So., 12.02.12
Der große Diät-Test

Brigitte-Diät Rezepte verzweifelt gesucht

Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager

Artikel vom 06.01.2010

Viele Diäten setzen auf Obst und Gemüse. Nicht umsetzbar, wenn man Fruchtzucker nicht verträgt. Die erschwerte Ausgangssituation hat die Wahl beim news.de-Diäten-Test auf die Brigitte-Diät fallen lassen. Denn die ist wenigstens vielseitig.

Mit den meisten Diätformen habe ich so meine Probleme. Denn ich habe eine recht stark ausgeprägte Fruktosemalabsorption (FM), durch die ich dauerhaft und lebenslang auf Diät bin und vieles wie etwa verschiedene Obst- und Gemüsesorten nicht essen kann. Außerdem vertrage ich Zucker ganz schlecht. Süßigkeiten oder zuckrige Getränke fallen unter den Tisch. Deswegen habe ich mich bei der Auswahl der vielen Diäten für die Brigitte-Diät entschieden. Die erschien mir am flexibelsten und vielseitigsten.

Das Diätprinzip beruht auf der Energiedichte von Lebensmitteln. Hat etwas wenige Kalorien auf viel Masse, wie etwa Obst oder mageres Fleisch, dann ist der Wert der Energiedichte niedrig. Bei Süßigkeiten und Gebäck ist er dementsprechend hoch. Achtet man auf die Energiedichte, dann kann man selbst bei 1200 Kalorien am Tag – 1400, wenn man richtig akitv ist - noch den Bauch so füllen, dass er nicht ungeduldig knurrt und weitere Fütterungen verlangt. Ganz einfaches Prinzip.

Wochenlang habe ich mich erfolgreich vor der Waage gedrückt. Nun kam zum Auftakt der Diätwochen von news.de der Moment der Wahrheit. Das Ergebnis: 83,4 Kilo. Das entspricht bei meiner Körpergröße von 1,79 Meter einen Body Mass Index (BMI)Der Body-Mass Index – auch kurz BMI genannt – ist eine Maßzahl für die Bewertung der Körpermasse eines Menschen. Der Index wird benutzt um Unter-, Normal- und Übergewicht zu bestimmen. Er errechnet sich aus der Körpermasse in Kilogramm durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. von 26. Das Normalgewicht liegt bei einem BMI von 18 bis 25. Ergo: Ich bin leicht übergewichtig.

Mein Ziel der vierwöchigen Diät, zu der wir uns gegenseitig in der news.de-Redaktion verdonnert haben: Mindestens ein BMI von 25. Am besten etwas drunter. Das heißt, drei bis fünf Kilo müssen von den Hüften runter. Viel schlanker kann ich mich aber nicht leiden, habe ich festgestellt, als die Waage mal nur noch 75 Kilo anzeigte. Mein wohlgefühltes Idealgewicht ist die Oberkante des errechneten Normalgewichts.

Psychotest und Einsparpotenzial

Trotz allem Tatendrang, macht sich bei der Vorbereitung für den Diätstart schnell Frustration breit. Zum einen fand ich nicht ein einziges Rezept im Brigitte-Diät-Buch, das sich einfach übernehmen ließ. Egal. Einiges lässt sich ersetzen. Anderes fliegt halt raus.

Die gut gemeinten Tipps, wie etwa statt Saft Wasser zu trinken oder Limos wegzulassen, sorgen bei mir für kein Einsparpotenzial von Kalorien: Ich trinke fast nur Mineralwasser und ungesüßten Kräutertee. Nur beim morgendlichen und mittäglichen Kaffee schlägt die Milch etwas zu Buche.

Beim Psychotest, der den Rezepten vorweg geht, und in den Bereichen Essgewohnheit, Lebenssituation, Stress, Frust, Lust und Verführbarkeit Dickmacherfallen ermittelt, sieht es ganz gut aus. Ab und zu gefährdet, aber im Großen und Ganzen stolpere ich, laut Brigitte, nur selten. Na, das ist ja beruhigend.

