Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager
Wie viel Sport ist nötig, damit ein Kind nicht übergewichtig und unkoordiniert durch die Gegend wackelt? Dafür gibt es keine Faustregel. Auch nicht dafür, wie viel Leistungsdruck den Nachwuchs im Wachstum überfordert. Der einzige Richtwert heißt Spaß.
«Wie die richtige Dosis aussieht, kommt immer auf das individuelle Kind an», sagt Sportwissenschaftler Dr. Herbert Leikov von der Universität Stuttgart. Eine Grenze sei aber eindeutig zu setzen, wenn es sich nur mit Widerwillen etwa in den Sportverein quält und andere Interessen überhaupt nicht mehr wahrnehmen kann, weil jeden Nachmittag ein anderes Training auf dem Plan steht.
«Wenn ein Kind auch noch lernen möchte, wie man Gitarre spielt, dann kann es halt nur an zwei Nachmittagen in der Woche zum Fußballverein gehen», sagt Leikov. Sonst wird es zu viel. Ist es aber grundsätzlich mit Begeisterung dabei, dann kann auch tägliches Auspowern auf dem Bolzplatz genau die richtige Dosis sein.
Die Freude an der Bewegung kann am besten schon in den ersten Lebenswochen beginnen. «Im Prinzip kann man kurz nach der Geburt schon mit Babyschwimmen anfangen», sagt Leikov. So lange es ein Spiel bleibt, das den Kleinen Spaß macht, und Eltern ihre Kinder nicht ständig zu Leistung bis zur Erschöpfung antreiben, kann Bewegung und Sport selbst im Krabbelalter nicht schaden.
Aber Sport unter dem Aspekt der Leistung sollte nie vor dem Grundschulalter betrieben werden, findet der Sportwissenschaftler. Wichtig sei in der frühen Phase nicht bereits Höchstleistungen aus den kleinen Sportlern herauszukitzeln, sondern das Interesse zu wecken und Identifikation mit dem Sport zu fördern.
Alarmsignale bei Überlastung
Werden die Nachwuchssportler von ihren Eltern zu Leistungen angetrieben, die weder ihrem eigenen Wunsch, noch ihrer Entwicklung entsprechen, wird Sport zur Qual. Es gibt bei zu viel Sport viele Alarmzeichen, die mit einer Überforderung einhergehen. «Wenn das Kind sich zurückzieht, kurz vorm Training immer wieder Beschwerden kriegt, wie etwa Bauchschmerzen, ständig übermüdet ist und kein Interesse an sozialen Kontakten hat, dann ist die Dosis eindeutig zu hoch», warnt der Experte.
Wie hoch die Dosis sein kann, hängt davon ab, wie gut ein Kind motorisch unterwegs ist und ob es sich für einen Sport so sehr interessiert, dass es ihn zum Leistungssport ausbauen möchte. Da kann in verschiedenen Sportarten das Training schon früh starten. Allerdings liegt es dann im Gespür eines Trainers, in bestimmten Wachstumsphasen entsprechend sanftes Training durchzuführen, das etwa die Gelenken nicht zu sehr belastet. Sonst kann es bleibende Schäden wie Fehlstellungen geben. «Aber da muss man sehr feinfühlig unterschieden», sagt Leikov, «ob ich ein motorisch talentiertes Kind vor mir habe, das sich in einer Sportart schon so früh wiederfindet oder ob es sich um ein Kind handelt, das neugierig ist und alles Mögliche ausprobieren möchte.»
Leikov hält es für sinnvoller, das Sportangebot in jungen Jahren so breit wie möglich zu halten, damit sich Kinder ausprobieren können. Aber auch zu schnell zwischen den Sportarten zu wechseln, sei nicht gut: «Das hat keinen sportlichen Effekt.» Die Kleinen sollten sich für ein paar Wochen verpflichten, wenn sie in eine Sportart reinschnuppern wollen, rät Leikov. Dann würden sie merken, dass Training und sportliche Arbeit nach einer Weile auch Ergebnisse bringen.
Im Kindersport müssen mehrere Aspekte gefördert werden: Ganz oben steht Koordination. Aber auch Kraft ist wichtig. Wobei: Kinder müssen kein Krafttraining mit Gewichten und Geräten absolvieren. «Es reicht, wenn sie mit ihrem eigenen Körpergewicht etwa beim Klettern, Hangeln oder durch Klimmzüge ihre Muskeln stärken», so Leikov. Weitere Aspekte, die beim Kindersport gefördert werden sollten, sind Schnelligkeit und Dehnbarkeit.
Toben und Rennen im Alltag
Dass ein Kind sich nicht zu wenig bewegt, dafür sind die Familien verantwortlich. Denn: Der Sport, der in Schulen durchgeführt wird, reicht bei Weitem nicht für die motorische Entwicklung aus. Da muss unbedingt auch regelmäßig Vereinssport hinzukommen, um die Kinder genügend auszulasten, findet Leikov. Und die Bewegung im familiären Alltag.
Kinder, die in bewegungsfreudigen Familien aufwachsen, bewegen sich von selbst immer gerne, ist Leikov überzeugt: «Gesunde Kinder wollen rennen.» Sitzt Mama aber den ganzen Tag nur auf dem Sofa, nimmt stets den Fahrstuhl und erledigt alles mit dem Auto, dann fällt es auch den Kindern schwer, sich zu Sport außerhalb der Schule aufzuraffen. Leikov: «Das ist eine gefährliche Spirale.»
Wenig sinnvoll sei es besonders bei jungen Kindern im Familienleben explizit Bewegung belehrend anzuordnen und zu planen. Stattdessen, so rät der Sportmediziner, sollte Bewegung ganz natürlich und spielerisch in den täglichen Ablauf eingebunden werden. Das gehöre zur motorischen Grundausstattung.
So können Eltern etwa auf dem Nachhauseweg oder beim Spaziergang mit ihren Kleinen einen Wettlauf veranstalten oder einfach mal losrennen, die Treppenstufen laut zählen oder beim Weg zum Supermarkt ein Spiel daraus machen, von einer Fußwegplatte zur nächsten zu hüpfen. Auch könne man einfach mal den lieben Kleinen einen Apfel zuwerfen, anstatt ihn in die Hand zu drücken. Leikov: «Eltern müssen ihre eigene Bewegungsfaulheit einfach ein bisschen mehr überwinden.»
ham/news.de
Kinder haben einen großen Bewegungsdrang von der 1. - 4. Klasse . Sie sind richtige Quirlls ,wenn man unter Ihnen weilt . Sie brauchen viel Sport ,daß heißt Vereine ,wo Sie sich bestätigen können und gleichzeitig den Bewegungsdrang abbauen können . Fußball, Handball u.s.w. ist dafür sehr gut geeignet .Es gibt auch für Kleinkinder Sportarten ,na Schwimmen .Kinder sollen unter sich sein und nicht von den Erwachsenen gegängelt werden .Laßt Sie spielen ,die Spiele ,die Sie als Kind machten ,die sind auch angenehm .Gummihopse u.s.w. Na , haben Sie dies auch nicht ohne Eltern gemacht ? Ich ja . Es machte auch Spaß .
jetzt antwortenKommentar meldenAha, die Schuldige wurde schnell gefunden. Wer soll es machen? Der Papa natuerlich! Runter vom Sofa und Vorbild sein. Schmeisst die Glotze, die Playstation und den Computer raus, und ploetzlich ist viel Zeit fuer draussen spielen, auch noch am spaeten Nachmittag, wenn der Papa wieder da ist und die Hausaufgaben fertig sind. Wo ist das Problem und was macht ihr eigentlich am Wochenende?
jetzt antwortenKommentar meldenDer Artikel enthält viel Wahres. Die Frage ist nur: Wer soll das machen, wenn die Mütter schon innerhalb kürzester Zeit ihr Berufsleben weiterführen wollen? Denn routinemäßige Betreuung ist hier Gift, weil alle Kinder verschieden sind, jedoch ein routinemäßiger Betreuer (Sportlehrer, Kindergärtner etc.) sich nicht um den Einzelnen kümmern kann, weswegen Sportunterricht in der Schule für viele ein Albtraum ist. Denn zur Durchführung braucht man / frau zuerst einmal eines: Zeit.
jetzt antwortenKommentar melden