Hat sie oder hat sie nicht? Angelina Jolie bestreitet bisher, dass sie sich Botox spritzen lässt.
Botox als Allzweckwaffe
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Hat sie oder hat sie nicht? Angelina Jolie bestreitet bisher, dass sie sich Botox spritzen lässt.
Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Als Wunderwaffe wird es von der Schönheitsindustrie gepriesen, als Faltenkiller für Filmstars und dauergrinsende Manager: Botulinumtoxin, besser bekannt als Botox. Doch dem Nervengift könnte eine neue Karriere ins Haus stehen: als medizinisches Allroundmittel.
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Botox verjüngt nicht nur. Möglicherweise hilft es auch bei Migräne, bei übermäßiger Schweißbildung, bei Krämpfen und im Kampf gegen Parkinson. Erst kürzlich hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) zwei Studien vorgestellt, in denen die Wirkung des bakteriellen Giftes Botulinumtoxin A, kurz Botox, gegen chronische Migränebeschwerden untersucht wurde.
In einem Test waren insgesamt 1400 Patienten in Europa und Nordamerika beteiligt. Ein Teil davon wurde mit Botox behandelt. Ein anderer Teil erhielt wirkungslose Scheinpräparate (Placebos). Ergebnis: Die Probanden, die Botox erhielten, wiesen deutlich mehr schmerzfreie Tage vor als die Gruppe, die Placebos erhalten hatte.
Die Studienteilnehmer erhielten während einer Testzeit von 24 Tagen Injektionen in die Kopf-, Gesichts- sowie die Nackenmuskulatur. Das bescherte den Testpatienten neun schmerzfreie Tage mehr im Vergleich zu der Gruppe, die Placebos erhalten hatte. Nun spricht die DGN schon von Botox als möglicherweise neues wirksames Medikament gegen chronische Migräne. Etwa jeder zehnte Deutsche leidet unter regelmäßigen Kopfschmerzen.
Clostridium botulinum Typ A Neurotoxinkomplex, so die korrekte wissenschaftliche Bezeichnung, ist ein starkes Nervengift, das von bestimmten Bakterien produziert wird. In geringer Dosierung blockiert es Nervenimpulse zwischen Gehirn und Muskulatur, so dass sich die Muskeln entspannen oder auch bestimmte Funktionen gezielt unterbrochen werden.
Mittel gegen Schweißbildung und Parkinson
Das Nervengift kommt bereits gegen verschiedene Krankheiten zum Einsatz - zum Beispiel bei der Behandlung übermäßiger Schweißbildung. Dabei wird das Mittel unter die Haut gespritzt, so dass die Schweißdrüsen stillgelegt werden. Ein weiteres Anwednungsgebiet: Muskelverspannungen. Wenn Muskeln zu sehr angespannt oder verkrampft sind, kann das Nervengift die erwünschte Entspannung herbeiführen. Zu den Indikationen zählen Krämpfe (Spastik) nach einem Schlaganfall, Blasenprobleme oder Analkrämpfe.
Bewährt hat sich Botulinumtoxin auch gegen Dystonien. Dabei handelt es sich um unterschiedliche Krankheitsbilder, die von Lidzucken, gepresstem Sprechen, Schiefhals bis zu verschiedenen Bewegungsstörungen reichen können. Ursache sind extrem verkrampfte Muskeln, wenn das Gehirn die Muskelarbeit in manchen Bereichen nicht mehr richtig steuert. Diese «Software-Störung» des Gehirns betrifft in Deutschland rund 80.000 Menschen. Vielen von ihnen ermöglicht Botulinumtoxin wieder, sich besser bewegen zu können.
Vielversprechend sind auch die vorläufigen Ergebnisse einer Studie, die den Wirkstoff und seinen Einfluss auf die Krankheit Parkinson untersucht. Sie läuft derzeit an der Neurologischen Universitätsklinik Rostock. Im Fokus der Forschung steht vor allem das für Parkinson-Patienten typische Zittern. Im Gehirn löst der Transmitter Acetylcholion dieses Zittern in den Muskeln aus. Botulinumtoxin kann die Freisetzung dieses Botenstoffs blockieren. Allerdings kann diese Substanz nicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden.
Um gegen Parkinson zu wirken, müsste man deshalb Injektionen ins Gehirn oder Rückenmark setzen. Beim Menschen ist dies äußerst schwierig und mit Risiken behaftet. In der Studie injizierten die Rostocker Neurologen deshalb Ratten das hochpotente Nervengift ins Gehirn – mit großem Erfolg. Das Zittern trat nur noch schwach auf oder verschwand sogar gänzlich. Bis die Behandlung jedoch so ausgereift ist, dass Parkinson-Patienten davon profitieren können, werden noch ein paar Jahre vergehen.
Das umstrittene Schönheitstonikum
Derzeit wird das Mittel vorrangig bei kosmetischen Operationen eingesetzt, um altersbedingte Faltenbildung zu stoppen und rückgängig zu machen. Seinen Siegeszug hat Botox vor allem der häufigen Nutzung durch international bekannte Persönlichkeiten zu verdanken. Zuletzt wurde vermutet, dass sich Entertainer Thomas Gottschalk einer Verjüngungskur mit Botox unterzogen habe.
Trotz der weiten Verbreitung und der Popularität ist Botox unter Experten nicht unumstritten. Zwar wirkt das Mittel zuverlässig in gewünschter Weise. Doch immer wieder gibt es auch teilweise massive Nebenwirkungen, die bis zum Tode einiger Patienten geführt haben. Seit der Zulassung des Mittels im Jahr 1994 wurden auch in Deutschland Todesfälle gemeldet. Übliche Nebenwirkungen sind unter anderem Grippe ähnliche Beschwerden wie Husten oder Schluckbeschwerden, aber auch Atemwegserkrankungen, Rücken- oder Kopfschmerzen und Schwindel.
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