Hungerkur mit fester Nahrung
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Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Artikel vom 18.01.2010
Statt die Restaurants der Stadt unsicher zu machen, gibt die Bauch-weg-Diät vor, alles brav zuhause selbst zu kochen. Wer nicht gern am Herd steht, sollte wenigstens die Küchenwaage überall dabei haben.
Nach dem blähungsfreien Vier-Tage-Einstieg bei der Bauch-weg-Diät kam fast mein Ausstieg. Hunderte Kilometer war ich von meinem Kühlschrank, gefüllt mit Diät-kompatiblen Produkten, für ein Wochenende entfernt. Ich hoffe, Liz und Cynthia, die Autorinnen der Bauch-weg-Diät, werden mir verzeihen, dass ich zwei Tage lang nicht exakt nach ihren Vorgaben gelebt habe. Denn eigentlich hätte ich dankbar sein müssen, dass sie mir nach dem vier Tage langen Schlankwasser-Programm nun noch mehr feste Nahrung zugestehen. Dafür haben sie extra 200 Rezepte entwickelt.
Ab jetzt soll ich drei Mahlzeiten pro Tag essen à 400 Kalorien. Dazwischen habe ich einen Snackpack zur freien Verfügung, was drin ist, geben sie natürlich vor. Die meisten kulinarischen Schmankerl, auf die ich mich jetzt freue, bedürfen kochtechnischer Vorbereitung. Sogar das Frühstück. So stehe ich in der Küche und backe Müsli, aus Haferflocken, Weizenkleie, Leinsamen, Apfelsaft, Ahornsirup, Apfelringen und Cranberrys. Die wichtigste Zutat sind jedoch gehackte Walnüsse. Denn sie enthalten die EUFS.
EUFS - die Einfach Ungesättigten FettSäuren - sollen meine neuen Freunde werden, betonen Cynthia und Liz. Fett, das für einen flachen Bauch sorgt. Die Autorinnen geben mir folgende Merksätze mit: «Nachgewiesen wurde, dass eine Ernährung mit reichlich EUFS einer Zunahme an Bauchfett entgegenwirkt» und «Kein anderer Nährstoff ist dazu in der Lage». Die Wunderfettsäuren sollen nun in jedem Gericht, das ich zu mir nehme, enthalten sein. Entweder Oliven, Olivenpaste, Avocado, dunkle Schokolade, Nüsse, Sojabohnen, Samen oder Öl stehen also allen voran auf dem Speiseplan. Dinge, die ich mag.
Rezepte, die lecker klingen, haben sich die Frauen für mich ausgedacht: Apfelpfannkuchen, Rote-Bete-Salat mit Ziegenkäse, Brokkoli-Tofu-Pfanne mit gerösteten Mandeln, Edamame-Bohnen mit Sesamöl und Frühlingszwiebeln. Das Lesen dieser Gerichte macht Lust auf die Bauch-weg-Diät. Allein mein Alltag kommt mir in die Quere. Ich gebe zu, ich koche nicht gern. Hatte mir jedoch erhofft, neben den Pfunden auch die Missgunst gegenüber Töpfen und Pfannen zu verlieren.
Das Knuspermüsli für zehn Frühstücke ist fertig, Brokkoli mit Tofu für insgesamt vier Tage köchelt in der Pfanne. Stundenlang stehe ich allein dafür in der Küche. Das macht mir keinen Spaß. Aber soll Diät das überhaupt? Ich möchte mit meinen Freunden ausgehen, ins Kino, zum Sport. Aber nein, ich muss in der Küche stehen. Ich soll mein Essen grammgenau abwiegen. Für die Portionierung habe ich nicht einmal genügend Tupperdosen, in denen ich den Kladderadatsch mit zur Arbeit nehmen könnte. Ganz von der Zeit abgesehen, die ich brauche, um die Zutaten zu kaufen. Manche Dinge hatten vorher noch nie den Weg in meinen Einkaufswagen gefunden. Interessant, aber auch anstrengend.
Ich merke die Woche über, wie sich mein Körper gegen die Diät sträubt. Gegen die Bevormundung durch diese schwarz auf weißen Buchzeilen, die mir befehlen, was ich essen darf, was nicht und wie viel oder wenig davon. Ich habe meinen Tagesablauf noch nicht komplett darauf eingestellt, bin noch nicht in der Diät angekommen. Vielleicht zeigt die Waage deshalb 1,5 Kilogramm mehr an als noch zu Beginn der Hungerkur, die eigentlich keine sein soll. Denn ich darf ja essen, sogar leckere Sachen.
Liebe Cynthia, liebe Liz, ich verspreche Euch, diese Woche halte ich mich an Eure Anweisungen. Ich wiege ab, ich koche, ich esse langsam. EUFS werden immer dabei sein. Und ich versuche mich endlich auch am Sportprogramm.
Liz Vaccariello, Cynthia Sass: Die Bauch-weg-Diät, Goldmann, 420 Seiten, 9,95 Euro
kat/nbr/news.de
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