Mit Haltung das Lächeln bewahren
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Dann müsste Sie es doch ärgern, dass gerade Power-Yoga bei Frauen zunehmend an Beliebtheit gewinnt - eine Yoga-Richtung, die in den USA als eine - sagen wir mal flottere - Variante der indischen Bewegungs- und Meditationsform Hatha-Yoga entstand?
Röslen: Ich unterrichte seit über 20 Jahren Yoga und 90 Prozent meines Klientels sind Frauen. Und es mag die Primärmotivation sein, dass sich vor allem Frauen dem Yoga zuwenden, weil sie ihren Körper straffen wollen, aber das ändert sich relativ schnell.
Abgesehen von einem strafferen Körper – was sind die gesundheitlichen Effekte des Yoga?
Röslen: Wenn Yoga eintritt, also das langsame Anhalten der Bewegungen der Phänomene, dann ist man gelassener. Schlicht und ergreifend. Ob Ihnen die Gelassenheit ein gesundes, langes Leben schenkt, kann Ihnen niemand garantieren.
Sie sagen, 90 Prozent Ihrer Klienten sind Frauen. Warum ist Yoga bei Männern nicht so populär?
Röslen: Ich denke, man müsste das global betrachten. Dann kommen vielleicht andere Quoten raus. Aber hier in Deutschland ist Yoga sehr weiblich assoziiert. Das hat auch sehr viel damit zu tun, dass es keine Frauenzeitschriften gibt, in der nicht in jeder zweiten Ausgabe etwas über Yoga drin steht.
Es hat auch wesentlich damit zu tun, wie mit dem Körper umgegangen wird. Eine sensible Hinwendung zum eigenen Körper ist hierzulande erst einmal den Frauen näher, weil sie über Menstruation oder Schwangerschaft sowieso mehr mit dem, was mit ihrem Körper geschieht, beschäftigt sind als Männer. Das zeigt sich auch in der Wahrnehmung von Vorsorgeprogrammen und Arztbesuchen. Viele Männer gehen erst zum Arzt, wenn das Kind schon ziemlich tief in den Brunnen gefallen ist. Yoga bietet eine besondere Nähe zur Körperwahrnehmung und da sind Frauen einfach näher dran.
Und wie kamen Sie dazu?
Röslen: Ich war während meines Studiums in einer Art Sinnkrise, und aus irgendwelchen Gründen stolperte über meine Wahrnehmung ein Yoga-Angebot. Und da bin ich hingegangen zu einem Mann, der unterrichtet hat. Und der machte einen sehr orientierten Eindruck auf mich. Er hatte zwar nicht unbedingt Antworten auf meine Fragen, aber er zeigte mir Wege auf, wie ich sie suchen kann. Und das hat mich fasziniert, und seither begleitet mich mein innerer Dialog mit Yoga. Yoga liefert mir keine fertigen Antworten, aber es ist ein System, das mich in der Beantwortung meiner Lebensfragen begleitet.
Ist Yoga ein Anti-Aging-Mittel?
Röslen: Auf jeden Fall ist Yoga ein Anti-Aging-Mittel. Aber unter einer ganz anderen Perspektive. Nehmen wir wiederum die klassischen Yoga-Lehrsätze: Darin geht es auch um die fünf Quellen von Schmerz. Eine zentrale Quelle ist das Kleben am eigenen Leben. Man könnte auch sagen: die biologisch verankerte Todesangst. Wenn man sich mit Yoga zusammensetzt, führt man einen täglichen Dialog mit der Endlichkeit seiner Zeit. Man lebt dann nicht, als sei man unendlich auf dieser Welt, sondern in dem Bewusstsein, dass heute mal wieder der erste Tag vom Rest des Lebens ist. Vielleicht trägt das dazu bei, ein bisschen bewusster zu leben, das Leben als kostbar zu begreifen und auch zu schauen, wie ich es hinbekomme, dass ich mit den Menschen um mich herum einigermaßen freundlich und gut leben kann.
Wie findet man einen guten Yogalehrer beziehungsweise was macht einen guten Lehrer aus?
Röslen: Ein guter Yogalehrer sollte erst einmal in einem Prozess ausgebildet sein. Wer in unserem Berufsverband Mitglied werden will, muss entsprechend unseren Qualitätskriterien in einem Prozess von mindestens zwei Jahren in mindestens 500 Unterrichtsstunden ausgebildet sein. Weniger akzeptieren wir nicht. Wir übernehmen damit auch die Richtgrößen der Krankenkassen. Wenn jemand sagt, ich biete esoterisches Erleuchtungs-Yoga an, sollte er zumindest einen einigermaßen überzeugenden Eindruck geben in seiner Art von Erleuchtung. Und wer ein psychosomatisches Yoga oder gesundheitsförderliches Yoga anbietet, sollte Teilnehmern sagen können, wo und wie er das gelernt hat.
Ganz wesentlich finde ich, dass ein Yoga-Anbieter Auskunft geben kann über seine Perspektive auf Yoga. Nicht dass er sagt, für mich ist Yoga das und das, sondern er sollte für sich eine Übersetzung der Yoga-Definition «yogas-citta-vrtti-nirodhah» gefunden haben, die er oder sie klar und begründet übermitteln kann. Daran erkennen Sie den Geist des Anbieters und wissen ungefähr, in welcher Richtung Sie gelandet sind.
Michael Röslen (55) ist Zweiter Vorsitzender des Berufsverbands Unabhängiger Gesundheitswissenschaftlicher Yogalehrender (BUGV), praktiziert Yoga seit rund 30 Jahren und betreibt die Göttinger Yoga-Schule.
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