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Promis außer Rand und Band (Bild 1/ 12)
Trapattoni (Foto)
Foto: dpa
05.01.2010

Giovanni Trapattoni lieferte den Ausraster schlechthin: Unvergessen bleibt die Wutrede des Ex-Trainers des FC Bayern München während einer Pressekonferenz, in der sich der Italiener hauptsächlich über seine Spieler Thomas Strunz, Mario Basler und Mehmet Scholl ausließ und zwei legendäre Sätze von sich gab: «Ich habe fertig!» und «In diese Spiel es waren zwei, drei oder vier Spieler, die waren schwach wie eine Flasche leer».

Wutausbrüche

Richtig Dampf ablassen

Streit mit dem Partner, ungerechtfertigte Kritik vom Chef, Ärger mit den Nachbarn: Kocht erstmal Wut im Bauch, haben vor allem viele Frauen Probleme, damit konstruktiv umzugehen.

Lester Maul (Was ist das?)

Das ist ein guter Ratschlag für Frauen. Mit Wut positiv umgehen. Wenn frau mal so richtig wütend ist, dann kocht sie eben was Schönes für den Gatten oder bügelt seine Hemden besonders gründlich. Und schon ist die Wut verflogen.

Manche schlucken alles herunter, andere spielen beleidigte Leberwurst, wieder andere suchen die Schuld bei sich oder flippen komplett aus. Mit Tellern zu werfen, schafft aber nur neue Probleme.

«Wut hat bei vielen Menschen einen schlechten Ruf», sagt die Diplom-Sozialpädagogin Anita Timpe aus Berlin. «Dabei ist sie ein ganz normales und wichtiges Gefühl.» Timpe bietet Wochenendseminare für Frauen zum Thema «Wohin mit meiner Wut?» an. «Ich erlebe immer wieder, dass Frauen keinen Zugang zur Wut haben, die Gefühle blockieren oder runterschlucken», sagt sie.

Manche richteten die negativen Gefühle auch gegen sich selbst. «Frauen geben sich dann die Schuld, dass bestimmte Dinge nicht so laufen, wie sie sich das wünschen», erklärt Timpe. Doch auf Dauer kann ein solches Verhalten psychisch stark belasten. «Es ist wichtig, Wut in positive Bahnen lenken zu können», sagt Peri Kholghi, Diplom-Psychologin aus Bensheim. «Die Wut zeigt immer, dass irgendwo ein Mangel vorliegt.» Den gilt es zu finden und auszugleichen.

Während Psychologen ihren Patienten früher oft rieten, «die Wut mal ordentlich rauszulassen», wird der Wutausbruch heute nicht mehr als erste Wahl gesehen: «Man kann zwar Dampf ablassen, fühlt sich danach aber meistens noch mieser als zuvor», erklärt Kholghi. Denn in der blinden Wut würden schnell Dinge gesagt, die unangenehme Folgen haben. «Und schlussendlich schämt man sich für das eigene Verhalten und hat vielleicht noch Ärger am Hacken.»

Zeichen von Hilflosigkeit

«Wut ist häufig ein Zeichen von Hilflosigkeit», erklärt Martina Kern, Psychotherapeutin aus Karlsruhe. «Man steht vor einem Problem und hat keine Lösung parat.» Warum reizt mich dieser Mensch? Warum fühle ich mich unwohl? «Sich der wahren Gefühle, die hinter der Wut stecken, bewusst zu werden, ist oft gar nicht so einfach.» Anita Timpe empfiehlt eine Auszeit: «Es ist wichtig, sich zu sortieren, um dem Problem später vernünftiger entgegentreten zu können.»

«Nehmen Sie die Gefühle, die in Ihnen brodeln, unbedingt ernst» rät Kholghi. «Wut ist grundsätzlich ein gutes Signal, denn sie fordert uns auf, Dinge, die uns belasten, aus der Welt zu schaffen.» Das gelingt aber erst, wenn nach dem Sturm wieder Ruhe eingekehrt ist. Wer Dampf ablassen muss, sollte sich Strategien suchen, die dem eigenen Naturell entsprechen, rät Timpe: «Manche können am besten bei einem Spaziergang an der frischen Luft nachdenken, andere boxen zu Hause in die Kissen.» Manchen Frauen hilft ein «Wut-Brief». «Schreiben Sie sich einfach alles vom Herzen, was Sie belastet», erklärt Timpe. Natürlich ohne den Brief anschließend abzuschicken.

Der Hals wird dick, das Herz rast

Wer häufig in Streit gerät oder ständig das Gefühl hat, benachteiligt zu werden, kann in Gesprächen mit nahestehenden Menschen nach Gründen suchen. «Das kann natürlich in gewissen Punkten schmerzhaft sein, besonders wenn berechtigte Kritik kommt», sagt Kholghi. Doch die ist nötig. Denn für die meisten Konfliktsituationen gilt die Regel, dass immer zwei dazu gehören.

Der Hals wird dick, das Blut kocht und das Herz rast, tausend böse Wörter schwirren durch den Kopf: «In solchen Momenten gehen die Emotionen mit uns durch und kein klarer Gedanke ist möglich», sagt Peri Kholghi, Diplom-Psychologin aus Bensheim. «Es bringt überhaupt nichts, Probleme in solch einem Zustand zu klären.»

Ob Partnerschaftskonflikt oder Streit mit Kollegen: «Vertagen Sie das Gespräch, ziehen Sie sich zurück, um ruhiger zu werden», rät Anita Timpe, Diplom-Sozialpädagogin aus Berlin. «Erst wenn Sie wirklich wissen, was Sie wollen und verändern möchten, sollten Sie das Gespräch suchen.» Wer seine Wut nicht kontrollieren kann, sie wochenlang mit sich rumschleppt oder Depressionen entwickelt, sollte sich allerdings Hilfe suchen.

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car/news.de/dpa
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