So., 12.02.12

Nanotechnologie Die winzigen Unbekannten

Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager

Artikel vom 07.01.2010

Nanotechologien kommen bereits überall zum Einsatz. Die Teilchen gelangen über Luft, Haut, Wasser und Lebensmittel in den Körper. Was die winzigen Partikel dort mit unserer Gesundheit anstellen, ist noch kaum erforscht.

Nano ist der revolutionärste Schrei, den die Technik in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat. Doch noch bevor geklärt ist, wie die kleinen Teilchen, die bei den verschiedenen Technologien zum Einsatz kommen, sich auf die Gesundheit auswirken, haben sie bereits Einzug in den Alltag gefunden. Sehr kritisch, findet die Verbraucherzentrale und hat deshalb eine Ratgeberbroschüre herausgegeben, die sich mit der Welt des Winzigen auseinander setzt.

Von Nano wird gesprochen, wenn verwendete Materialien aus Teilchen in der Größenordnung von einem bis etwa 100 Nanometern bestehen. Nanotechnologien sind keineswegs einheitlich und deshalb schwierig allgemein zu bewerten. Sie kommen zum Einsatz etwa in der Computertechnik, als winzige Elektronik-Bauteilchen, in Beschichtungen, etwa in Autolacken oder bei Sanitäranlagen, aber auch in Textilien, Kosmetik sowie in Lebensmitteln und in Produkten für Kinder, wie etwa Schnullern oder Spielzeug.

Die Entwicklung hat in der Medizin große Hoffnung ausgelöst. So sollen Nanoteilchen unter anderem als intelligente Medikamentenfähren fungieren und Wirkstoffe direkt in Krebs- oder Tumorgewebe transportieren. Die Nebenwirkungen, die heutige Medikamente auf das gesunde Gewebe hat, würden damit wegfallen, so die Hoffnung.

Doch das Problem ist, so die Verbraucherzentrale, dass einige Stoffe in grober Form zwar harmlos, feinstofflich auf Nanogröße gebracht aber durchaus heftigere Reaktionen zu Tage bringen können. Ein Grund dafür ist die enorme Oberflächenvergrößerung. Aber auch können die Kleinstteilchen so im Körper leicht in Zellen oder sogar in den Zellkern gelangen und Veränderungen verursachen oder Zellprozesse durcheinander bringen.

Andere Reaktion bei Nanogröße

So ist es etwa erwiesen, dass Titandioxid zwar in Grobform keine Schäden anrichtet. Aber in Nanogröße wirkt der Stoff, der auch gerne in Kosmetika benutzt wird, etwa in Sonnencremes, giftig und könnte über kleine Kratzer in der Haut in den Körper gelangen. Dort kann es zu Leber-, Nieren- und Herzmuskelschäden sowie der Zerstörung der Erbsubstanz in den Zellen führen. Ob Titandioxid aber in einem Produkt grob oder winzig vorkommt, ist an der Inhaltsliste nicht erkennbar. Denn: Die Verwendung von Nanopartikeln ist noch nicht kennzeichnungspflichtig.

Ein Missstand, der sich dringend ändern muss, fordert die Verbraucherzentrale in ihrer Broschüre. «Die bestehenden Gesetze sollen so angepasst werden, dass Nanomaterialien ohne Ausnahme wie neue Stoffe behandelt und zugelassen werden müssen», heißt es weiter. Auch müsse sehr viel mehr Geld in die Risikoforschung fließen. Derzeit fördere die Bundesregierung Nanotechnologien mit rund 370 Millionen Euro pro Jahr. Nur ein Bruchteil sei für die Erforschung von Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit bestimmt. Dieser Anteil müsse auf mindestens zehn bis 15 Prozent aufgestockt werden. Bis Risiken geklärt sind, müssten Kinder besonderen Schutz erhalten und Nanotechnologie zu Entwicklung von Produkten für Kinder strengsten Grenzwerten unterliegen.

Nanopartikel etwas aus der Kleidung oder Waschmaschinentechnologien können trotz relativ fester Bindung ungewollt in den Körper gelangt, wenn sie sich aus dem Material lösen und eingeatmet werden oder beim Waschen im Wasserkreislauf landen. Dies betrifft etwa Nanosilber, das antibakteriell wirkt, oder auch die  Nano-Tex-Technologie, wie sie etwa in Jacken der Marke Jack Wolfskin verwendet und gekennzeichnet wird. Es gebe auch bei Nano-Tex keine ausreichenden Studien die Gefahren und Risiken abschließend ausschließen, wie Jack Wolfskin selbst mitteilt. Bisherige Tests würde aber nahelegen, dass die Technologie unbedenklich ist, so das Unternehmen.

Risiken und Gefahren kaum erforscht

Es sei bereits nachgewiesen worden, dass Nanosilberpartikel im Körper eine Schädigung von Leber- und Gehirnzellen hervorrufen können, sagt Professor Richard Raedsch vom Berufsverband der Internisten. Die meisten Anwendungen von Nanotechnologie und ihre Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit sind aber noch kaum untersucht.

In der Lebensmittelindustrie können Nanopartikel zum Beispiel als Rieselhilfen für Tütensuppen oder Gewürzmischungen und zur Verhinderung optischer Veränderungen bei Schokolade eingesetzt werden. Von großer Bedeutung sind auch Zusätze von Nanopartikeln zur Haltbarmachung sowohl im Produkt selbst als auch in der Verpackung.

«Derzeit ist es für den Konsumenten nicht möglich zu erkennen, ob bei der Herstellung eines Produktes Nanomaterialien verwendet wurden. Es gilt jedoch: Je weniger stark ein Nahrungsmittel industriell verarbeitet wurde, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es mit Nanopartikeln versetzt wurde», rät Raedsch. Nur wenige Produkte tragen tatsächlich eine Nano-Kennzeichnung.

Weitere Hinweise für die Verwendung von Nanotechnologie sind Zusätze etwa bei Textilien, Haushaltsgeräten und Produkten für Kinder wie «antibakteriell» oder «keimfrei», rät die Verbraucherzentrale. Auch gibt es inzwischen ein Nanoprodukt-Verzeichnis des Woodrow Wilson Centers. Doch die ist bei weitem nicht vollständig und nur auf Englisch vorhanden.


Die Ratgeberbroschüre der Verbraucherzentrale lässt sich im Internet ganz einfach und kostenlos herunter laden. 

car/news.de/ap
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Nanotechnologie: Die winzigen Unbekannten » Gesundheit » Nachrichten

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Leserkommentare (2)
  • Kommentar: 2
  • 02.07.2011 19:44
von
Jeanette24Harrington

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  • Kommentar: 1
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von
LuzWyatt19

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