Sa., 26.05.12

Klatsch und Tratsch 06.12.2009 Haste schon gehört?

Klatsch und Tratsch (Foto)
Das Lästern galt lange Zeit als Unsitte. Man kann es aber auch positiv sehen: Klatsch und Tratsch sind wichtig für dieErlangung und Verbreitung sozialer Informationen. Bild: Istockphoto

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen

Lästern gilt als Unsitte - und trotzdem tun wir es alle. Und das ist auch gut so. News.de erklärt, warum Klatsch uns altruistisch, beliebt und klug macht und an welche Regeln wir uns dabei halten sollten.

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Es gibt Klatschweiber und Klatschbasen, männliche Wortbildungen mit «Klatsch» fehlen offenbar. Doch Männer sollten sich nicht voreilig die Hände reiben, denn selbst seriöse Forscher haben inzwischen erkannt, dass Klatsch eine für die Menschheit überlebenswichtige Kommunikationsform ist – und gut für die Karriere.

Soziologe und Buchautor Christian Schuldt spricht von der «Weitergabe moralisch kontaminierter Informationen und Spekulationen aus dem Privatleben anderer», die aber ein Motor der menschlichen Evolution sei. Denn geklatscht wird in kleinen Gruppen. Diese Gruppen bilden ein soziales Netzwerk, zu denen man gehört und aus denen man verstoßen werden kann. Wer beim Klatschen gut mithält, sichert seinen Status in der Gemeinschaft. Und daher kommt es, dass auch Männer klatschen müssen.

Seit wann klatschen wir?

Aber der Reihe nach. Denn erst einmal muss geklärt werden, wann der Klatsch entstand. Schuldt sagt, es wird geklatscht, seit es Menschen gibt. Schon die alten Ägypter hinterließen hieroglyphische Klatschinschriften. Die Antike überliefert uns den Mythos der Klatschgöttin Fama – eine gefiederte Bestie mit zahlreichen Augen, Zungen und Ohren.

Auch im Mittelalter war man dem Klatsch verfallen: Auf den Waschplätzen trafen sich die Frauen, um die schmutzige Wäsche zu klatschen – und um schmutzige Bemerkungen zu machen, vornehmlich gegenüber dem anderen Geschlecht. Und selbst in der Bibel war am Anfang der Klatsch; war es doch die geschwätzige Schlange, die Adam und Eva verführte, sich am Baum der Erkenntnis zu versündigen.

Warum klatschen wir?

«Klatsch motiviert zu einer Art Lernen am Objekt, indem er kulturelle Werte vermittelt», erklärt Schuldt. «Wir zapfen die Lebenserfahrungen anderer an, um das eigene Leben besser zu meistern.» Klatsch motiviere zudem zu altruistischen Verhalten, nennt Schuldt einen weiteren Klatsch-Grund. «Als Beobachtete wollen wir selbst unter fremdem Blick möglichst gut dastehen.» Menschen sind also nicht von Natur aus kooperativ, sondern nur solange andere zusehen und die eigene Reputation auf dem Spiel steht. «Im Schutz der Anonymität handeln wir vor allem egoistisch», sagt Schuldt.

Aber letztlich klatschen wir auch, weil es einfach Spaß macht. Jede Klatschgeschichte liefert demjenigen, der sie erfährt, einen Informationsvorsprung. Er kommt in den Besitz eines exklusiven, geheimen Wissens. «Geben wir brisante Informationen weiter, gewinnen wir selbst an Bedeutung», erklärt Schuldt.

Wer klatscht mehr – Mann oder Frau?

Laut Schuldt sehen diverse Untersuchungen Frauen und Männer in Sachen Quatschquantität gleichauf. Aber sie klatschen unterschiedlich: Männer sprechen mehr über sich selbst, während Frauen sich vor allem den Erlebnissen und Handlungen anderer widmen. Die evolutionsbiologische Erklärung dafür lautet: «Männer wollen Konkurrenten ausstechen und ihr Ansehen beziehungsweise ihre Paarungschancen erhöhen, darum sonnen sie sich im eigenen Glanz. Frauen hingegen wollen ihre Nachkommen erfolgreich aufziehen, darum netzwerken sie beim Klatschen», beschreibt es der Soziologe.

