Brigitte-Diät Brennen sollst du, oh Muskel

Sit-ups (Foto)
Erst wenn die Muskeln bei den Übungen, wie etwa den Sit-ups, brennen, funktioniert der Aufbau richtig. Bild: istockphoto

Katharina SchlagerVon news.de-Redakteurin
Klar, ohne Bewegung verbrennt der Körper kaum was. Aber müssen die sportlichen Anhänge der Diätbücher einen derart quälen? Mit dem Fatburner-Programm der Brigitte-Diät dürfen die Muskeln ruhig schmerzhaft brennen. Und das tun sie dann auch.

Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass Hungern alleine noch lange keine schlanke Taille macht. Mehr Kalorien verbrauchen als futtern heißt die Formel gegen das Hüftgold. Zusätzliche Bewegung ist unerlässlich. Da helfen auch die ausgeklügelten Rezepte der Brigitte-Diät mit ihrem Prinzip der geringen Energiedichte nicht. Deshalb schließt sich an den Rezeptteil des Diätbuches auch gleich ein Fatburner-Workout an.

Neben der vielen aufwändigen Kocherei, dem artigen Halten an den Kalorienplan und dem Brigitte-Baukausten gehört Schwitzen zwangsläufig dazu. Das Workout ist speziell für Frauen entwickelt worden. Da der weibliche Stoffwechsel langsamer vonstatten geht, muss für eine gute Figur anders trainiert werden. Am besten ist die Kombination aus Ausdauer- und Kraftübungen. Die Übungsabfolge hat das Brigitte-Team gemeinsam mit der Sporthochschule Köln entwickelt.

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Sympathisch an dem Programm: Es sind keine Geräte, Hilfsmittel oder teure Mitgliedschaften in Fitnessstudios nötig. Geschwitzt werden darf ganz privat und versteckt im Wohnzimmer fernab von möglichen Spöttern, in T-Shirt, Sporthose und Turnschuhen. Regenwetter oder Glatteis fallen als Ausreden somit weg.

Strafe für Überheblichkeit

Kein Schweiß, kein Preis. So nett, entspannt und ausgeglichen die Brigitte-Damen beim Turnen auch lächeln mögen, die Übungen orientieren sich eher am englischen Ausspruch «No pain, no gain» (Kein Schmerz, kein Gewinn). Wer hätte das geahnt.

Dabei erscheinen die Übungen beim ersten Durchblättern locker machbar, fast schon ein bisschen zu leicht. Pillepalle und Schulternzucken halt. Also: Sportklamotten schnappen, Buch ausklappen und willensstark im Wohnzimmer in Position gehen. Die Befürchtung, dass die ständigen Unterbrechungen zwecks Lesens der Übungsbeschreibung, den Trainingseffekt zunichte machen könnte, entpuppt sich schnell als rettender Strohhalm und Alibi zum verzweifelten Verschnaufen.

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Schon innerhalb der ersten paar Ausdauerminuten bereue ich meine anfängliche Überheblichkeit zu glauben, dass ich fit genug für dieses Workout sein könnte. Dabei hören sich je eine Minute Step-Touch oder Biceps-Curl ganz leicht an. Was ich völlig schludrig überlesen hatte: Die Ausdauerübungen werden nicht nur zum kurzen Aufwärmen genutzt, sondern unterbrechen auch die Krafteinheiten. Und zwar immer und immer wieder. Auf einmal sind es nicht fünf Minuten Ausdauer, sondern über 20 Minuten.

Kleiner Lesefehler, schmerzende Konsequenzen

Aber auch bei den Kraftübungen habe ich einen klitzekleinen, aber schwerwiegenden Lesefehler begangen. Nicht 20 Wiederholungen sind für die Schulterformer, Sit-ups oder Liegestütze angesagt. Nein – es sind 20er-Einheiten. Und diese müssen jeweils dreimal durchgeführt werden. Der liebevolle Hinweis der Autorinnen, «bei den letzten Wiederholungen dürfen die Muskeln ruhig ein bisschen brennen», hätte ich als wörtlich gemeinte Warnung und nicht als nette Erlaubnis verstehen sollen.

Bereits nach der ersten Kraftübung, den Kniebeugen, macht sich Zweifel an meiner Fitness sehr breit. Dann bei den Schulterformern, bei denen die Arme ausgestreckt in Schulterhöhe 20 Mal rückwärts und dann 20 Mal vorwärts kreisen – und das bitte dreimal mit Ausdauer-Zwischenspiel – kreischen meine Armmuskeln vor Schmerzen.

Schimpfend wie ein Rohrspatz, na ja, eher schnaufend, zum Schimpfen reicht die Puste schon lange nicht mehr, schleppe ich mich zu meinem Schreibtisch, um die nächste Übung durchzulesen. Sit-ups. Schon beim Lesen wird mir ganz schwindelig. Es sind nicht nur 60 Sit-ups. Oh nein. Das reicht nur für die oberen Bauchmuskeln. Stattdessen müssen ja auch die schrägen Anteile des Six-Packs gefordert werden. Also auf jeder Seite mit zur Seite gebeugten Knien das ganze Spiel noch mal.

Aufhören kommt jetzt nicht in Frage

Nach insgesamt 180 (!) Sit-ups mit sechs gepowerten Luftrad-Ausdauereinheiten habe ich einen hochroten Kopf und sinke verzweifelt auf dem Teppich zusammen. Aber das blöde Programm hat meinen Ehrgeiz gepackt und von einfach aufhören kann keine Rede sein. Die 60 Liegestütze gegen die Wand sind direkt eine Entspannung.

Bei der folgenden Beinschere hapert es erst an der grobmotorischen Koordination, dann der Balance und sehr schnell am schmerzenden Oberschenkel. Dieser brennt nicht nur zum Ende der Übung, ich stoße inzwischen auch ungehemmt Schmerzensschreie aus, die meinen Mann hämisch grinsend ab und zu den Kopf durch die Tür stecken lassen.

Die letzte Übung zum Straffen der Pomuskeln erlebe ich wie in Trance. Noch ein bisschen halbherziges Stretching und ich sacke stöhnend zusammen, liege schnaufend in der Mitte des Zimmers und strecke alle Viere von mir.

Dass das Schlimmste erst noch kommt, kündigen die geschundenen Muskeln bereits am selben Abend an. Die nächsten zwei Tage komme ich kaum die Treppe hoch, weil sich die Oberschenkel sehr gegen weitere Bewegung wehren. Als wollten sie mir klar machen, dass sie ihr Kraftpensum für die nächsten Tage – und vielleicht auch Wochen - schon längst abgeleistet haben. Frustrierend an der ganzen Übung: Am nächsten Tag zeigt die gemeine Waage ein Kilo mehr an. Fies!

ham/nbr/news.de

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