an. Die Bedürfnisse haben sich seitdem kaum verändert.
Der Speiseplan dagegen bewegt sich immer weiter weg vom Fisch. Selbst der Fischfreitag, der vor einigen Jahren oder Jahrzehnten durchaus in vielen Familien noch gang und gäbe war, ist schon längst aus dem Bewusstsein der Kochgewohnheiten verschwunden. Ein Jammer findet Liebke. Denn Fisch und Meeresfrüchte gehören in die Ernährung jedes Menschen – und das am besten mehrfach in der Woche. Wer das nicht beachtet, wird mit seiner Gesundheit bezahlen, warnt Liebke und betont: «Keinen Fisch zu essen, gefährdet ihre Gesundheit.» In seinem Buch Fisch auf Rezept bricht der Mediziner eine Lanze für das Lebensmittel aus dem Wasser und schlüsselt Nährstoff für Nährstoff auf, was Fisch so einzigartig macht.
Muskelanteil: Riesig!
Besonders was Eiweiß angehe, sei Fisch ein echter Glücksgriff. Der Nährstoff ist in den Meeresbewohnern in Massen vorhanden und durch seine Ausgewogenheit in seiner biologischen Wertigkeit besonders hoch. Der Muskelanteil ist riesig, das Bindegewebe dagegen nur minimal. Deshalb sei Fisch so leicht verdaulich und eigne sich prima für Diäten, folgert Liebke.
Aber auch beim Fett gebe es viel Gutes zu vermelden. Denn obwohl viele Fischarten eine tüchtige Speckschwarte vorzuweisen haben, tut das dem Schlankmacherimage keinen Abbruch. Schließlich ist Fett nicht gleich Fett. Und die sogenannten marinen Omega-3-Fettsäuren mischen bei vielerlei Gesundheitsfragen immer wieder kräftig mit. Auch wenn die Lebensmittelversorgung in Deutschland in fast jeder Hinsicht im Überfluss vorhanden ist, gilt die Bundesrepublik in zwei Dingen als Mangelgebiet: Bei Omega-3-Fettsäuren und bei Jod. Die Lösung: Fisch natürlich, sagt Liebke. Denn auch Jod ist bei regelmäßigem Fischverzehr kein Problem mehr. Weiterer Bonus: Das Muskelfleisch der Fische strotzt vor Vitaminen und Mineralstoffen.
Für fast jedes gesundheitliche Problem – von Herzkreislauferkrankungen und Schlaganfällen über Diabetes, Demenzerkrankungen, rheumatische Beschwerden, Parkinson, Epilepsie, Osteoporose, Sehschwäche, Asthma, Übergewicht und Depression bis hin zu ADHS, Krebs und sogar Falten – gibt es kaum etwas, das nicht von einem erhöhten Fischkonsum gelindert, vorgebeugt oder sogar geheilt werden kann, wenn man Liebke und all den Studien und Metastudien, die er für seine Argumentation heranzieht, Glauben schenken darf. In vielen Fällen könnte eine Umstellung der Ernährung Medikamente überflüssig machen, ist der Mediziner überzeugt,und berichtet von vielen Patienten, die schon durchschlagende Erfolge gefeiert hätten.
Selbst schwangere Frauen könnten ihrem Nachwuchs bereits im Bauch einen besseren Start ins Leben ermöglichen, wenn der Speiseplan bis zur Geburt ordentlich fischig ausfällt. Außerdem, so behauptet Liebke: Fisch essende Schwangere sind einfach glücklicher.
Eskimos und Japaner sind gesünder
Beweise für seine Lobeshymnen für die Speisekammer Meer zieht Liebke immer wieder aus Kulturen und Ländern wie Japan oder von den Eskimos, wo Fisch und Meeresfrüchte eine überdurchschnittlich große Rolle spielen. Volkskrankheiten, die, wie etwa Herzkreislauferkrankungen, die meisten westlichen Industrieländer beuteln, sind dort fast kein Thema.
Sicherlich, das sieht auch Fischfan Liebke ein, ist der Fischfang nicht völlig unproblematisch zu sehen. Immer wieder gehen Meldungen von Überfischung durch die Medien. Damit auch nachfolgende Generationen die Vorteile der Meerestiere genießen können und die Ozeane sich nicht zu toten Becken entwickeln, rät Liebke dazu, bei Fischprodukten auf das Nachhaltigkeitssiegel «Marine Stewardship Council» zu achten.
Nun mag den ungeübten Fischesser die Empfehlung von drei Fischmahlzeiten in der Woche erstmal erschlagen. Aber, so beruhigt der Autor, es muss ja nicht immer die Forelle Müllerin oder das Zanderfilet auf Kartoffelschaum mit grünen Böhnchen sein. Es geht auch etwas schneller, unkomplizierter und alltagstauglicher. Auch das Backfischbrötchen auf dem Markt beim Shoppen, der Rollmops oder die Fischkonserve in Senfsauce zur Brotzeit, die Scheibe Räucherlachs zum Sonntagsfrühstück, der Thunfisch im Salat, der Matjessalat aus dem Plastiktopf oder die Garnele in der Reispfanne – all das ist wesentlich gesünder, als die Meerestiere zu ignorieren.
Wer gerne daheim den Kochlöffel schwingt, findet in Fisch auf Rezept aber auch ein paar Rezepte, die Liebke in Zusammenarbeit mit Promi-Koch Michael Gorich und dem griechischen Koch Jiannis Geitsidis ausgesucht hat.
Übrigens: Auch gegen ab und zu frittierten Fisch oder vorerst nur ein- bis dreimal im Monat eine Mahlzeit aus dem Wasser hat Liebke nichts einzuwenden. Hauptsache mehr Meer.
Lesetipp: Dr. Frank Liebke: Fisch auf Rezept, Remerc & Lheiw Verlagskontor, 120 Seiten, 16,90 Euro.
car/reu/news.de
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Viele Gewässer, insbesondere die Meere sind überfischt. Viele Arten sind wegen zu hoher Fangquoten und umweltzerstörender Fangtechniken nahezu ausgerottet. Aquafarmen sind keine Alternative, da sie im höchsten Maße umweltgefährdend und tierquälerisch sind. Weltweit werden so ca. 16 Mio. Tonnen Fisch gezüchet. Meist wird nur eine einzige Art in Monokultur mit umfangreicher Technik und Chemikalien auf engstem Raum herangezogen. Kraftfuttercocktails sollen die Fische schnellstmöglich verkaufsreif wachsen lassen.
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