Und wie ist es mit Klatsch am Arbeitsplatz?

Klatsch am Arbeitsplatz führt zu Unproduktivität. Und zudem geht Arbeitszeit verloren, wenn die Angestellten miteinander quatschen. So lauten die gängigen Vorurteile über Klatsch im Büro. Schuldt sagt: «Im Gegenteil! Klatsch ist ein wichtiger Produktivitätsfaktor.» Er schweiße die Mitarbeiter zusammen und stärke den Team-Geist. Er sei sogar gesundheitsförderlich, sagt Schuldt mit Hinweis auf Studien, wonach Klatsch die Zahl der Krankheitstage reduziert.

Wichtiger sei aber, dass Klatsch den internen Informationsflow in Unternehmen sichere. Was Arbeitnehmer über ihren Job wissen, erfahren sie zu 70 Prozent nicht über offizielle Kanäle, sondern durch den Schwatz mit Kollegen. Beruflicher Erfolg beruht laut Schuldt auch nur zu zehn Prozent auf reiner Fachkompetenz und zu 90 Prozent auf Beliebtheit und Bekanntheit, also letztlich auf Klatsch.

Jedoch sollte man beim Klatschen gewisse Regeln einhalten. «Die beklatschte Person darf nicht allzu sehr diffamiert werden», rät Schuldt. Man solle immer auf der Sachebene bleiben. Denn mit bösen Gerüchten und Verleumdungen überschreite man schnell die Grenze zum Mobbing.

Unterhaltsam klatschen, aber nicht per E-Mail

Wer klatscht, sollte dies auf eine unterhaltsame Weise tun. «Eine gute Klatschgeschichte baut sich wie eine kleine Story auf, hat eine Hauptfigur, die fasziniert, und eine Überraschung oder einen Wendepunkt», erklärt Schuldt. Sie sollte mit Witz erzählt werden, mit stimulierenden Elementen wie der Wiedergabe von Dialogen, und beim Zuhörer Emotionen wecken.

Außerdem verpflichte Klatsch nicht nur zur Geheimhaltung, sondern auch zum Weiterklatschen. Alle Kollegen oder Bekannten, die der Klatsch ebenfalls interessieren könnte, haben laut dem Autor ein ungeschriebenes Recht darauf, informiert zu werden.

Und schließlich sollte man nicht per E-Mail oder Messenger klatschen: «Wer neben der Arbeit ständig Nachrichten liest und schreibt, arbeitet so, als hätte er einen um bis zu zehn Punkte geringeren IQ», warnt Schuldt. Zum Vergleich: Das Rauchen eines Joints verringert das geistige Potenzial um Maximal vier IQ-Punkte. Außerdem birgt die E-Mail die Gefahr, falsch zu adressieren, wie jene Angestellte, die ihre Sexerlebnisse nach der Betriebsfeier einer Kollegin schilderte und als Rundmail versandte.


Lesetipp: Christian Schuldt: Klatsch!, Insel-Verlag, 200 Seiten, 18 Euro. Schuldt hat Anglistik, Germanistik und Soziologie studiert und ist Redaktionsleiter von brigitte.de.

news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • ragnaroekr
  • Kommentar 1
  • 06.12.2009 13:24
 

Deutschland - deine Experten. Dass hier nichts stimmt, lässt sich durch das Forum selbst beweisen. ragnaroekr, dem liebenswürdigen Aufklärer im Forum, mit seinem zurückhaltenden Charme und seiner unaufdringlichen Art, trifft unverdienterweise und oft der gesammelte Zorn eines Teil´s des Forums. Das sei Altruismus, so dieser Experte. Der ganze unheilige Zorn gegen ragnaroekr sei ein Ausdruck von Selbstlosigkeit der in ihren Widerspruch vernarrten Streithähne gegen ragnaroekr. Das geht nun zu weit.ragnaroekr fordert: Verbannt den Altruismus aus dem Forum. Experte - das Unwort des Jahres 2010.

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