Warum uns Neid hilft
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Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Artikel vom 26.12.2009
Das haben wollen, was der andere hat. Offenbar ist uns das in die Wiege gelegt. Neid ist ein Gefühl, das uns keine Ruhe lässt und das sich in unserer Seele festbohren kann. Er kann uns aber auch helfen. News.de erklärt warum.
Die Rentner haben's gut. Haben den ganzen Tag Zeit zum Spaziergehen oder zum Kaffeeklatsch mit Bekannten. Und kaum wird es hierzulande kalt und nass, geht es auf die Balearen, des milden Klimas wegen, und Weihnachten mit einem Koffer voller Geschenke zu den Enkeln.
Den Arbeitslosen geht es auch nicht übel. Leben völlig entspannt in den Tag hinein, weil das mehr Spaß bringt, als sein Geld sauer zu verdienen, was sich ja überhaupt nicht mehr lohnt. Machen Kinder, für die der Staat noch mehr Geld zahlt, und scheffeln den Rest mit Schwarzarbeit dazu.
Und die Reichen erst. Rechnen sich fuchsschlau bei vollen Konten künstlich arm und tragen überhaupt nichts zum Steueraufkommen bei. So kann das Land ja nicht vorankommen! Die ganze Republik, so scheint es, ist eine einzige Sauerei. Nach dem Motto: Allen geht es gut, nur mir nicht.
Die Herausforderung annehmen
Neid ist schon ein gemeines, nagendes Gefühl. Gerade zu Weihnachten kann es aufflammen: Wenn der Bruder mit mehr Geschenken überhäuft wird als man selbst oder wenn die große Schwester an der Festtafel wieder einmal im Mittelpunkt des Gesprächs steht.
Aber nur wenige Menschen würden offen zugeben, auf einen anderen neidisch zu sein - gesellschaftlich ist Neid eine eher geächtete Emotion. Doch aus Sicht der Psychologen erfüllt er eine wichtige Funktion: «Er hilft uns, unsere Ziele zu erreichen, sagen sie. Denn wir lernen ja von anderen dadurch, dass wir sehen, was wir besser machen können und so auf unsere eigenen Fehler aufmerksam werden.» Rolf Haubl sagt das. Der Frankfurter Professor für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie hat ein ganzes Buch über das Thema geschrieben (Neidisch sind immer nur die anderen). Er rät, sich nicht vom Neidgefühl quälen zu lassen, sondern es anzunehmen – als Herausforderung. Und offensiv damit umzugehen.
Laut dem Neidforscher hat der Neid eine Seite, die oft unterschätzt wird: «Er kann Ansporn sein, ein Wegweiser zu mehr Glück und Zufriedenheit im Leben.» Klingt erst mal abwegig. Und setzt Selbsterkenntnis voraus. Denn man muss innehalten und sich eingestehen: Mist, ich bin ja wirklich neidisch. Was steckt denn bloß dahinter? «Wenn Sie so weit sind, dann können Sie vom Neid profitieren», sagt Haubl.
Neid liegt in den Genen
Der Kick, ganz oben zu stehen, andere hinter sich zu lassen, scheint in unseren Genen angelegt: Wissenschaftler haben festgestellt, das bei Sportlern im Falle eines Sieges ein Serotonin-Schub durch das Blut fließt. Das macht happy - und ein wenig süchtig. Die Folge: Kaum sehen wir Konkurrenz neben uns, strengen wir uns plötzlich an. Eine wichtige Triebkraft, die einen voranbringt: Durch diese Art von Neid, heißt es, sind bereits die schönsten Kunstwerke entstanden, die schnellsten Autos, die erstaunlichsten sportlichen Leistungen.
«Neid auf die Konkurrenz weckt unseren Ehrgeiz», bestätigt Haubl. «Er stimuliert und mobilisiert unsere Kräfte, fordert unsere Talente, zwingt uns dazu, das Beste zu geben.» Positiver Nebeneffekt: Allein schon, wenn wir uns einen Plan zurechtlegen, wie man den anderen einholen oder übertrumpfen könnte, verschwindet das nagende Gefühl. Weil man selbst aktiv wird, handelt, sein Selbstbewusstsein damit stärkt.
«Es gibt allerdings eine wichtige Voraussetzung», warnt Psychologe Haubl. «Damit man Erfolg hat, muss man seine Fähigkeiten realistisch einschätzen. Ist es machbar, was ich erreichen will? Kann ich das mit meinen Mitteln und Fähigkeiten schaffen?» Demnach gilt es, genau zu überlegen: Ist die Ausgangssituation zwischen mir und den Mitstreitern ähnlich? Habe ich die Energie und die Zeit dafür, mein Ziel zu erreichen? Werde ich unterstützt? Gibt man sich Luftschlössern hin, verrennt man sich nur, vergeudet Kraft. Und ist am Ende, wenn man gescheitert ist, neidischer und unzufriedener als zuvor.
Neid entlarvt geheime Wünsche
Manchmal bohrt sich der Neid auch ganz überraschend in die Seele – und man ist verblüfft: Darauf soll ich neidisch sein? Warum denn? Ich will das doch gar nicht! «Neid hat eine emotionale Alarmwirkung, warnt uns: Dein Selbstbild ist in Gefahr», erklärt Haubl. «Denn auf diese Weise zeigen sich Wünsche und Ansprüche, die man bis dahin unterdrückt hatte. Oder die einem gar nicht bewusst waren.»
Neid hat also etwas Entlarvendes: Ein geheimes Ideal hat sich enttarnt. Ein Ideal, das, geprägt durch Erziehung und Umwelt, in unserem Inneren vor sich hin schlummert. Und nun zu uns sagt: Kein Wunder, dass du dich unzufrieden fühlst, du hast ja auch deine Ziele nicht erreicht! Ein guter Anlass, um sich selbst zu hinterfragen: Will ich wirklich das, was der andere hat? Ist das mein ureigenster Wunsch - oder vielleicht nur eine Vorstellung, die meine Eltern mir eingeimpft haben? Wovon träume ich, an was mangelt es in meinem Leben, was macht mich wirklich glücklich? Und wie kann ich das erreichen?
«Das alles kann zu der heilsamen Überlegung führen», so Haubl, «ob Sie nicht einen ganz anderen Lebensentwurf ausprobieren sollten, einen, der Sie glücklicher und zufriedener macht.»
Lesetipp: Rolf Haubl: Neidisch sind immer nur die anderen, C. H. Beck-Verlag München, 220 Seiten, 17,90 Euro.
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Wenn man von klein auf darauf dressiert ist, sich KLEINER zu machen als man ist, und das dann auch noch als BESCHEIDENHEIT preißt, dann MUSS man ja auf alle NEIDIG werden, die nicht so dämlich waren, sich so platt konditionieren zu lassen. NEID ist die simple Folge eines verkehrten Umgangs mit seinen eigenen Talenten. In der neuen Ich-kann-Schule gewinnt man ein neues Bild von sich und dem Leben. Wer sich von der Fülle nicht selbst ausschließt, welchen Grund sollte der noch haben, neidig zu sein? Ich grüße freundlich. Franz Josef Neffe
jetzt antwortenKommentar meldenHabe ich keine Neider ,dann bin ich schlecht .Neid muß auch erarbeitet werden durch kleine Erfolge schon .
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