Mi., 08.02.12

Präventionsprojekt Rettender Halt für Komasäufer

Von Diana Wild

Artikel vom 21.11.2009

Wenn Jugendliche heute zur Flasche greifen, dann richtig. Die Zahl der mit Alkoholvergiftung eingelieferten Mädchen und Jungen steigt weiter an. Das Projekt «Hart am LimiT» kämpf dagegen an und fängt Komasäufer auf.

Der 30. Mai hätte Dominik sein Leben kosten können. Der 16-Jährige trank mit Freunden anderthalb Flaschen Wodka - «ohne Pause, die ganze Zeit auf Ex». Nach einer halben Stunde begann der Alkohol zu wirken. Dominik (Name geändert) ging zu Boden. «Ich lag nur noch da und wusste gar nichts mehr», sagt der Schüler. In der Klinik maßen die Ärzte drei Stunden später über zwei Promille Alkohol im Blut. Als der Junge aufwachte, wusste er nicht einmal mehr, wo er war. Einen solchen Exzess will er nie wieder erleben. Dabei hilft ihm das Projekt «Hart am LimiT» (HaLT) im baden-württembergischen Lörrach.

Das Präventionsprojekt wurde dort vor sieben Jahren ins Leben gerufen. Das Bundesgesundheitsministerium förderte es als Pilotprojekt. Bereits 100 HaLT-Projekte seien inzwischen in ganz Deutschland ins Leben gerufen worden, sagt die Lörracher Projektleiterin Heidi Kuttler. Allein in Lörrach erreichte HaLT mit all seinen Beratungsangeboten bis jetzt weit mehr als 600 Betroffene. Kuttler blickt zuversichtlich in die Zukunft - trotz beständig steigender Zahlen von Fällen wie Dominiks.

Laut dem Statistische Landesamt wurden im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg 4014 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 19 Jahren wegen Alkoholmissbrauchs in Krankenhäusern behandelt. Das waren neun Prozent mehr als 2007. Im Vergleich zum Jahr 2001 nahm die Zahl der Fälle bei Mädchen um 143 Prozent zu und bei den Jungen um 113 Prozent.

Für Kuttler ist das Anlass zur Sorge. «Ein Teil der Jugendlichen trinkt heute exzessiver», sagt sie. Die Zahlen deuten ihrer Ansicht nach aber zugleich auf eine «erhöhte Sensibilität» in der Gesellschaft für Alkoholmissbrauch generell hin. Betroffene werden schneller ins Krankenhaus gebracht; nicht erst nach Hause ins Bett. In der Klinik setzt auch HaLT an: Sozialarbeiter nehmen dort den ersten Kontakt zu den Jugendlichen auf. «Das gab es vorher nicht», erzählt Kuttler.

Mit Rauschbrille und Promillerechner

Dabei habe gerade die Beratung im Klinik-Umfeld «eine ganz große Wirkung», sagt die 47-Jährige. Dort seien die Betroffenen «bereit, Rat anzunehmen». Tage später können sie bei HaLT einen «Risikocheck» machen. Sie lernen, «nein» zu sagen, die Wirkung von Alkohol etwa mit Hilfe von Rauschbrillen und Promillerechnern einzuschätzen und ihr Risikoverhalten zu überprüfen. Sie loten beim Tauchen oder Klettern in der Gruppe Grenzen aus. Zudem werden sie umfassend aufgeklärt.

«Man lernt die Gefahren kennen», sagt Dominik. Etwa, dass man nicht aus der Flasche trinken soll, weil dann die Menge unkontrollierbar ist - laut Kuttler eines der Grundprobleme, das es erst seit einigen Jahren gibt. Die Jugendlichen lernen, einen Bogen um Hochprozentiges zu machen, erfahren, dass man ins Koma fallen oder sogar sterben kann durch einen Vollrausch. «Ich wusste vorher nicht mal, dass man davon ohnmächtig werden kann», erzählt Dominik. «Ich hab das völlig unterschätzt.» Die Abende mit Schnaps sind nun vorbei. «Ich trinke gar nicht mehr», sagt Dominik. Auch für seine Freunde war der Vorfall ein heilsamer Schock.

