Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager
Es herrscht riesige Vorfreude, die Kinder rätseln aufgeregt, was sich wohl hinter den bunten Papieren verbergen könnte. Doch dann: lange Gesichter. News.de erklärt, warum unpassende Geschenke so enttäuschen und wie man sich am besten verhält.
Der falsche Pulli oder die hässlich gestreifte Krawatte haben einen solch emotionalen Einfluss, weil sie eben Geschenke und nicht nur Gegenstände sind, erklärt die Psychologin Gerhild von Müller. «Geschenkrituale sind bedeutungsbeladene Gesten. In jeder Kultur. «Das Austauschen von Geschenken hat immer eine symbolische Bedeutung und kennzeichnet soziale Beziehungen», sagt die Psychologin.
In den Familien habe das Schenken zu Weihnachten den Sinn, den Zusammenhalt zu festigen und dem anderen zu bekunden: «Du bist mir wichtig, ich möchte, dass du dich freust». Damit widme der Schenker dem Beschenkten Aufmerksamkeit. Das eigentliche Geschenk ist nicht der materielle Wert, sondern die Gedanken, die man sich beim Aussuchen gemacht hat, die Zeit, die investiert wurde sowie das Signal, dass man dem anderen zuvor zugehört hat und ihn kennt.
Steckt in dem Geschenkpapier aber die Bitterschokolade, die man noch nie leiden konnte, dann macht sich Enttäuschung breit. «Man bekommt den Eindruck, der Schenker hat sich keine Mühe gegeben», so von Müller. Das gilt auch dann, wenn man einen ganz konkreten Wunsch geäußert hat und unter dem Baum landet etwas ganz anderes. Dann besteht der Verdacht, dass einem noch nicht einmal zugehört wurde. «Die Enttäuschung bezieht sich immer auf die mangelnde Aufmerksamkeit», betont von Müller. Der Rückschluss: «Mit der Wertschätzung meiner Person ist es auch nicht weit her.»
Große Toleranz bei Kollegen
Dabei spielt es eine große Rolle, wer daneben greift. Während die Kollegen oder eine Tante, die man nur zu Feiertagen sieht, sich durchaus in einem ganz großen Toleranzbereich befindet und das Schenken an sich Aufmerksamkeit genug ist, nimmt man dem Lebenspartner, den Eltern oder der besten Freundin die mangelnde Treffsicherheit durchaus übel.
Aber nicht nur Unaufmerksamkeit kann zur tiefen Sinnkrise führen. Zu ebenfalls schlimmen Fehlgriffen gehören pädagogische Geschenke. «Wenn die Eltern auch nach Jahren noch versuchen den Nachwuchs mit den Gaben unterm Baum - etwa mit dicken Büchern als Maßnahme gegen schlechte Noten - zu erziehen, dann ist das ganz furchtbar», sagt von Müller. Aber auch Kinder sollten es tunlichst vermeiden, ihren Eltern mit erzieherischen Maßnahmen, wie etwa einem Computerkurs bei der Volkshochschule zu kommen, nur weil sie möchten, dass die ältere Generation endlich das Internet für sich entdeckt. «Weihnachten ist die falsche Gelegenheit», warnt von Müller.
Praktisch ist nicht gleich gut
Auch ganz praktische Gaben, wie etwa die neuen Socken, gehören zum Repertoire der Geschenke, die kaum ein Strahlen auf das Gesicht des Beschenkten zaubern können. «Das wird als lieblos empfunden, wenn etwas zum Geschenk erklärt wird, was sowieso angeschafft hätte werden müssen», weiß die Psychologin.
Liegt ein guter Freund oder die Mutter normalerweise immer richtig oder hat in der Vergangenheit mal mit einem Traumgeschenk inklusive Überraschungseffekt so richtig ins Schwarze getroffen, dann ist ein Fehlgriff durchaus verzeihlich und bedarf keines großen Aufhebens. Ein bisschen Freude heucheln tut dann keinem weh und bereitet dem Schenker Freude.
Die kleine freudige Notlüge ist aber nicht immer die beste Lösung. Wem beim Auspacken das Herz enttäuscht in die Hose sackt, der sollte seine Gesichtszüge vorerst dennoch unter Kontrolle haben und nicht gleich entrüstet sein Missfallen kundtun. «Man sollte erstmal in seinem eigenen Kopf aufräumen», rät von Müller, «und für sich klären, warum man so enttäuscht, verletzt oder gekränkt ist.»
Besteht die Gefahr der Wiederholungstat, dann sei es angebracht, den Mund aufzumachen. Wenn auch nicht am gleichen Abend. Denn glaubt der Schenker erst einmal, er habe einen Volltreffer erzielt, landet der gleiche Fehlgriff potenziell immer wieder unterm Baum. «Woher soll man es auch wissen, dass jemand Freude nur vorspielt und einen damit immer wieder ins offene Messer laufen lässt», gibt von Müller zu bedenken.
