Sa., 26.05.12

Tic-Störungen 20.12.2009 Zucken, zwinkern, schreien

Unkontrolliertes Zucken und Räuspern: Tic-Störungen (Foto)
Unkontrollierte Grimassen: Tics sind kurze Muskelzuckungen, die sich unrhythmisch wiederholen. Bild: dpa

Wenn ein Mensch regelmäßig Blubbergeräusche von sich gibt oder unkontrolliert mit dem Auge zwinkert, hat er einen Tic. Die Krankheit, die für Beobachter lustig oder eigenartig ist, kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen.

Dauerndes Räuspern, Zucken, unrhythmisches Zwinkern oder unkontrolliertes Schreien: Meist handelt es sich nur um vorübergehende Störungen. Manchmal jedoch werden die Ausfälle chronisch und behandlungsbedürftig.

Ärzte sprechen von Tics - kurzen «Muskelzuckungen, die sich unrhythmisch wiederholen», wie Professor Veit Rößner von der Uniklinik Dresden sagt. Tic-Störungen äußern sich durch Bewegungen oder Laute, die absolut ungeplant auftreten. Medikamente können die Symptome zwar lindern, und eine Verhaltenstherapie hilft, besser mit der Krankheit zu leben. Heilen lässt sich sie aber nicht - nur kontrollieren.

Gegliedert wird die Krankheit in motorische und vokale Tics. Es gibt aber auch Betroffene, die unter kombinierten Tic-Störungen leiden, dem sogenannten Tourette-Syndrom. Die Assoziation des Tourette-Syndroms aber mit dem Rufen von obszönen Wörtern «trifft nur auf einen ganz kleinen Teil der Betroffenen zu».

Die Patienten sind zum Großteil Kinder und Jugendliche. «Bis zu 20 Prozent der Kinder in der Grundschule haben vorübergehende Tics», sagt Rößner, der die Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Dresder Uniklinik leitet. Vorübergehende Tics betreffen maximal einen Zeitraum von einem Jahr.

Die Ursachen sind noch nicht geklärt

Wenn Tics das erste Mal auftreten, betreffen sie häufig das Gesicht - Blinzeln, Grimassen oder Räuspern können Symptome sein. Nach der Grundschulzeit sinke die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen auf etwa drei bis vier Prozent. Patienten, die ihre Tics länger als ein Jahr haben, gelten als chronisch krank. Bei ihnen ist es häufig so, dass die Tics dann auch zu den Gliedmaßen wandern und komplexer werden. Die Zuckungen verlangsamen sich oft, betreffen aber meist mehrere Muskeln.

«Stress kann auf die Tics verstärkend wirken», ergänzt Jürgen Wild vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen in Berlin. Aber ansonsten gäbe es noch keine erforschte Ursache für Tic-Störungen. «In manchen Familien ist eine genetische Veranlagung offensichtlich», erklärt Carmen Grieger vom Interessenverband Tic und Tourette Syndrom in Bremen. Allgemein gilt: Jeder kann Tic-Störungen bekommen, jedoch ist es im Erwachsenenalter um einiges unwahrscheinlicher als bei Kindern.

Genauso spontan wie sie eintreten, können sie wieder verschwinden. Manche Patienten entwickeln eine Vorahnung und spüren, wenn der Tic kommt. «Das ist ein Gefühl ähnlich dem, bevor man niest», sagt Rößner. Vor allem erwachsene Betroffene merken eine Art innerer Anspannung, innerer Unruhe oder ein Kribbeln. Das lässt sich für ein Wahrnehmungstraining nutzen: Die Betroffenen lernen, den bevorstehenden Tic zu erkennen und willentlich zu unterdrücken.

Wie sich Außenstehende verhalten sollten

Betroffene müssen häufig mit Hänseleien in der Schule oder Gelächter und Kopfschütteln auf der Straße leben. Diese Reaktionen erhöhen ihren Leidensdruck und lösen Angst vor manchen Situationen aus. Beispielsweise kann es einem Kind sehr peinlich sein, wenn es im stillen Klassenzimmer ungewollt laute Geräusche von sich gibt oder unwillkürlich zuckt. «Tics können auch dadurch provoziert werden, dass sie von anderen nachgeäfft werden», erläutert Grieger.

