Mo., 13.02.12

Jogginguhr Das richtige Tempo dank Schnickschnack

Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager

Artikel vom 16.11.2009

Wer sich nach langer Pause – oder vielleicht sogar zum ersten Mal – in seine Joggingschuhe zwängt, kann die eigene Belastbarkeit nicht sofort einschätzen. Dann ist es durchaus nützlich, zu Hilfsmitteln zu greifen. Im Angebot: Jogginguhren.

Die Geräte sind ganz sinnvolle Hilfsmittel, findet Sportmediziner Professor Klaus Völker vom Universitätsklinikum Münster. Besonders wer sich selbst und seine Belastbarkeit kennenlernen will, sollte durchaus zu den praktischen Pulsfrequenzmessgeräten, auch Jogginguhren genannt, greifen. «Da kann man auch gar nicht so viel falsch machen», so der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP).

Das Brustband wird mittig um die Brust geschnallt, so dass es die Töne des Herzen messen kann. Es muss dafür direkt auf der Haut liegen. Eine kleine Uhr, auf der die Informationen abzulesen sind, kommt ums Handgelenk. Es gibt auch Geräte, die den Puls am Ohrläppchen abnehmen. «Da gibt es aber meist Probleme», so der Sportexperte.

Egal wie viel technische Spielereien die Uhr bietet, wichtig ist nur, dass man die Zahlen richtig interpretiert. «Es gibt zwar ein paar Faustregeln, die man sich zum Start zunutze machen kann», sagt Völker. Aber im Prinzip muss jeder selbst ausprobieren, wo sein Idealwert liegt. Und da kann die Uhr durchaus helfen. Grob gilt: 180 minus Lebensalter. Dann kommt man in etwa auf die richtige Zahl von Herzschlägen beim Joggen.

Aber das kann laut Völker nur ein Ausgangswert zur Schadensbegrenzung sein. «Am besten man probiert aus, bei welchem Wert man über eine halbe Stunde den Herzschlag stabil halten kann.» Die ersten fünf Minuten der Laufrunde zählen nicht. «Da geht der Puls ja erstmal extrem hoch», so der Experte. Anschließend reicht es, alle vier bis fünf Minuten ein kurzer Blick auf die Uhr, um den Wert zu prüfen. Idealziel sollte sein, etwa sieben oder acht Schläge unter dem stabilen Wert zu bleiben.

Wer gerade anfängt zu joggen, der hat noch einen großen Toleranzbereich, in dem die Bewegung einen positiven Effekt bringt. Schließlich bringt es weder etwas, wenn man zu langsam durch den Park trottet, noch wenn jemand versucht durch gehetztes Tempo die vergangenen sportlosen Jahren wettzumachen. Je fitter jedoch jemand ist, desto enger ist der Bereich, der Trainingseffekte bringt, sagt Völker. Dann ist es durchaus nötig genau das richtige Tempo etwas feiner auszutarieren. Und das geht am einfachsten mit technischen Spielereien.

Puls messen reicht völlig aus

«Aber nicht jeder braucht diesen ganzen Schnickschnack», sagt Völker. Für den Trainingseffekt reicht es völlig aus, wenn der Puls gemessen wird. «Es macht keinen Sinn, wenn ich erst loslaufen kann, nachdem ich eine dicke Bedienungsanleitung durchgelesen habe.»

Aber kleine Extras, wie etwa ein Kalorienzähler, der die Verbrennung aufgrund von Tempo, zurückgelegter Strecke, Körpergewicht, Geschlecht und Alter errechnet, kann einen großen Motivationsschub bringen. «Ich selbst versuche, jede Woche 2000 Kalorien zu verrennen», verrät Völker. «Ich weiß zwar, dass die Anzeige auf meiner Jogginguhr nicht ganz akkurat ist – aber sie hat doch eine Kontrollfunktion.» Der Selbstbetrug habe dann schlechtere Karten.

Wer nicht nur die Speckröllchen mit der Laufrunde von den Hüften abtrainieren will und die Atemnot beim Treppensteigen in die Vergangenheit schieben möchte, sondern ein sportliches Ziel, wie etwa einen Marathon, anstrebt, für den sei die Ausrüstung mit GPS ideal. Denn: «Dann kann das Training dokumentiert werden», gibt Völker zu bedenken. Das technische Hilfsmittel werde im Idealfall dazu eingesetzt, sich selbst und seine Belastbarkeit besser kennenzulernen.

Die Uhr sollte aber auf gar keinen Fall abhängig machen, warnt Völker. «Der Kopf muss immer mitlaufen.» Auch dürfe man sich sein Joggingprogramm nicht von der Uhr oder irgendeiner Software vorgeben lassen. «Ich bin immer noch der Parameter, die Uhr darf nicht zum Diktator werden.»

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