Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Das Diät-Ratgeberbuch ist dick, so wie der Bauch, der weg soll. Dafür heißt es in den nächsten Wochen wiegen. Und zwar das Essen. Denn grammgenaue Angaben sind Grundlage der Bauch-weg-Diät.
Zum Frühstück gibt es 30 Gramm Cornflakes, ungesüßt. 30 Gramm Sonnenblumenkerne und 115 Gramm Ananas aus der Dose, ohne Zucker, dürfen noch obendrauf gepackt werden. Wer mir das eingebrockt hat? In erster Linie ich selbst, und dann sind da noch Liz Vaccariello und Cynthia Sass.
Erstere ist Chefredakteurin der amerikanischen Frauenzeitschrift Prevention, zweitere Ernährungswissenschaftlerin und Redakteurin. Gemeinsam haben sie sich die «Bauch-weg-Diät» ausgedacht. Im Buch mit dem grellgelben Einband suggeriert die freundschaftliche Ich-Form und direkte Ansprache, dass Cynthia und Liz zwei von uns sind. Ein Blick in die Google-Bildersuche verrät allerdings, dass es nicht so ist. Denn sie haben keine Bäuche, und wenn doch sehr flache. Sie sehen aus wie ich mir amerikanische Magazinredakteurinnen vorstelle, perfekt, rein, gephotoshopt. Obwohl - vielleicht hat die Diät bei den beiden schon gewirkt. Das motiviert mich wiederum.
Alles beginnt mit dem Einstieg. In diesem Fall dauert er vier Tage, soll blähungsfrei sein und könnte mich bis zu drei Kilogramm kosten. Denn schon nach dieser relativ kurzen Zeit soll die Luft raus sein und zwar aus dem Bauch, das macht schon schlanker. Denn Luft bläht. Auch die Wassereinlagerungen, die durch das Salz, das wir täglich aufnehmen, gefördert werden, könnten verschwinden. Das heißt, wieder ein paar Gramm Gewicht verloren.
Der Verzicht beginnt also mit dem «Blähungsfreien Vier-Tage-Einstieg», wie ihn die Autorinnen nennen. Ich verbanne den Salzstreuer und Brot, auch Rohkost sei schlecht, da sie mehr Platz im Bauch einnimmt als gedämpfte Möhren oder gebratene Zucchini. Kaugummi ist tabu, genauso wie Alkohol, Kaffee, Schwarztee oder saure Fruchtsäfte. «Diese Getränke können den Magen-Darm-Trakt reizen und anschwellen lassen», heißt es im Buch.
Aber um mich weniger mit dem zu beschäftigen, was ich nicht essen darf, fülle ich meinen Kühlschrank lieber mit erlaubten Dingen. Die Vier-Tages-Einkaufsliste im Buch hilft bei der Auswahl. Der Speiseplan rund um Kirschtomaten, grüne Bohnen, rote Kartoffeln, Möhren und Mozzarrella verspricht zumindest farbenfrohe Gerichte. Haferflocken, Cornflakes und Puffreisflocken mit Milch landen zum Frühstück auf dem Tisch.
Beim Lesen der Rezepte wird klar: eine Küchenwaage muss her. Ohne ist die genaue Einhaltung der Diät nicht möglich. Die Beschaffung ist einfach, doch etwas anderes hält mich von meinem Vorhaben ab, penibel nach Plan zu essen: Weder Fleisch noch Fisch kommt mir von der Hand in den Mund. Beides steht jedoch mindestens einmal täglich auf dem Speiseplan.
Dann muss ich eben doch die Portionsgröße der Beilagen variieren. Aber im Endeffekt esse ich wahrscheinlich weniger als Liz und Cynthia mir erlauben, auch weil die Würze fehlt. Insgesamt darf ich 1200 Kalorien zu mir nehmen, verteilt auf vier Mahlzeiten, wobei der Smoothie aus Milch und Obst am Nachmittag auch als solche zählt. Ganz billig ist die Diät auf den ersten Blick übrigens nicht: Da ich ungesüßte Cornflakes, Leinöl, Puffreisflocken und Heidelbeeren nur im Bioladen bekomme, stehen am Ende für vier Tage 40 Euro auf der Rechnung.
Von Sport zum Abnehmen ist übrigens kaum die Rede. Zu einem fünfminütigen Spaziergang nach dem Essen raten mir Liz und Cynthia jedoch. Dafür hat die Bauch-weg- eine Besonderheit, für die sie auch Schlankwasser-Diät genannt wird: Cynthias Wasser. Die Ernährungswissenschaftlerin hat ein Rezept erstellt, bei dem Gurke, Zitrone, Ingwer, Minze und Wasser zu einem Gebräu angesetzt werden, von dem ich mir zwei Liter täglich einverleibe. Dass es viel spritziger als reines Leitungswasser sein soll, entzieht sich meinem Geschmack. Vielleicht auch, weil ich am ersten Tag die Zitrone noch mit Schale ins Wasser werfe (war ja bio).
Nach vier Tagen fühlt sich der Bauch etwas flacher an, obwohl acht Liter Schlankwasser durch ihn hindurchgeflossen sind. Und obwohl mir Kollegen und Freunde ständig Anti-Diät-Komplimente machen, Pizza anbieten oder sich kopfschüttelnd abwenden: Was weg muss, muss weg, in diesem Fall fünf Kilo. In den nächsten Wochen wird es wieder mehr feste Nahrung geben. Und meine neuen Freundinnen Cynthia und Liz haben endlich auch vegetarische Rezepte für mich eingeplant.
Liz Vaccariello, Cynthia Sass: Die Bauch-weg-Diät, Goldmann, 420 Seiten, 9,95 Euro
iwi/news.de