Außer Vorsatz nichts geschafft?
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Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager
Artikel vom 01.01.2010
Es gibt zwar keine Statistiken, wie oft gute Vorsätze tatsächlich umgesetzt werden. Aber die Alltagserfahrung hat gezeigt, dass nur zehn Prozent – oder sogar weniger – der Silvesterbeschlüsse Einzug in den Alltag halten. News.de erklärt warum.
In dem Vorsätzerepertoire gibt es einige notorische Dauerbrenner, wie etwa Diäten, weniger Rauchen, weniger Alkohol, mehr Bewegung. Die meisten Vorsätze zielen darauf ab, das Leben zu verbessern. Mehr Glück, mehr Spaß, mehr Freizeit, besseres Aussehen, gesünderer Lebenswandel. «Man nimmt sich ja nicht vor, ich werde mich nächstes Jahr mal richtig ruinieren», sagt der Psychoanalytiker Hans-Werner Rückert.
Stattdessen will man sein Leben mal gründlich umkrempeln. «Und zwar in einem relevanten Ausschnitt», so Rückert. Das sei trotz der hohen Rate des Scheiterns nicht verkehrt, findet er. Die Karten werden subjektiv an dem markanten Datum Silvester neu gemischt. Auch andere einschneidende Punkte im Leben, die mit Bedeutung aufgeladen sind, wie etwa der Semesterbeginn, ein runder Geburtstag oder der Umzug in eine neue Stadt, werden gerne mit solch guten Vorsetzen besetzt.
Die Vorsätze an Silvester haben inzwischen einen ritualisierten Charakter. Unter der Wirkung des Alkohols bei der Party mit Freunden geraten viele in den Gruppenzwang, ein Vorhaben in den Raum zu werfen und damit auch ihre soziale Zugehörigkeit zu bekunden. Rückert: «Das entsteht dann spontan aus einer Laune heraus.» Wie ernst der Vorsatz und wie stark die Motivation sind, ist dann eher zweifelhaft.
Die Vorsatzverkündung in der Öffentlichkeit der Silvesterparty kann ein «positiv inspirierter Paktgeber» sein. «Man überwindet sich in diesem Moment heroisch, hört sich sagen ‹Im nächsten Jahr rauche ich nicht mehr›. Und in diesem Moment glauben das viele auch», erklärt Rückert. Die anschließend nicht eintretende Umsetzung nennt man auch Silvester-Syndrom oder auch Falsche-Hoffnung-Syndrom.
Der heroische Glücksmoment
Die Hirnrinde ist der Sitz der guten Vorsätze, wo man eine Intention formuliert. «Das fühlt sich erstmal gut an, weil unser Gehirn zur halluzinatorischen Wunscherfüllung fähig ist», erklärt der Psychoanalytiker. «Ich tue dann für ein paar Minuten so, als ob das schon erreicht ist.» An die Situation, wenn man sich zwei Tage später nach der Zigarette sehnt, denkt man vorerst nicht.
Diese emotionale Aufladung mit Stimmung sei aber etwas völlig anderes als die langfristigen Verknüpfungen im restlichen Gehirn. Wenn man etwa 20 Jahre lang in bestimmten Kontexten immer geraucht hat, dann braucht es zur Veränderung etwas mehr als eine spontane Idee während einer feuchtfröhlichen Party.
Dennoch ist der Psychoanalytiker überzeugt, dass vielen Menschen ihre Wünsche fürs neue Jahr durchaus ernst sind. Kommt der Vorsatz aus einer persönlichen Motivation heraus, etwa ins Fitnesstudio zu gehen, weil der Rücken schmerzt, statt durch einen sozialen Zwang, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Vorhaben umgesetzt wird, auch viel größer.
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