Bevor es mit der Diät losgeht, heißt es sich gut vorzubereiten. Ich durchkämme im Brigitte-Diät-Buch jedes Kapitel von Frühstück, Mittags, Blitzrezepte, Salate und Abends nach Rezepten, die sich ohne großen Verlust abwandeln lassen. Dann lässt sich der Tag nach Baukastensystem planen. Beim Rechnen bleibt die angegebene Kalorienzahl stehen, obwohl die Gerichte durch Weglassen von Zutaten wie Roh-Rohrzucker oder Ahornsirup wahrscheinlich etwas kalorienärmer ausfallen.

Muss das Zuckerl wirklich sein?

Weil ich zum Frühstück am liebsten Müsli essen, nehme ich mir die fünf körnigen Varianten vor. Doch die treiben mich bereits zur Verzweiflung. Etwa vom English Bircher Müsli würden die Milch, der Naturjoghurt und Haselnüsse übrig bleiben. Bei den zusätzlich angegebenen zwei Vollkornweizenkeksen namens Weetabix steckt dagegen Zucker. Fällt also ebenso weg wie die Saftorange, der kleinen Apfel und der Sanddornsirup mit Roh-Rohrzucker.

Ich entscheide mich für eine abgewandelte Variante des Müslis mit Früchten und bereite eine Vorratsdose vor, aus der ich dann morgens portiönchenweise das Gemisch im Halbschlaf in die Müslischale kippen kann und nur noch verträgliches Obst, wie Papaya, Aprikose oder Banane, dazu schnippeln muss. In einer Pfanne rösten, wie in dem Rezept vorgegeben, werde ich den Kram nicht. Dazu bin ich um die Zeit einfach zu faul.

Die aufwändigeren Frühstücksrezepte lasse ich fürs Wochenende. Auch wenn auf  das Käse-Frühstück etwa Tomatenketchup und zuckriger Ahornsirup drauf soll. Ist der Schnickschnack wirklich nötig? Überhaupt ist es mir nach langem Blättern und Zutaten hin und her schieben ein absolutes Rätsel, warum die Brigitte-Autorinnen ständig überall Saftorangen und Roh-Rohrzucker oder Sirup dranschmieren müssen. Geht es nicht auch ohne das Zuckertupferl?

Pastasalat wird zum besten Freund

Ich bin ganz glücklich, als ich endlich das Schinken-Gurken-Sandwich entdecke, bei dem ich tatsächlich nur den Ahornsirup mit Reissirup ersetzen müsste. Ob der die gleiche Energiedichte hat, weiß ich nicht. Auch an das Italiensche Frühstück werde ich mich heranwagen, trotz Tomaten. Besonders verlockend: der Avocado-Milchmix.

Bei den Mittagsrezepten werde ich etwas fündiger. Sage und schreibe sechs Rezepte habe ich entdeckt. Etwa pochiertes Ei mit Spinat oder Hähnchen in Dampf oder Tagiatelle mit Basilikum. Nur da Zwiebeln gegen Scharlotten ausgetauscht, Rosinen weggelassen und Möhre durch Schwarzwurzel ersetzt.

Die Blitzrezepte: Das Zitronenhähnchen, in Limettenvariante, der Marseiller Fischtopf und den Steakburger mit Limetten-Aioli sehen recht ungefährlich aus. Bei den anderen Rezepten bleibt ein Bauchschmerzrisiko. Außerdem habe ich den griechischen Pastasalat zu meinem neuen besten Freund und ständigen Begleiter ins Büro erkoren und gleich noch vor Wochenbeginn vier Portionen für meine Tupperschalensammlung vorgekocht.

Bei den Rezepten für den Abend sieht es sehr, sehr dünn aus. Nur das Avocadobrot mit Krebsfleisch, die Champignon-Bruschetta und das Puten-Tramezzini kommen mit kleinen Einschränkungen in Frage. Die kleinen Verführer, die laut dem Brigitte-Team einfach manchmal sein müssen, wie eine Praline oder ein Gummibärchen, ignoriere ich genauso heroisch wie die Dessertkarte. Wie praktikabel die Rezepte im Alltag sind und ob tatsächlich in vier Wochen meine Hose nicht mehr so spannt, werden wir sehen.

 

Lesetipp: Susanne Gerlach, Anna Ort-Gottwald, Anne Petersen: Brigitte Diät - Das Programm, das in mein Leben passt, Diana Verlag 2009, 192 Seiten, 17,95 Euro.

car/news.de
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