So., 12.02.12

Trennung zum Fest Lieber zwei Weihnachtsbäume

Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager

Artikel vom 14.12.2009

Eigentlich sollte Weihnachten das Fest der Liebe und der Familie sein. Trennt sich ein Paar, dann bedeutet das für den Rest der Familie, und besonders für die Kinder, dass schnell ein neues Weihnachtskonzept gebraucht wird. Das kann seine Tücken haben.

Für den Nachwuchs nochmal heile Welt zu spielen, hält Psychotherapeutin Annelie Dott in jedem Fall für falsch: «Die Kinder spüren, wenn etwas nicht stimmt.» Dann sei es sinnvoller zwei Weihnachtsbäume aufzustellen und getrennt zu feiern. Gewaltsam sich zu einem friedvollen gemeinsamen Abend zu zwingen, sei für niemanden schön. Und: «Wenn es mit der Harmonie das restliche Jahr über nicht geklappt hat, dann klappt es auch Heiligabend nicht», so Dott.

Den Kindern könne es gerade in der frühen Trennungsphase gut tun, sich über Weihnachten - Tage, an denen sie Spaß haben - an die neue Situation mit zwei Haushalten zu gewöhnen. Die Eltern müssten dann in den meisten Fällen nicht arbeiten und könnten sich Zeit für ihren Nachwuchs nehmen.

Die Trennung sollte dabei als Thema nicht unter den Tisch fallen. Dabei komme es aber immer darauf an, wie über den Partner gesprochen wird. «Man sollte dem Anderen seinen Spaß über die Feiertage mit den Kindern unbedingt gönnen und ihn nicht schlechtreden», mahnt die Psychotherapeutin und fügt hinzu: «Wenn das möglich ist.»

Denn natürlich leiden nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen. So kann es etwa für Frischgetrennte sehr schwer sein, erstmals das Weihnachtsfest völlig alleine zu verbringen. Hinzu kommen Wut, Enttäuschung und ein gebrochenes Herz. In einem solchen emotionalen Tumult schafft es nicht jeder gefasst genug zu sein, um die Kindern aus dem Trennungschaos herauszuhalten.

Wer feiert, wo, wann?

Damit dennoch das Fest einigermaßen harmonisch über die Bühne geht, sollten sich die Eltern möglichst im Vorfeld einigen, wer mit den Kindern an welchem Tag feiert. Das biete sich an Weihnachten an, da es drei Tage gibt, an denen gefeiert werden kann.

Die größte Schwierigkeit liegt darin, dass die einzelnen Tage für die Erwachsenen als wichtiger eingestuft werden könnten. «Den Kindern ist es meist egal, bei wem sie Heiligabend sind und mit wem sie den ersten Weihnachtstag feiern», hat Dott die Erfahrung gemacht. Ist aber ein Elternteil beleidigt, wenn es immer erst als zweites gebucht wird, dann sollte jedes Jahr aufs Neue getauscht werden.

Spätestens ab dem Grundschulalter haben Kinder unbedingt ein Mitspracherecht bei der Weihnachtsplanung. «Besonders bei Teenagern ist es wichtig zu fragen, wie sie eigentlich feiern wollen», findet Dott.

Gemeinsam - aber auf neutralem Boden

Ein gemeinsames Weihnachtsfest muss aber nicht prinzipiell ausgeschlossen sein. «Im Idealfall haben beide Eltern auch neue Partner und alle vier verstehen sich prima», so Dott. Dann steht auch einer großen Familienfeier nichts im Weg. Aber, so rät die Expertin: Lieber auf neutralem Boden. Etwa in einem Restaurant oder bei einem Treffen zum gemeinsamen Kirchgang. «Man sollte sich notfalls auch noch aus dem Weg gehen können.»

Auch beim Geschenkekauf ist eine Absprache zwischen den Erwachsenen hilfreich. Damit entgeht man der verlockenden Falle, sich in den Augen der Kinder durch besonders großzügige Geschenke gegenseitig auszuspielen. Ist es für die Eltern zu schwer, auf sachlicher Ebene miteinander zu reden, können Kinder, die schon alt genug sind, die Zügel selbst in die Hand nehmen und einfach zwei Wunschlisten schreiben. Das vermeidet Streitereien.

Aber nicht nur getrennte Familien hadern mit dem Weihnachtsfest. Auch bei allen anderen Familien kracht es vermehrt, wenn der geschmückte Baum im Wohnzimmer steht. Denn oft sei die Erwartung, die auf die Festtage projiziert werde, einfach zu groß. «Viele Paare trennen sich nach Weihnachten», sagt Dott. Häufig gehe die Hoffnung voraus, dass die Beziehung über Weihnachten wieder gekittet werden könne. Wenn das nicht klappt, dann ist die Enttäuschung um so größer. «Weihnachten ist zwar ein Fest, aber viele machen sich nicht klar, dass die Probleme dadurch nicht einfach weggehen», sagt Dott.

kab/nbr/news.de
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