Kosmetische Chirurgie Spritzen gegen Furchen

Botox (Foto)
Spritzen gegen Mimikfalten: Allen Nebenwirkungen zum Trotz steht die Behandlung mit Botox weltweit an der Spitze kosmetischer Eingriffe. Bild: ddp

Von Johanna Uchtmann
Wer im fortgeschrittenen Alter eine glatte Gesichtshaut behalten möchte, lässt sich Botox unter die Haut spritzen. Das Nervengift  schwächt gezielt Gesichtsmuskeln und lässt auf diese Weise Mimikfalten verschwinden. Doch die Behandlung hat ihren Preis.

Jugendlich schön wollte die Bäuerin aus dem Münchner Umland gar nicht werden, als sie ihr Kalb verkaufte. Einzig ihre Zornesfalte zwischen den Augen störte. Sie sah immer so verärgert aus. Die Landwirtin ging zu Tatjana Pavicic, Leiterin der Ästhetischen Dermatologie an der Universität München, und gönnte sich von ihrem Kälbergeld eine kleine Schönheitskorrektur.

Die Bäuerin, der Student, die Frau an der Kasse - kaum zu glauben, wer schon alles unter Spritze oder Laser lag, sagt Pavicic. Das Geheimnis der unsichtbaren Schummelei: weniger ist mehr. «Finger weg von permanenten Präparaten», lautet Pavicics Rat Nummer eins.

Unter dem Stichwort «permanent» laufen alle chirurgischen Eingriffe: das Facelifting genauso wie das Einsetzen von nicht abbaubaren «Fillern», also Füllsubstanzen wie Kunststofffäden oder Mikrokügelchen. Treten bei den dauerhaften Implantaten nämlich Nebenwirkungen auf, wird es problematisch. Wer sich einmal synthetische Fäden durch die schmalen Lippen hat ziehen lassen, der wird sie nicht wieder los und leidet ohne nachträgliche OP eventuell ewig unter Knötchen oder sichtbaren Strängen unter der Haut.

Botox
Der Faltenkiller der Stars

Feldzug gegen Gesichtsunebenheiten

Minimalinvasive Eingriffe reichen im Feldzug gegen die störenden Gesichtsunebenheiten ohnehin völlig aus, findet Ingo Schugt vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen in Berlin. «Es müsste schon ordentlich schlabbern, dass man das damit nicht mehr hinbekommt», sagt er. Zu den minimalinvasiven - also den möglichst kleinen - Eingriffen zählen zum Beispiel die Unterspritzungsbehandlung mit Botox.

Botox, eigentlich Botulinumtoxin, ist laut Schugt weltweit der beliebteste Wirkstoff in Sachen Entknitterung. 3,2 Millionen kosmetische Eingriffe mit Botox pro Jahr verzeichnet die amerikanische Society for Aesthetic Plastic Surgery, auf etwa 50.000 bringen es die Deutschen, schätzt die Deutschee Gesellschaft für Ästhetische Botulinumtoxin-Therapie (DGBT). Für das häufig als Nervengift verschriene Protein gibt Schugt Entwarnung: «Es ist genauso Gift wie Alkohol und Aspirin welches sind.» Vielmehr entspanne es die Muskeln und verhindere, dass sie die Haut in Falten ziehen. Darüber hinaus werde es als Medikament bei Spannungskopfschmerzen oder übermäßigem Schwitzen eingesetzt.

Botox wirkt am besten im oberen Gesichtsdrittel: an Krähenfüßen, Glabellafalten genannten Zornesfurchen, waagrechten Stirnfalten oder «Bunny lines», den kurzen schrägen Fältchen, die den Nasenrücken beim Rümpfen furchen. Dies alles sind keine Alterungs-, sondern Mimikfalten, erklärt Schugt. Die Wirkung hält abhängig vom Stoffwechsel vier bis sechs Monate. Dann muss der Patient wieder unter die Spritze - oder auch nicht. «Mimik ist Gewohnheit», sagt Pavicic. Die Dermatologin erzählt von Patienten, die sich in den lähmenden Botoxmonaten das faltenfördernde Krausziehen der Stirn einfach abgewöhnt haben.

Risiko «frozen face»

Bei der Frage nach Risiken winken beide Experten ab - solange der Patient einen Profi ranlässt. Allergien gibt es laut Schugt keine. Allerdings: Ergebnis einer Überdosierung kann laut Pavicic ein «frozen face», ein eingefrorenes Gesicht ohne Mimik, sein. Wer sich zu häufig spritzen lässt, bildet außerdem möglicherweise Antikörper und wird gegen den Wirkstoff resistent.

Botox darf im Gegensatz zu abbaubaren «Fillern» wie Hyaluron- oder Milchsäure nur der Experte spritzen. Und das ist in diesem Fall weder die Kosmetikerin noch die Krankenschwester, sondern nur der Arzt. Wer sich also auf einer Botox-Party im Wohnzimmer der besten Freundin zwischen Piccolo und Karaoke die Botox-Spritze in die Stirn jagen lässt, ist selber Schuld. Mangelnde Hygiene, die falsche Einstichstelle oder ein Schock aus Nadelangst können langfristige Folgen haben.

Außerdem darf Botulinumtoxin seinen Feldzug in Sachen Schönheit offiziell nur zwischen den Augenbrauen antreten. In Deutschland sind verschiedene Arzneimittel mit dem entspannenden Wirkstoff zugelassen - allerdings nur ein Teil von ihnen auch für die kosmetische Anwendung. «Diese Zulassung umfasst ausschließlich die Behandlung der Glabellafalten bei Erwachsenen unter 65 Jahren», erklärt Ulrich Heier vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn.

Wer sich mit Botox anderswo am Körper glätten lassen will, muss unterschreiben, mit einem dafür nicht zugelassenen Mittel gespritzt zu werden. Das machen die meisten gern und bedenkenlos. Die manchmal von Kritikern proklamierten «schweren, lebensbedrohlichen oder tödlichen Nebenwirkungen» im Zusammenhang mit der kosmetischen Anwendung sind laut Heier zwar bisher nicht gemeldet worden, eine gewisse Skepsis im Umgang mit dem Gift kann aber sicher nicht schaden. Eine Botoxbehandlung kostet je nach Faltentiefe zwischen 300 und 500 Euro - etwa so viel wie ein Kalb.

car/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Bärbel Elstermann
  • Kommentar 1
  • 30.12.2009 18:56

So etwas tue ich mir nicht an . Bis jetzt ist meine Haut noch ganz gut ,aber Falten gehören nun einmal zum Alter dazu .

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige