Schmerzfrei im Handumdrehen
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Volleyballer, Tennisspieler oder Fußballstars tragen sie schon lange: bunte Klebstreifen, die Finger, Knie oder Ellenbogen zieren. Sie sollen vor Verletzungen schützen oder ein Gelenk entlasten.
Auch am Rücken oder auf dem Bauch lassen sich die «Tapes» genannten Bänder anbringen - etwa, um Rückenzwicken bei der Gartenarbeit zu verhindern oder Bauchschmerzen zu beseitigen. Die Wirkung, von der viele Patienten immer wieder berichten, ist aber wissenschaftlich nicht erwiesen.
Zwei Tape-Arten gibt es: Das klassische, meist weiße Tape besteht aus unelastischen 20 bis 50 Millimeter breiten, klebenden Binden, erläutert der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) in Frankfurt. «Sie sind wie Textilklebeband, nur mit einem hautverträglichen Kleber», ergänzt Ingo Tusk von der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. Die bunten, sogenannten Kinesio-Tapes sind dagegen längs- beziehungsweise querelastisch und 40 bis 200 Millimeter breit.
Das klassische Taping dient laut Tusk dazu, Gelenke zu fixieren oder angerissene Bänder zu stabilisieren, ohne die Beweglichkeit allzu stark einzuschränken. «Ich kenne es in erster Linie aus dem Leistungssportbereich, für normale Patienten reichen meist Bandagen.» Viele Sportler würden sich mit einem Tapeverband sicherer fühlen als ohne, vor allem, wenn sie zum Beispiel schon einmal mit dem Fuß umgeknickt sind und einem erneuten Unfall vorbeugen wollen.
Der DOSB unterscheidet daher vier Anwendungsbereiche: Das präventive Taping ist eine «reine Schutzmaßnahme». Dazu wird der Tapeverband vor dem Training angelegt, um Überbelastungen oder Schäden zu verhindern. Das prophylaktische Taping dagegen soll bei schon vorhandenen Verschleißerscheinungen die Verletzungsgefahr senken. Der schnelleren Heilung dient das therapeutische Taping. Das rehabilitative Taping soll helfen, eine erneute Verletzung der selben Stelle zu vermeiden.
Funktion über Reiz
Im Gegensatz zum normalen, fixierenden Tape kann das elastische Kinesio-Tape alle Bewegungen mitmachen. Ursprünglich stammt diese Form des Taping von japanischen Chiropraktikern, erläutert Frank Naeve vom Deutschen Verband für Physiotherapie in München. Angewendet werde es zum Beispiel bei Schmerzen an der Halswirbelsäule, der Lendenwirbelsäule oder beim Tennisellenbogen. «Bei muskulären Problemen wie Zerrungen oder Faserrissen wird die Wundheilung aktiviert.» Sie soll so schneller und besser ablaufen.
«Die Kinesio-Tapes funktionieren über die Reizung von Hautrezeptoren», fügt Tusk hinzu. Der Reiz gehe durch die Haut hinein in die Muskelschichten. Stabilisiert werde erst in zweiter Linie. Wie Naeve betont auch er, dass es für die Wirkung des Kinesio-Tapings keine fundierten wissenschaftlichen Studien gibt.
Acht verschiedene Techniken gibt es Naeve zufolge beim Kinesio-Taping. So kann zum Beispiel entlang eines Muskelverlaufs oder um ein Gelenk herum getaped werden. Aber auch eine «viszerale» Anwendung, also eine für die inneren Organe, gibt es: Bei Verstopfung zum Beispiel folgt das Klebeband auf der Haut dem Darmverlauf im Körper. Ähnlich lassen sich Bauchschmerzen lindern.
Für viele Patienten spielen beim Kinesio-Taping außerdem die Farben eine Rolle, denen bestimmte Wirkungen zugeordnet werden. So sollen schwarze oder blaue Bänder einen dämpfenden und kühlenden Effekt haben, rote dagegen belebend, wärmend und die Durchblutung anregend wirken. Auch hier schränkt Naeve ein, dass diese europäische Farblehre wissenschaftlich nicht bewiesen sei.
Im Prinzip kann das Tape solange auf der Haut bleiben, bis es abfällt. Da sich irgendwann aber ein unschöner Geruch entwickelt, empfiehlt der Sportmediziner Ingo Tusk, es täglich zu erneuern - zumindest in der Sportpraxis. «Beim Otto-Normalverbraucher bleibt es in der Regel eine Woche drauf», sagt der Physiotherapeut Frank Naeve. Denn mit den Bändern könne auch geduscht werden.
car/seh/news.de/dpa
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