Jugendliche wie Dominiks Clique sind Kuttlers Überzeugung nach «keine Generation von Säufern». Auch bei den 50- bis 60-Jährigen habe sich die Zahl der Alkoholvergiftungen innerhalb weniger Jahre verdoppelt. Eine Studie mehrerer HaLT-Projekte belege, dass nur ein Drittel der volltrunkenen Jugendlichen suchtgefährdet sei. Diese würden weitervermittelt an Beratungsstellen. Die meisten, die wie Dominik einmalig abstürzen, seien am «Experimentieren» mit Alkohol und schlicht ungenügend aufgeklärt.

HaLT-Mitarbeiter gehen daher an Schulen, in Vereine und zu Festveranstaltern. Sie schulen Kassiererinnen, damit sie keinen Alkohol an Minderjährige verkaufen, und bieten Elterngespräche an. Kuttler sieht Erfolge. Das Trinkverhalten der Gesellschaft sei «verantwortungsbewusster geworden». Was die Sozialpädagogin wirklich «frustriert», ist vielmehr die oft schlechte finanzielle Ausstattung von Präventionsprogrammen.

kat/car/news.de/ddp
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Präventionsprojekt: Rettender Halt für Komasäufer » Gesundheit » Nachrichten

URL : http://www.news.de/gesundheit/855032600/rettender-halt-fuer-komasaeufer/1/
Schlagworte:
Abende, Abstürzen, Alkohol, Alkoholmissbrauch, Alkoholvergiftungen, Ané, Anlass, Ansicht, Ärzte, Ausstattung, Baden-Württemberg, Behandelt, Beratung, Beratungsstellen, Betroffene, Betroffenen, Bett, Bieten, Blut, Bögen, Bundesgesundheitsministerium, Clique, Deutschland, Diana Haller, Diana Iljine, Diana Vishneva, Dominik Bahiense, Dominik Behr, Dominik Bielke, Dominik Reinhardt, Dominik Spohr, Dominik Stahl, Dominik Wilkins, Dominique Ané, Drittel, Erfolge, Erhöhte, Erleben, Erreichte, Erzählt, Ex-Champion, Ex-Managern, Ex-Präsident, Ex-Verlobte, Exzess, Fälle, Fällen, Fängt, Fey Vielmehr, Finanzielle, Flasche, Flaschen, Florenz Anlass, Freunde, Freunden, Frustriert, Gefahren, Generation, Gesellschaft, Gottfried Schlicht, Grenzen, Gruppe A-1, Gruppe A-2, Gruppe A-3, Gruppe A0000, Gruppe Ärzte, Gruppe Australien, Gruppe B-1, Gruppe B-2, Gruppe B-3, Gruppe B0000, Gruppe Boko, Gruppe C-1, Gruppe C-2, Gruppe C-3, Gruppe Calle, Gruppe D-1, Gruppe D-2, Gruppe D-3, Gruppe Deutschland, Gruppe Favorit, Gruppe Femen, Gruppe FIFA, Gruppe Flaschen, Gruppe Flying, Gruppe Independiente-Fans, Gruppe Japan20, Gruppe LulzSec, Gruppe Mädchen, Gruppe No-Name, Gruppe Puj, Gruppe RangLandSpieleSiegeNiederlagenKorbverhältnisPunkte1, Gruppe Schüler, Gruppe Schwuhplattler, Gruppe Stiftung, Gruppe Trainierten, Gruppe Within, Halt, Hart, Hause, Hilfe, Hobby Grenzen, Hochprozentiges, Jahr, Jahre, Jahren, Joe Hart, Jugendliche, Jugendlichen, Junge, Jungen, Kat, Kinder, Klettern, Klinik, Koma, Komasäufer, Kontakt, Krankenhaus, Krankenhäusern, Küttler, Landesamt, Leben, Limit, Lörrach, Lulu Mädchen, Mädchen, Mai Eingriffen, Mai Mai, Mai MSV, Mai Nintendo, Mai PC, Mai Regenerations-Trainingslager, Mai Sätze, Mai SG, Mai Teil, Mai Terrorchef, Mai Wii, Mai Xbox, Mai Zeit, Maria Diana, Maßen, Menge, Minderjährige, Name, Pause, Pilotprojekt, Projekt, Projektleiterin, Promille, Prozent, Rat, Santiago Schüler, Schnaps, Schneller, Schock, Schulen, Schüler, Seien, Sensibilität, Sorge, Sozialarbeiter, Sozialpädagogin, Sport Überzeugung, Statistische, Studie, Stunde, Stunden, Tage Pause, Tauchen, Teil, Trinkverhalten, Überprüfen, Überzeugung, Umfassend, Ungenügend, Unterschätzt, Vereine, Vergleich, Vollrausch, Vorfall, Wirken, Wirkung, Wodka, Zahl, Zahlen, Zeit, Zukunft,
Leserkommentare (13)
  • Kommentar: 13
  • 25.11.2009 15:32
von
outfit

Das Kampfsaufen war schon immer ein beliebter Sport unter echten Männern. Leider wird diese Tradition nicht mehr gepflegt. Das Komasaufen ersetzt diese Tradition nicht. Dieser Bemühung fehlt der gesellige Geist. Unsere Vereinigung trifft sich regelmässig in Norwegen, da dort der Alkoholgenuss verboten ist. Hier gibt es echte Alkoholiker. Wir Schluckspechte sind keine Alkoholiker. Wir sind einfach gesellig und sozial. Ich schreibe das, weil es viel zu viele Menschen gibt, die den Alkohol verteufeln. Diese suchen Trost im Alkohol. Das sind die Gescheiterten. Diese haben keine Lust zum Erleben.

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  • Kommentar: 12
  • 23.11.2009 03:28
von
Dadalo

Wie wäre die Kombination: Ernsthafte Bemühung zum Kinder und Jugendlichen Erziehung, anstatt " Lieblosen Mopping von Erfahrenen Pädagogen zur Provozierung (zum Rebellion/zum Arena/Gottlosigkeit und Vernichtung, fördern) Bildung/ Fortbildung und Kontrolle der Verkäufer/innen, die, die Kinderrn/ Jugendlichen Alchohol oder derartigen verkaufen.. Anstatt zum Globalen_Chaos und Hoffnungslosigkeit rein zu fallen; lieber die Verantwortung, Menschlichkeit und Bewustseins fördern, wie früher. Und die Verantwortlichen zur Verantwortung ziehen.. Schluss mit DREI AFFEN ERZIEHUNG!

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  • Kommentar: 11
  • 22.11.2009 21:23
von
Frau Ente
Antwort auf Kommentar 10

und selbstverständlich bist Du völlig unverschuldet in die Wohnungslosigkeit geraten und den Frust hast Du dann weg gesoffen - kann ich gut verstehen! Eigentlich müßtest Du wissen, dass in allen Gesellschaftsschichten gesoffen wird, mit Armmut hat Alkoholismus nur sehr wenig zu tun! Allerdings kann Armut die Folge von Alkoholismus sein; wenn man dann Job, Haus und Familie versoffen hat, ist man arm! Okay - den Obdachlosen auf der Strasse sieht man; den Herrn Direktor oder Studienrat sieht man nicht!

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  • Kommentar: 10
  • 22.11.2009 13:45
von
Schriftsteller
Antwort auf Kommentar 5

Das kann ich so nicht sehen. Die Sache ist vielmehr: Je weniger Geld, desto mehr Frust. Und je mehr Frust, desto mehr Alkohol. So ist es zu erklären, dass arme Leute (v. a. Obdachlose), wenn sie auch ansonsten nichts habenm, immer noch trinken. Ganz abgesehen davon, dass ich seinerzeit als Obdachloser umsonst saufen konnte.

