13.12.2009, 09.36 Uhr

Herzschwäche: Ähnlich gefährlich wie Krebs

Atemnot schon bei kleinsten körperlichen Anstrengungen, trockener Husten, Wasser in den Beinen: Das sind Anzeichen, die für eine Herzschwäche sprechen. Sie ist jetzt schon eine der häufigsten Erkrankungen weltweit.

Herzschwäche wird von vielen unterschätzt. Bild: news.de

Viele ältere Menschen kommen außer Atem, wenn sie Treppen steigen oder bergauf gehen. Das wird meist hingenommen. Dass die Leistungsfähigkeit abnimmt, gehört eben unvermeidbar zum Alter dazu. Selbst wenn sich zusätzlich Schwellungen an den Unterschenkeln und Gelenken zeigen, Müdigkeit und Antriebslosigkeit hinzukommen, wächst nur selten das Misstrauen. Dabei sind das alles Symptome einer ernsten, lebensbedrohlichen Krankheit: der Herzschwäche.

Rund 1,8 Millionen Deutsche sind nach Angaben der Deutschen Herzstiftung betroffen. Jährlich kommen 300.000 hinzu. 50.000 Menschen sterben an der Krankheit. «Viele Patienten erhalten trotz immer besserer Therapiemöglichkeiten keine optimale Behandlung», kritisiert Professor Michael Böhm vom Universitätsklinikum des Saarlandes und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung: «Das liegt oft einfach daran, dass die Möglichkeiten zu wenig bekannt sind».

FOTOS: Fit im Job Tipps für herzgesundes Arbeiten

Bei der chronischen Herzschwäche nimmt die Pumpkraft des Herzens so weit ab, dass nicht mehr genügend Blut - und damit Sauerstoff und Nährstoffe - zu Organen wie Gehirn, Nieren und Muskeln transportiert wird. Das hat schwerwiegende Folgen für den gesamten Körper. Es kommt nicht nur zu Atemnot und Leistungsabfall, in fortgeschrittenem Stadium kann der Betroffene kaum noch das Bett verlassen. Die Herzschwäche bedroht das Leben des Patienten, wenn er nichts dagegen tut. «Unbehandelt sinkt die Lebenserwartung rapide», warnt Kardiologe Rudolf Schiele vom Klinikum Ludwigshafen. Herzschwäche sei ähnlich gefährlich wie Krebs.

Frühe Behandlung ist lebenswichtig

«Wenn auch nur der geringste Verdacht auf eine Herzschwäche besteht, muss der Hausarzt den Patienten an einen Kardiologen überweisen», fordert Professor Böhm. Es gebe wirkungsvolle Therapien. «Leider kommt es immer wieder vor, dass die Überweisung zum Facharzt unterbleibt». Dabei spielt Zeit eine große Rolle: «Je früher eine Herzschwäche behandelt wird, desto größer sind die Chancen, sie wirksam zu bekämpfen».

Einem schwachen Herzen liegen meist Bluthochdruck, eine ungenügende Funktion der Herzkranzgefäße, Herzrhythmusstörungen oder Herzklappenschäden zugrunde. Der Hausarzt kann die Herzinsuffizienz bei der körperlichen Untersuchung diagnostizieren. Wassereinlagerungen in der Lunge zeigen, dass die linke Herzkammer krank ist. Wenn die Pumpfunktion der rechten Herzkammer eingeschränkt ist, kommt es zu Wassereinlagerungen in den Gelenken, besonders im Unterschenkel. Später kann sich Körperflüssigkeit auch in Bauch- und Brusthöhle stauen. Endgültige Klarheit über den Befund geben EKG, Herz-Ultraschall und eine Röntgenaufnahme des Brustkorbes.

Bewegung und wenig Salz

Herzschwäche ist eine fortschreitende Krankheit. «Die Pumpkraft des Herzens nimmt bei vielen Patienten immer weiter ab», sagt Böhm. «Anfangs rufen nur große Anstrengungen Beschwerden hervor, später auch kleine». Zu der fortgeschrittenen Herzschwäche kommen meist noch Komplikationen hinzu. Die überstrapazierten Nieren scheiden nicht mehr ausreichend Wasser und Salz aus. Häufig treten Herzrhythmusstörungen und Blutarmut auf.

Die Therapie konzentriert sich auf die Behandlung der Ursachen, die Einnahme von Medikamenten, Bewegungstherapie und den Einsatz spezieller Schrittmacher. «Die Behandlung der Grunderkrankung ist die beste Strategie, weil der Herzschwäche dadurch der Boden entzogen wird», sagt Böhm. Dazu gehören die Einstellung des Blutdrucks, die Operation defekter Herzklappen, Bypassoperationen oder Kathedereingriffe, um bei der koronaren Herzkrankheit schlecht durchblutetes Gewebe wieder zu aktivieren.

Während früher darauf geachtet wurde, dass sich der herzkranke Patient körperlich schont, dringen heute die Ärzte auf sportliche Betätigung. Untersuchungen zum regelmäßigen Ausdauertraining an mehreren hundert Patienten haben nach den Worten Böhms gezeigt, dass sich die Leistungsfähigkeit um bis zu 25 Prozent steigern lässt und die Prognose der Krankheit besser wird.

Zudem sollten Betroffene den Salzverbrauch sehr einschränken und die Flüssigkeitsaufnahme auf zwei Liter am Tag, bei fortgeschrittener Krankheit auf 1,5 Liter, begrenzen, um das Herz zu entlasten. Allen Patienten mit Herzschwäche wird dringend geraten, sich wegen der Gefahr von Wasseransammlungen täglich zu wiegen, um eine Verschlechterung der Krankheit rechtzeitig zu bemerken.

car/nak/news.de/ap

Empfehlungen für den news.de-Leser