Von news.de-Redakteur Björn Menzel, Jena
Unheilbar Kranke werden aus medizinischer Sicht nicht einfach abgeschoben. Dafür sorgen spezielle Stationen. News.de hat die Abteilung für Palliativmedizin der Uniklinik Jena besucht.
Die Tür ist geschlossen. Das bedeutet, jemand möchte jetzt seine Ruhe haben. Wer es ist, kann nur erahnt werden. Vielleicht ist es ein Patient, vielleicht ein Angehöriger, ein Arzt oder eine Schwester. Vielleicht ist es auch die Putzkraft. Hinter der Tür sind alle gleich. Wer den Raum betritt, möchte abschalten vom Alltag, in sich kehren.
Der Raum ist das Herzstück in der Palliativstation am Uniklinikum in Jena (Thüringen). Palliativ beschreibt eine Medizin, die darauf ausgerichtet ist, den Patienten so gut wie möglich an seine Situation anzupassen. Und zwar dann, wenn eine Besserung oder gar Heilung seiner Krankheit ausgeschlossen werden kann. Die Station ist oft die letzte vor dem Tod. Genau darum gibt es auch den Raum der Stille, deren Tür manchmal geschlossen ist.
Das Licht fällt von oben ein und sorgt für eine Wohlfühlatmosphäre. Die Wände sind in einem hellen Braun gehalten. Davor stehen dunkelbraune Korbsessel, Beistelltische aus Holz und eine Pflanze. Der Raum hat eine runde, kokonartige Form. Sie soll etwas Beschützendes symbolisieren. Außerdem steht eine Kerze auf einem Tisch. Sie wird immer dann entzündet, wenn jemandem nach Spiritualität zumute ist. Oder, wenn der Verstorbenen gedacht wird.
Einmal in der Woche treffen sich alle Mitarbeiter der Station im Raum der Stille. Dann liest Chefarzt Dr. Ulrich Wedding die Namen der verstorbenen Patienten vor. Jeder kann erzählen, was ihn besonders mit dem Patienten verbunden hat. «Wir verabschieden uns dann gemeinsam von den Verstorbenen», sagt er. Dieses außergewöhnliche Ritual ist nötig, denn er und seine Mitstreiter arbeiten auf einer außergewöhnlichen Station. Sie wurde genau vor einem Jahr eröffnet und ist jetzt schon eine Erfolgsgeschichte.
Wer auf der Palliativstation als Patient landet, hat medizinisch fast alles erlebt. Jetzt geht es nicht mehr um das Heilen, sondern um den Umgang mit Schmerzen, dessen Gründe nicht mehr weg zu operieren sind. «Unsere Patienten müssen das Sterben anerkennen», sagt Wedding. Dafür wurde die Station separat und doch mit Anschluss an die Uniklinik gebaut. Das einzeln stehende Gebäude ist nur über eine Glasbrücke mit dem Haupthaus verbunden. Die Architekten haben es halb in den Berg hineingebaut, der Natur angepasst.
Die Station kann zwölf Patienten aufnehmen, in acht Einzel- und zwei Doppelzimmern. Sie sind alle in einem Halbbogen angelegt - mit Blick ins Grüne. Die Innenwände sind grün oder gelb, der Fußboden aus Parkett. Jedes Zimmer hat eine ebenerdige Terasse, auf die die Patienten in ihren Betten geschoben werden können. Die Räume erinnern kaum an ein Krankenhaus. Sogar die Versorgungsanschlüsse über den Betten können hinter künstlerisch gestalteten Blenden versteckt werden. «Dem Wohlbefinden des Patienten wird alles untergeordnet», sagt Schwester Anke Baier.
Dinge, die in anderen Stationen undenkbar wären, gehören hier zum Alltag: Der Patient kann entscheiden, wann er morgens aufwachen möchte, wann er das Frühstück bekommt, wie heiß sein Waschwasser sein soll. «Ein Patient war Musiker in einer Jazzband», sagt Schwester Anke. Ihm wurde stets seine Lieblings-CD gespielt. Da steht die Frage im Raum, warum diese Annehmlichkeiten in anderen Stationen nicht auch zur Normalität gehören. Beantworten möchte sie lieber niemand. Keiner möchte öffentlich auf die Missstände in deutschen Krankenhäusern aufmerksam machen. Immerhin sagt Schwester Anke: «So wie ich hier arbeite, habe ich es mir als Krankenschwester immer vorgestellt.»
Sie ist nicht die einzige, die das so empfindet. «Ich glaube, das Besondere an der Arbeit auf der Station ist die Möglichkeit, noch richtig Arzt sein zu können», sagt zum Beispiel Assistenzärztin Cornelia Rienecker, die seit Mai 2009 im Team ist. Sie habe öfter als auf anderen Stationen Zeit, sich intensiv um Patienten und Angehörige zu kümmern. Es ist mehr Personal pro Patient da, eine Küche, in der Patienten und Mitarbeiter zusammen frühstücken können - und eben der Raum der Stille.
Die Palliativstation der Uniklinik Jena konnte zum großen Teil mit Mitteln der Deutschen Krebshilfe finanziert werden. Außerdem steuerte das Land Thüringen Gelder bei. Seit Eröffnung am 6. Januar 2009 gibt es eine Warteliste. Die zwölf Betten sind immer belegt.
car/reu/news.de
hy, kein mensch muss mit schmerzen sterben..es gibt ja orpium oder heroin diese m ittel kann man dosieren un sind SCHMERZMITEL .wer kennt sich aus mit dem thema ..in der schweiz gibt es die möglichkeit eine pille zu bekommen und siehe da...wenn man diese geschluckt hat ist man in 15 minuten tod und hatte keine schmerzen.WO KRIEG ICH SOLCHE PILLEN ???
jetzt antwortenKommentar meldenIch habe es eine Zeitlang gemacht mußte aber Aufhören da ich jesesmal ein stück mit Gestorben bin so leid es mir tut .
jetzt antwortenKommentar meldenIch wünsche mir, dass Beiträge über menschliches Leid und Freuden nicht nur zur Weihnachtszeit geschrieben werden. Jeden Tag werden Menschen krank, haben Schmerzen und wissen nicht wie es weiter geht. Da gehört auch, dass Religion offensichtlich für viele Menschen wichtig ist. Herzliche Grüße Gerhard Endres, München
jetzt antwortenKommentar meldenAls Sterbebegegleiter in einem Hospizverein kann ich den Artikel nur von Herzen unterstreichen und hoffen, dass mehr Menschen sich der Not Sterbender annehmen. Besonders Männer fordere ich auf, Stellung zu beziehen, denn es sterben nicht nur Frauen... Männer brauchen Männer in den letzten Stunden... Und dafür bin ich da.
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