Mit Haltung das Lächeln bewahren
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Ist Yoga für jeden Menschen geeignet?
Röslen: Im Prinzip ja. Aber der eine mag Brokkoli, der andere mag es nicht. Aber jeder Mensch kann Brokkoli verdauen. Von daher kann man sagen, Yoga – das langsame Anhalten der Bewegungen der Phänomene - ist grundsätzlich für jeden Menschen geeignet.
Gibt es gesundheitliche Einschränkungen? Muss man zum Beispiel gelenkig sein?
Röslen: Nein, auch wenn Sie in der Yogaszene häufig Szenerien finden, wo sich die Übenden dem Unterricht anpassen müssen, denke ich, macht einen qualifizierten Yogalehrer aus, den Unterricht an die Möglichkeiten und Fähigkeiten der Übenden anzupassen.
So mancher Mensch verbindet mit Yoga-Übungen, die Asanas, körperlich anstrengende Verrenkungen …
Röslen: Asana ist zunächst einmal die Körperstellung, in der der Organismus zuversichtlich und stabil verweilen kann. In den klassischen Yoga-Lehrsätzen ist nur eine Körperhaltung beschrieben. Die lautet: Man nehme eine angenehme, aufrechte Sitzhaltung ein. Im Laufe der Zeit haben sich dann ganz viele komplexe Yoga-Positionen entwickelt: Yoga-Haltungen, die den Test, die Provokation darstellen – nach dem Motto: Kannst du dich auch in dieser körperlich schwierigen Lebenssituation schmerzfrei organisieren? Die Yoga-Haltungen sind nicht per se gut, sondern sie sind erst einmal teilweise recht komplexe Anforderungen, mit denen sich der Organismus messen muss, ob er unter der Provokation dieser Haltung das Lächeln bewahren kann oder ob ihm das Lachen vergeht.
Das Angebot an Yoga-Stilen ist für viele Anfänger schwer durchschaubar. Was raten Sie Einsteigern?
Röslen: Man sollte sich im Klaren darüber sein, was Yoga einem bringen soll. Steht das fest, sucht man sich eine entsprechende Yoga-Schule.
Welchen Stil sollte derjenige wählen, der einen Ruhepunkt in seinem stressigen Alltag finden will?
Röslen: Wer erst einmal zur Ruhe kommen, zu sich selbst finden will, sollte sich nicht an Angebote halten, die starke Anforderungen an den Übenden stellen, weil das noch mehr Stress erzeugt. Hatha-Yoga käme für solche Menschen in Frage, aber mit Überhitzungs- oder mit Power-Yoga wären sie nicht unbedingt gut beraten.
Das wäre dann wohl eher etwas für die, die bereits trainiert sind und ihre Problemzonen bearbeiten wollen?
Röslen: Ja, das kann man so sagen. Aber ich habe damit so meine Schwierigkeiten, denn in der Geschichte, in der Philosophie des Yoga, gibt es keine Problemzonen. Wir müssen aufpassen, dass wir das Kulturgut Yoga nicht so sehr an die westliche Zivilisation mit ihren Wertevorstellungen von Leistung anpassen, dass es unkenntlich wird.
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