Telefonaktion Brustkrebs Was tun, wenn die Seele Hilfe braucht?

Brustkrebs-Telefonsprechstunde (Foto)
Die Experten am Telefon: Dr. Friederike Marie-Charlotte Siedenkopf und Dr. Axel Widing. Bild: pr.nrw

Eine Brustkrebserkrankung bedeutet auch eine psychische Belastung für Betroffene und Angehörige. Rat und Hilfe fanden sie bei der news.de-Telefonaktion zum Thema Brustkrebs und Psyche. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Nachlesen.

Seit meiner Brustkrebs-Diagnose leide ich unter Ängsten, schlafe schlecht und bin sehr niedergeschlagen...

Dr. Elke Keil: Ihre Beschwerden deuten darauf hin, dass Sie bei der seelischen Verarbeitung Ihrer Krebserkrankung Unterstützung brauchen. Ich würde Ihnen empfehlen, ein psychoonkologisches Angebot in Anspruch zu nehmen. Der Psychoonkologe kann Ihnen dabei helfen, besser mit Ihren Ängsten zurechtzukommen, Entspannung und Ruhe im Alltag zu finden und wieder neue Zuversicht zu fassen.

Wie sieht eine psychoonkologische Therapie genau aus?

Dr. Friederike Marie-Charlotte Siedentopf: Ziel jeder psychoonkologischen Therapie ist die Verarbeitung der Krebserkrankung und ihrer Folgen. Im Mittelpunkt steht dabei der Patient mit seinen individuellen Bedürfnissen und Sorgen. Der therapeutische Weg kann daher ganz unterschiedlich aussehen. Das Erlernen von Entspannungstechniken hilft vielen Patientinnen, mit Ängsten und Unruhezuständen besser umzugehen. Viele Psychoonkologen setzen auch auf Kreativkurse: Malen, Tanzen oder Musizieren kann Energien bei den Betroffenen freisetzen, die den Umgang mit der Erkrankung erleichtern.

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Wie finde ich einen Psychoonkologen in meiner Nähe?

Keil: Seit diesem Jahr gibt es erstmals ein Adressverzeichnis, das Angaben zu mehr als 200 Psychoonkologen in Deutschland bündelt. Die Therapeuten sind nach Postleitzahlen geordnet, so dass Sie nach einem Ansprechpartner in Ihrer Nähe suchen können. Sie finden das Verzeichnis «Sprechstunde für die Seele» im Internet unter www.gsk-onkologie.de in der Rubrik «Informationsangebote für Patienten» zum kostenfreien Download.

Wie sieht die medizinische Brustkrebs-Therapie heute aus?

Dr. Diana Irina Lüftner: Eine «klassische» Therapie kombiniert zumeist Operation, Chemotherapie und Bestrahlung – bei hormonrezeptor-positiven Tumoren kommt noch die antihormonelle Behandlung hinzu. Bei bestimmten Formen von Brustkrebs kann die sogenannte zielgerichtete Therapie eingesetzt werden. Dabei blockieren zum Beispiel «kleine Moleküle» wichtige Signalwege der Zellteilung, so dass der Tumor langsamer oder gar nicht mehr wächst. Mit den konventionellen Methoden kombiniert hat die zielgerichtete Therapie die Behandlung in den vergangenen Jahren deutlich verbessert.

Wie belastend ist die Behandlung?

Dr.  Axel Widing: Dank neuer oder verbesserter Medikamente, schonenderer Operationsverfahren und neuer Ansätze in der Strahlentherapie ist die Behandlung von Brustkrebs nicht nur effektiver, sondern auch weniger belastend als früher. Die Therapie beispielsweise kann in manchen Fällen auch in Form von Tabletten zu Hause durchgeführt werden, was für die Patientinnen häufig eine große Erleichterung ist. Dennoch hat jede Krebstherapie auch ihre Nebenwirkungen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, welche Therapieoptionen für Ihren individuellen Fall am besten geeignet sind.

Kommen die zielgerichteten Therapien auch für mich infrage?

Lüftner: Die Wahl der geeigneten Brustkrebstherapie ist immer Sache des behandelnden Arztes und richtet sich nach den Eigenschaften des Tumors und dem Krankheitsstadium. Von der zielgerichteten Therapie profitieren insbesondere Patientinnen, die an einem sogenannten ErbB2 (HER2)-positiven metastasierten Brustkrebs leiden.

Seit meiner Brustkrebserkrankung fühle ich mich von der Hausarbeit völlig überfordert. Habe ich Anspruch auf eine Haushaltshilfe?

Dr. Angela Wiedau: Alle Menschen, die in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sind und mit Kindern im Haushalt leben, haben während eines Krankenhausaufenthalts grundsätzlich Anspruch auf eine bezahlte Haushaltshilfe. Viele Kassen gewähren die Haushaltshilfe auch, wenn Sie nicht im Krankenhaus liegen, aber durch die Erkrankung oder die Therapie nicht einsatzfähig sind. Sie sollten sich bei Ihrer Krankenkasse erkundigen, welche Ansprüche Sie stellen können.

Ich fühle mich durch die Erkrankung meiner Frau stark belastet. Gibt es auch ein psycho-soziales Beratungsangebot für die Angehörigen?

Siedentopf: Die Psychoonkologie befasst sich auch mit den Problemen und Bedürfnissen von Angehörigen und Ehepartnern Krebskranker. Auch Sie können eine psycho-soziale Beratung und Hilfe in Anspruch nehmen. Ich würde Ihnen empfehlen, sich dazu an eine psycho-soziale Krebsberatungsstelle zu wenden. Die Adressen finden Sie auf der Internetseite der Deutschen Krebshilfe, unter www.krebshilfe.de und hier unter den Menüpunkten «Rat & Hilfe» und «Adressen».
 

Die Experten am Telefon waren: Dr. Friederike Marie-Charlotte Siedentopf; Fachärztin für Frauenheilkunde und Psychotherapie am Brustzentrum der DRK-Kliniken Berlin-Westend; Dr. Axel Widing; Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Schwerpunkt Psychoonkologie, Berlin Tempelhof; Dr. Elke Keil; Fachärztin für gynäkologische Onkologie und stellvertretende Chefärztin der Frauenklinik am Helios-Klinikum, Berlin-Buch; Dr. Angela Wiedau; Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Ernst von Bergmann-Klinikum, Potsdam; Dr. Diana Irina Lüftner; Fachärztin für Innere Medizin, Hämatologie und Internistische Onkologie, Medizinische Klinik für Onkologie und Hämatologie, Charité Campus Mitte, Berlin.

car/kat/news.de

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