Gefragt ist offene Diplomatie. Am einfachsten ist das unangenehme Unterfangen, wenn man das Gefühl hat, der Schenker hat sich Mühe gegeben. Dann kann man sich für die Aufmerksamkeit bedanken und betonen, wie sehr man sich darüber freut. Aber dennoch ist erlaubt zu erwähnen, dass die Krawatte in grün doch schöner gewesen wäre, weil man die Farbe Rot leider gar nicht mag. «Wichtig ist, dass zuerst die Anerkennung kommt», sagt von Müller. Denn: Sonst ist der Schenker gekränkt.
Präventive Brücken
Sinn macht die Beschwerde nur dann, wenn die Schenker einem wichtig sind oder wenn der Kontakt so intensiv ist, dass man etwa ein geschmacksverirrtes Gemälde nicht im Keller verschwinden lassen kann. Hinzukommt, so die Psychotherapeutin: «Jede Lüge schafft Distanz.»
Außerdem: Natürlich möchte jeder das genau Richtige schenken. Somit kann der Schenker selbst einer unangenehmen Situation bei Risikogeschenken vorbeugen und präventiv eine goldene Brücke bauen. Wer sein Geschenk ankündigt mit dem Satz «Ich bin mir nicht sicher, ob das dein Ding ist, aber ich selbst fand es so toll, dass ich es dir gerne schenken wollte und hoffe, dass du dich freust», gibt dem Beschenkten die Möglichkeit offen zu sein, den Gegenstand abzulehnen, sich aber dennoch über den Gedanken und die Mühe zu freuen.
Natürlich kann man mit dem Gegenstand und dem Gedanken völlig richtig gelegen haben. Das Schenken geht aber dennoch in die Hose, weil auch andere genau die gleiche Idee hatten und die heißgeliebte Musik jetzt gleich dreimal unter dem Weihnachtsbaum liegt. «Dann muss man das mit Humor nehmen und das Positive betonen, dass alle dem Beschenkten etwas Gutes tun wollten», findet von Müller. «Denn schließlich haben es alle gut gemacht.»
Ganzjährige Listen
Um diese Fettnäpfchen zu vermeiden, hilft es, konkret nachzufragen, was derjenige gerne hätte. Auch der Partner des Zubeschenkenden kann ein wertvoller Verbündeter bei der Ideensuche sein. Da aber auch ein bisschen Überraschung zur Weihnachtsmagie dazu gehört, führt zum perfekten Geschenk, das ganz Jahr über immer wieder kleine Randbemerkungen und Ideen einfach zu sammeln und notieren. Dann hat man sie im entscheidenden Moment parat.
Von Wunschzetteln und klaren Absprachen zwischen den Schenkern hält von Müller nicht viel. Denn: Dann würdige man Weihnachten zu einem reinen Warenaustausch herab, es werde zum finanziellen Abgleich und entzaubere das Fest. Wenn Geschenke keine emotionale Besonderheit darstellen, dann funktioniere das Ritual nicht mehr. «Es macht dann auch keinem mehr Freude.»
hav/news.de
Und was ist dein Defekt? Wieder so einer, der mit seinem angelesenen pseudointellktuellem Geschwafel aus Sicht eines Miesmachers versucht, den anderen die Welt zu erklären. Ich hatte schöne Weihnachten! Hartmut wünsche ich einen positiveren Blick auf das neue Jahr - das geht auch mit kritischer Haltung!
jetzt antwortenKommentar meldenIch komme gerade von meinem Sohn Nachhause und ich muß sagen die ganze Fam. gab sich große Mühe mit denGeschenke nicht viel aber gut ausgesucht ich habe mich sehr gefreut . Kirche und schönes gemütliches Essen ,Singen und Spiele. Das zuammen sein ist das schönste . Am zweiten Weihnachtag kommen alle Kinder mit Enkel und Freunde zu mir das ist das Wichtigste daß man Zusammen ist . Ich möchte auf diesem Wege Pope und Longus noch ein Schönes Fest Wünschen Hoffentlich Lesen sie es auch und alles gute für die Zukunft .
jetzt antwortenKommentar meldenDas Geschwafel von Psychologen fehlte natürlich noch in dieser ganzen Konsumorgie, sind diese doch in die Verblödung der Massen durch das Marketing voll integriert. Nicht nur, daß es die Werbefigur "Coca-Cola-Man" dadurch in ein paar Jahrzehnten bis zum Weihnachtsmann gebracht hat, was wohl auch der Gipfel der Perversion der Ideen hinter den verschiedenen Festtagen ist, versuchen die Psychologen der verschiedenen Schulen die Allgemeinheit auf Grund ihrer eigenen Defekte zu "heilen" obwohl wahrscheinlich ein Suizid derselben manchmal die beste Lösung wäre.
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