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  • Kommentar: 9
  • 21.11.2009 19:28
von
Matthias Engel

Freizeitbeschäftigung? Als Sport! - oder wie er da das sagt bzw. schreibt: - Sich mit Freunden relaxt ins Koma trinken? Herr, wirf Hirn vom Himmel. Aber bitte gut zielen!! Ja das Ziel ist wichtig das Freizeitprogramme der Jugendlichen mal zu gestalten zu müssen um vom Saufen ab zukommen, meine Jungs würden so was nicht erst mit machen. Sonst gibt es klatschen hinten auf dem strammen kurzen engen glatt Lederhosenpo drauf und nicht zu wenig, dass steigert das Denkvermögen.. Na ob Jungs hier auch so Jungs mal lesen, mag ich bezweifeln die sich lieber volllaufen lassen!

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  • Kommentar: 8
  • 21.11.2009 19:18
von
Matthias Engel

Recht so Schriftsteller, die Ursache zu klären ist wichtiger als daran zu arbeiten als Geschwätze zu finden die leerlos ins Leere wandern um nichts. Die jugendlichen sollten sich schämen, sich so zu verhalten, ins Komma zu trinken und meinen sie wären damit die Helden weil sie bleibende Schäden davon noch bekommen und ihre Finger oder das Hirn nicht mehr benutzen dann zu können, ihre auch Probleme damit lösen zu meinen unter Freunden den falschen Helden spielen! Die mehrzahl sind Jungs und die Retter die sie wieder ins Leben holen bekommen nicht einmal ein Dank der Vernunft!

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  • Kommentar: 7
  • 21.11.2009 17:00
von
Jens Dietrich

Deswegen erhöhen wir auch das Kindergeld. Obwohl es preiswerter wäre wenigstens 1 warmes Essen am Tag an unsere Kinder kostenfrei zu geben. Einfacher ist natürlich Schnaps an Minderjährige zu verkaufen. jensi

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  • Kommentar: 6
  • 21.11.2009 16:58
von
Jens Dietrich

Deswegen erhöhen wir auch das Kindergeld. Obwohl es preiswerter wäre wenigstens 1 warmes Essen am Tag an unsere Kinder kostenfrei zu geben. Einfacher ist natürlich Schnaps an Minderjährige zu verkaufen. jensi

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  • Kommentar: 5
  • 21.11.2009 16:28
von
nirak

Ich frage mich, wie die ständig in der Presse zitierte "Kinderarmut" es zuläßt, daß Kinder zu "Kommasäufern" werden. Wenn ich kein Geld habe, verzichte ich als erstes auf die "nich lebensnotwendigen" Dinge. Ich muß daraus schließen, daß diesen "Kommasäufern" noch immer ZUVIEL Geld zur Verfügung steht. Und was ist mit deren Eltern? Kindergeld kürzen/streichen! Und die Behandlung von den Eltern bezahlen lassen!

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  • Kommentar: 4
  • 21.11.2009 15:42
von
Frau Ente
Antwort auf Kommentar 2

Schade, verrücktes Geschwätz wäre mir lieber! Desto verrückter man sich aufführt, desto mehr wird man bekümmert! Ich arbeite daran!

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  • Kommentar: 3
  • 21.11.2009 14:31
von
Schriftsteller

Hier wird wieder an den Symptomen herumkuriert, anstatt die Ursache zu bekämpfen! Begreift denn keiner, dass Hustenbonbons nichts nützen, wenn die Lunge krank ist? Dass es schlicht verrückt ist, Zahnschmerzen wochenlang, monatelang, jahrelang mit Aspirin zu unterdrücken?

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  • Kommentar: 2
  • 21.11.2009 14:28
von
Sensor

Dummes Geschwätz, Frau Ente!

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  • Kommentar: 1
  • 21.11.2009 12:29
von
Frau Ente

Oh Danke! ich wußte noch gar nicht, dass ich so aufwendig betreut werde, wenn ich mich ins Koma saufe. Werde es also tun, damit ich auf gar keinen Fall die Verantwortung für mich selbst übernehmen muß! In Deutschland macht es richtig Spass, kaputt zu sein; ist wahnsinnig bequem!

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