Willkommen in der Muskelfabrik
Wollen Sie wissen, wie es bei dem Thema weitergeht?Wir informieren Sie gerne kostenlos.
Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Artikel vom 14.01.2010
Muskeln aufbauen, aber wie? Ein wenig in der Wohnstube mit den Hanteln schwingen oder kochen mit Jogging-Gewichten an den Unterarmen, das bringt nichts. Ich brauche Maschinen, um aus mir eine Maschine zu machen.
Und die gibt es nur im Fitness-Studio, in diesem Hort, in dem der moderne Mensch auf engstem Raum seinen Körper nach den Idealen dieser Welt stählt. An denen so viel Leistung in Hometrainer und Gewichtmaschinen gepresst wird, das ein komplettes Haus mit Strom versorgt werden könnte - ob es bereits Selbstversorgerfitness-Studio gibt?
Meine Wahl fällt auf ein Studio im Stadtzentrum weit oben über den Dächern Leipzigs, passend heißt es Skyline. Die dortigen Trainer wollen das Experiment wagen und aus mir in kurzer Zeit einen zweiten Jean-Claude van Damme oder zumindest einen Bruce Lee machen.
Willkommen in der Muskelfabrik
Das Studio sieht aus, wie man sich ein Fitness-Center vorstellt. Jede Menge moderner Geräte stehen vor Fernsehern und langen Spiegeln. Es gibt Solarien, einen Aerobicraum, eine finnische Sauna und sprudelnde bunte Fitnessgetränke in Kanistern an der Bar. Hier scheint es ziemlich familiär zuzugehen, alle reden sich mit Vornamen an und überall hängen Fotos von gemeinsamen Festen. Das ist gut, denn diese Räume werden mir in den nächsten Wochen ein neues Zuhause sein.
Mein Trainer heißt Thomas. Stünde er vor mir, wäre ich überhaupt nicht mehr existent. Denn er hat das, was ich nicht habe. Einen stattlichen Körper mit starker Männerbrust und diesen Muskelarmen, die Frauen schwach werden lassen und in die süßesten Träume wiegen. Mit meinen dünnen Ärmchen erwecke ich bis auf die Schwächephase gar nichts, statt in süße Träume fallen Frauen bei mir in Tiefschlaf.
Das soll ab jetzt ein Ende haben. Deshalb, keine Zeit verlieren, jede Minute zählt. Doch nach der Euphorie folgt gleich zu Beginn die Ernüchterung. Thomas gibt mir zu bedenken, dass es äußerst schwierig sein wird, innerhalb eines Monats auch nur 200 Gramm Muskelmasse aufzubauen. Ich bin wohl eher ein ektomorpher Typ, für den es von vornherein schwierig ist, große Muskelmassen aufzubauen. In jedem Fall würde ich in dieser Zeit eine beachtliche Leistungssteigerung spüren und mehr Gewichte stemmen können.
Aber ich will ja gar keine Gewichte stemmen, sondern einfach nur so aussehen, als ob ich das könnte. Denn die Dinge, die ich in meinen Alltag stemmen muss, kann ich über die nötigen Wegstrecken problemlos transportieren. Eine gefüllte Kaffeetasse oder ein Telefonhörer wiegen nun mal keine 20 Kilo. Aber diese Gedanken behalte ich besser für mich.
Die Vermessung
Vor dem Trainingsbeginn erfolgt die Bestandsaufnahme des Ausgangsmaterials. Meine Daten werden mit einer Bio-Impedanz-Waage vermessen. Dafür sendet das Gerät einen Stromkreislauf durch meinen Körper und verrät Werte, von denen ich noch nie etwas gehört habe.
Jetzt weiß ich, dass mein Körperwasseranteil 67,5 Prozent beträgt und ich einen Körperfettanteil von 7,5 Prozent habe. Zum Glück beschränkt sich die Waage bei ihrer Analyse nur bis zur Gürtellinie. Sonst hätte sie mir noch meinen Gehirn-Hohlkörper-Anteil verraten, den ich an dieser Stelle sicherlich aufrunden hätte müssen.
Thomas scheint mit den Zahlen zufrieden zu sein. Ein Bodybuilder wäre über solche Werte glücklich, sagt er noch. Warum ich dann nicht aussehe wie einer, verrät er nicht. Danach stellt er einen Trainingsplan zusammen und weist mich in die Nutzung der Geräte ein.
Nichts für Anfänger
Da ich schnell Muskeln aufbauen will, sei es besser, das Anfängertraining zu überspringen und gleich mit einem fortgeschrittenen Muskelaufbautraining loszulegen, sagt Thomas.
Bei den Übungen an den einzelnen Stationen geht der Sportler dabei bis zum Punkt der maximalen Muskelbelastung und noch darüber hinaus. So wird dem Muskel quasi Angst gemacht und ihm mitgeteilt: Du solltest schleunigst wachsen, um die Herausforderungen der Zukunft meistern zu können, sonst wird’s schmerzhaft. Und das tut der Muskel auch. In den Regenerationsphasen, die etwa zwei bis drei Tage dauern sollten, steigern der Körper und die Muskeln ihr Leistungsniveau über das alte Niveau heraus.
Das Trainingsprogramm
Das Trainingsprogramm startet mit den Crunches, auf Deutsch sind das Bauchaufzüge. Der Körper liegt mit dem Rücken auf einer kleinen Bank. Die Beine liegen noch höher, und die Muskeln tief im Bauchraum versuchen, den Körper aus dieser misslichen Lage aufzurichten – 3 Sätze à 12 Wiederholungen, bis die Muskeln bis tief unter den Rippen schmerzen.
Nach diesem «leichten» Bauchtraining rolle ich mich zur nächsten Übung, diesmal für den unteren Rücken. Diesen trainiert man in einer schräg stehenden Bank auf der das Becken aufliegt durch Auf- und Abrichten des Oberkörpers, quasi tiefes Verbeugen, nur alles 45 Grad nach links gedreht. Für den oberen Rücken geht es in an eine Zugmaschine, an der man Gewichte überkopf mit einer langen Stange ziehen muss.
Nach diesem Bauch-Rücken-Programm stellt sich bereits der erste Erfolg ein. Ich habe das Gefühl, ein Muskelkorsett zu tragen, das mein Oberkörper stabil hält. So aufrecht und gerade habe ich bisher noch nie gestanden.
Fitness mit dem Spiegel
Früher dachte ich immer, die langen Spiegel im Fitness-Center gibt es vor allem deshalb, weil Bodybuilder ihr Kunstwerk Körper gar nicht lange genug betrachten können. Doch als mich Thomas mit einer Langhantel vor den Spiegel platziert, begreife ich den wirklichen Grund. Ich muss schöpfen, immer hoch und runter, hoch und runter und dabei genau darauf achten, dass mein Körper ganz gerade steht. Kein Hohlkreuz, keinen Buckel - nur durch die Kontrolle vor dem Spiegel wird die Übung perfekt ausgeführt und der richtige Muskel trainiert.
Und so schleppe ich mich von Übung zu Übung. Es folgen Maschinen mit solch bedrohlichen Namen wie Beinpresse, nach denen ich meine Füße keine fünf Zentimeter mehr anheben kann, sondern wie von selbst zur nächsten Station falle.
Überall kämpfe ich gegen schwere Lasten. Ich stelle mir vor, wie ich die Erde immer wieder von diesen schweren Brocken befreie, die wieder auf sie niederstürzen. Auf Dauer kommt das einer Sisyphusarbeit zwar ziemlich gleich. Aber so schaffe ich mein Pensum.
Zum Abschluss noch Regeneration durch Radfahren. Zumindest hat Thomas dieses Wort für die letzte Übung aufgeschrieben. Aber Erholung ist das für mich nicht. Die Beine treten mit letzter Kraft Umdrehung für Umdrehung in die Pedale, und mein Kopf wird gerade so vom letzten Halsmuskel auf den Schultern gehalten. Es zählt nur noch das Ankommen am Ziel, das sich nur digital nähert. Denn reell bewege ich mich keinen Zentimeter näher auf den Fernseher zu. Komisch, dass Leute auf Dauer Spaß an diesen Hometrainern haben.
Nach all den Strapazen gleicht der Heimweg dem Fliegen. Offenbar wiegen meine neuen Muskeln nicht allzu viel. Sie brauchen deshalb schnellstens Nahrung. Zu Hause habe ich für die «Kleinen» erstmal einen leckeren Eiweißteller vorbereitet.
car/reu/news.de
Zum Thema
Thema verfolgen »
Artikel kommentieren
Eine Diät brauche ich nicht. Ich brauche Kilogramm. Die will ich mir innerhalb eines Monats im Fitness-Studio mehr ...
Auch Promis specken ab - mal mehr, mal weniger. News.de erklärt, welche Diät zu welchem VIP-Traumkörper mehr ...
Grammgenaues Essen-Abmessen und Schlankwasser sind die Geheimnisse der mehr ...
Hypnose klingt nach bequemer Diät. Das Richtige eintrichtern, und die Pfunde schmelzen von allein. Ob das gut mehr ...
Was ist ein BMI? Und was verbirgt sich hinter FDH und Jojo? News.de bringt Licht ins Dunkel der mehr ...
Wer keine Diäten mag, hat es nicht leicht bei der Suche nach dem Problemzonenkiller. Sind Algen die mehr ...