Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen - 25.11.2009, 11.32 Uhr

Brustkrebs: Was bringt Mammographie wirklich?

Nun ist auch in den USA ein Streit um das Mammographie-Untersuchungsprogramm zur Früherkennung von Brustkrebs entbrannt. Kritiker sagen, die Screenings für Frauen unter 50 Jahren seien nutzlos und sogar gefährlich. News.de stellt die Positionen dar.

Frauen sollten sich nach einer neuen Empfehlung der US-Regierung erst vom 50. Lebensjahr an regelmäßigen Mammographien unterziehen. So wird es auch in Deutschland gehandhabt. Bild: dpa

In den USA sollten sich Frauen bislang schon ab 40 jedes Jahr einer Mammographie unterziehen. Nun hat die Behörde für Präventivmedizin (U.S. Preventive Services Task Force, USPSTF) Obama-Gesundheitsreform».

Doch es gibt auch Befürworter der neuen Regelung - wie etwa Samuel S. Epstein, Vorsitzender der Cancer Prevention Coalition (Koalition zur Krebsvorbeugung, CPC). «Die Mammographie als Reihenuntersuchung vor den Wechseljahren bringt ein erhebliches und sich summierendes Brustkrebsrisiko mit sich», schreibt er auf der Solche Zahlen werden in Deutschland weder von Ärzten noch von Medien ausreichend vermittelt, sagt Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Oft sei von 20-Prozent-Raten die Rede, die vom Screening profitierten. Daraus folgerten Frauen dann fälschlicherweise, dass 200 von 1000 Frauen das Screening nutze. Ohne korrekte Informationen könne es keine mündigen Patienten geben. «Wir sind weit weg von einer Gesellschaft, die auf Risiken intelligent reagiert», folgert Gigerenzer. Fraglich sei zum Beispiel, wie sinnvoll es bei knappen Gesundheitsbudgets ist, ein teures Screening mit «kleinem Nutzen» aufrecht zu erhalten. Im Jahr 2008 lagen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Früherkennungs-Untersuchungen bei 1,21 Milliarden Euro. In Zukunft werden sie vermutlich deutlich höher liegen.

FOTOS: Brustkrebs Prominente und die Diagnose

Frauenärzte fordern Ausweitung des Programms

Geht es dagegen nach dem Berufsverband der Frauenärzte (BVF) müsste das Mammographie-Screening in Deutschland ausgeweitet werden. «Wir fordern schon seit Jahren, auch Frauen ab 45 einzubeziehen und das Programm bis 75 Jahre zu verlängern», sagt BVF-Präsident Dr. Christian Albring. Dafür spreche, dass ein Drittel aller Brustkrebsfälle vor dem 50. Lebensjahr auftrete und der Tumor bei jüngeren Patientinnen meist auch aggressiver sei. Das deutsche Mammographie-Screening sei wegen seiner digitalen Techbnik überlegenn und ausländische Ergebnisse seien nicht einfach auf Deutschland übertragbar.

Albring gibt zu, dass das Screening-Verfahren in der Anfangsphase auch falsch-positive Befunde geliefert habe, weil Aufnahmen schwer zu beurteilen gewesen seien. Das sei zum Beispiel der Fall, wenn - meist jüngere - Frauen ein dichtes Brustdrüsengewebe haben. In solchen Fällen, so der Gynäkologe aus Hannover, könne die Ultraschalluntersuchung wertvolle Zusatzinformationen geben. Sie sei insgesamt aber kein Ersatz für die Mammographie.

Die durchschnittliche Strahlenbelastung einer Mammographieuntersuchung hält der Mediziner für gering. Sie stehe in keinem Verhältnis zu dem Risiko, bei Verzicht auf die Untersuchung eine etwaige Krebserkrankung nicht oder zu spät zu erkennen. «Wir müssen bei den zweijährlichen Kontrollen bleiben», sagt Albring. Frauen sollten dazwischen aber unbedingt zur Krebsfrüherkennung gehen und ihre Brust abtasten lassen.

nak/reu/news.de/ap

Empfehlungen für den news.de-Leser