Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager - 16.12.2009, 06.24 Uhr

Verhütung: Ohne Pille Pickelkrise

Jahrelang war die Anti-Baby-Pille ein treuer Begleiter des Sexlebens. Wird sie dann abgesetzt, zeigt sich die Hormonumstellung oft im Gesicht in Form von Pickeln. Auch die Zyklen brauchen manchmal Zeit, um sich einzupendeln. News.de erklärt, woran das liegt.

Viele Frauen, die die Anti-Baby-Pille absetzen, haben mit Pickeln, fettigen Haaren und unregelmäßigen Zyklen zu kämpfen. Bild: istockphoto

Wenn Frauen ihre tägliche Hormondosis absetzen, weil das Singleleben ohne Pille vorerst billiger ist, weil eine andere Verhütungsmethode sinnvoller erscheint oder um schwanger zu werden, dann haben viele Angst vor den unangenehmen Nebenwirkungen. Allerdings: «Die deutliche Mehrzahl der Frauen hat keine Probleme», sagt Frauenärztin Dr. Dorothee Struck.

Mit Problemen meint sie vor allem Zyklusunregelmäßigkeiten. So kann es etwa passieren, dass Frauen ohne die Pille, die einen künstlichen Zyklus kreiert und dem Körper eine Schwangerschaft vortäuscht, über Monate oder sogar bis zu drei Jahren keinen Eisprung und somit keine Menstruation mehr haben. Das passiere vor allem dann, wenn vor der Pille bereits ein unregelmäßiger Zyklus bestand und die Hormone zur Stabilisierung eingenommen wurde. «Die Pille macht beim Absetzen keine Probleme», betont Struck, «sie hat die vorhandenen Probleme nur während der Einnahme maskiert.»

FOTOS: Verhütungsmethoden Spaß im Bett ohne kinderreiche Folgen

Natürlich sei die Pille auch für etwa unregelmäßige oder schmerzhafte Menstruation immer eine patente und einfache Lösung, räumt Struck ein. Mit der Pille habe schließlich jede Frau ihren 28-Tage-Rhythmus, die Schmerzen verschwinden und die Verhütung ist auch gleich erledigt. «Damit hat man gleich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen», so Struck.

Aber man müsse sich im Klaren sein, dass die Probleme beim Absetzen wiederkommen und ein Kinderwunsch sich ein bisschen herauszögern kann. Schließlich gibt es ohne Eisprung kein Kind. Auch seien Frauen, die schon als sehr junge Mädchen zum Regulieren ihrer Tage die Pille nehmen, gefährdeter, sich mit Unregelmäßigkeiten herumplagen zu müssen, als Frauen, die zumindest schon eine paar Jahre ihre Tage bekommen, bevor sie ein Rezept für die Pille einlösen. Kommen noch andere Faktoren, wie etwa Magersucht oder Stress dazu, dann kann sich der pillenlose Effekt noch verstärken.

Ärger mit Haut und Haar

Womit aber viele Frauen zu kämpfen haben, wenn sie ihren Hormonhaushalt umstellen: Die Pickel sprießen wie in der Pubertät und die Haare werden schneller fettig oder fallen verstärkt aus. Denn, so sagt Struck: «Jede Hormonveränderung macht Ärger mit Haut und Haaren.»

Gerade die Anti-Akne-Pillen, die bei jungen Mädchen sehr beliebt sind, unterdrücken bestimmte Hormone, die eine unreine Haut zur Folge haben. Deren Produktion wird beim Absetzen erstmal wieder verstärkt angekurbelt, sodass das Ergebnis sich unschön im Gesicht breitmacht. Bei einer solchen Unterdrückung kommt es manchmal zu einem sogenannten Rebound-Effekt, erklärt Struck: «Dann ist es erstmal für einen Moment sehr heftig.» Aber das spiele sich nach ein paar Monaten meist wieder ein.

In der Zwischenzeit müssen Betroffene sich nicht in ihrem Kämmerlein verstecken.  Manchmal reiche es einfach, der Hautpflege etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken, ist Struck überzeugt. Kommt die Haut gar nicht zur Ruhe, sollte ein Hautarzt sich die Akne unbedingt ansehen.

Vitaminspeicher auffüllen

Der Kampf mit den Haaren hängt dagegen oft mit dem Mineralspiegel im Blut und dem Vitaminhaushalt zusammen. Denn: Die Pille lässt den Körper um einige Vitamine verarmen, sodass es zu leichten Mangelerscheinungen kommen kann. Die leeren Speicher können durch eine kurze Beigabe von gezielten Präparaten zur Nahrungsergänzung aufgefüllt werden. Auch ein Blick auf die Ernährung kann oft helfen. Besonders Zucker und Weißmehl haben einen schlechten Einfluss auf Haut und Haar.

Gerade weil die Pille alles so schön glattbügelt, wird sie gerne auch dann von Frauen genommen, wenn das Thema Verhütung eher im Hintergrund steht. Auch schrecken gerade die pickeligen Aussichten vor dem Absetzen ab. Es sei denn, es besteht ein Kinderwunsch. Dann kommt keiner am pillenlosen Dasein vorbei.

Ob eine Frau sich beim Absetzen der Pille erstmal mit einer problematischen Phase mit unregelmäßigem Zyklus, Menstruationsschmerzen und mitesserübersäter Haut konfrontiert sieht oder nicht, sei nicht vorauszusehen, sagt Struck. Es spiele dabei auch keine Rolle, wie lange die Pille eingenommen wurde. Vorbereiten muss man sich auf die Umstellung nicht. Struck: «Einfach absetzen und dann sehen, was kommt.»

ham/nbr/news.de

Empfehlungen für den news.de-Leser