Solche Situationen können sich negativ auf das Selbstwertgefühl auswirken. In einer Verhaltenstherapie werden daher Strategien entwickelt, um sich in solchen Situationen selbstbewusst zu verhalten. Die ideale Einstellung eines Betroffenen sei: «Ich habe einen Tic, na und?», sagt Wild. Die Bewegungen und Laute können nicht gesteuert werden, deswegen dürften die Patienten ihrer Umwelt diesen Anblick auch zumuten. Eltern könnten ihr Kind vor Unannehmlichkeiten bewahren, wenn sie dessen Lehrer so schnell wie möglich informieren. Dann wird das Verhalten des Kindes nicht als Fehlverhalten gedeutet.

Lehrer und Eltern sollten nicht versuchen, einem Kind den Tic zu verbieten. Das kann zu zusätzlichem Stress führen. Und das Lob für «ticfreie Zeiten» kann Tics genauso provozieren wie das Verbot. Ideal ist ganz normales Verhalten, als seien die Tics nichts Besonderes - die Betroffenen wünschen sich Akzeptanz und Toleranz. Sollte jemand sich das Lachen nicht verkneifen können, rät der Psychologe Jürgen Wild zur direkten Ansprache. Eine Entschuldigung wie «Es tut mir leid, ich musste lachen, weil Du so komisch aussahst» sei dann angebracht.

car/mas/reu/news.de/dpa
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'

Tic-Störungen: Zucken, zwinkern, schreien » Gesundheit » Nachrichten

URL : http://www.news.de/gesundheit/855036840/zucken-zwinkern-schreien/1/

Schlagworte:

Aber , Absolut , Akzeptanz , Anblick , Angst , Anspannung , Ansprache , Argentína , Art , Assoziation , Atlètic , Außenstehende , Beispielsweise , Berlin Absolut , Berlin Ansonsten , Berlin Betroffene , Berlin Bremen , Berlin Dresden , Berlin Genauso , Berlin Häufig , Berlin Kinder , Berlin Kindern , Berlin Patienten , Berufsverband , Besonderes , Betroffene , Betroffenen , Bewegungen , Bremen , Chronisch , Deutscher , Dresden , Einstellung , Eintreten , Eltern , Entschuldigung , Entwickeln , Entwickelt , Ergänzt , Erkennen , Erwachsenenalter , Familien , Fehlverhalten , Gefühl , Gelächter , Genauso , Genetische , Geräusche , Gesicht , Gesteuert , Gliedmaßen , Grieger , Grimassen , Großteil , Grundschule , Grundschulzeit , Handelt , Hänseleien , Heilen , Ideal , Ideale , Informieren , Jahr , Joan Miró , Jugendliche , Jugendlichen , Jugendpsychiatrie , Jürgen Bartsch , Jürgen Bretzinger , Jürgen Duah , Jürgen Fitschen , Jürgen Gerdes , Jürgen Heraeus , Jürgen Holzenleuchter , Jürgen Kluge , Jürgen Kyas , Jürgen Marschall , Jürgen Ritter , Jürgen Stark , Jürgen Tap , Jürgen Walter , Jürgen Wolf , Kind , Kinder , Kindern , Kindes , Klassenzimmer , Komisch , Kontrollieren , Kopfschütteln , Krank , Krankheit , Kribbeln , Kurzen , Lachen , Laute , Lehrer , Leidensdruck , Lemke Offensichtlich , Lob , Luis Mas , Lustig , Mas , Medikamente , Menschen , Muskeln , Normales , Olympia Verbot , Patienten , Peinlich , Prof , Prozent , Psychologe , Psychologen , Raum Strategien , Reaktionen , Roßner , Rufen , Sach Kinder , Schreien , Schule , Selbstbewusst , Situationen , Störungen , Straße , Strategien , Stress , Symptome , Syndrom , Teil , Tic , Tic-Störungen , Tics , Toleranz , Tourette , Tourette-Syndrom , Trifft , Umwelt , Unannehmlichkeiten , Ungewollt , Uniklinik , Unkontrolliertes , Unruhe , Unterdrücken , Urban Art , Ursache , Veit Helmer , Veit Schiemann , Veranlagung , Verbot , Verhalten , Verhaltenstherapie , Vorahnung , Walter Jürgen , Wiederholen , Wild , Wirken , Wörtern , York Kinder , Zahl , Zeiten , Zeitraum , Zucken , Zuckungen , Zwinkern ,
Wir empfehlen
Anzeige
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige