Wenn es in der Beziehung kriselt, suchen viele Paare professionelle Hilfe. News.de spricht mit der Berliner Paartherapeutin Vera Matt über unwillige Männer, den richtigen Zeitpunkt für einen Neuanfang und woran sie erkennt, ob eine Beziehung noch zu retten ist.
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Das hab ich mir gedacht, dass eine Paartherapie das gleiche ist wie sein Auto in die Werkstatt zu bringen. Der Schaden ist dann zwar für teures Geld behoben, dafür tritt plötzlich ein ganz neuer auf…
Was halten Sie von dem Satz: Wer eine Paartherapie macht, lässt sich danach ohnehin scheiden?
Vera Matt: Das dachte ich früher auch, aber in meiner Praxis erfahre ich das anders. Viele Paare kommen heutzutage relativ früh zur Therapie - da ist das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen. Die kommen auch nicht, wenn die Scheidung im Raum steht, sondern sie kommen dann, wenn sie merken, es läuft nicht rund. Dann machen sie diese Art Tüv und stellen sich Fragen wie: «Kann ich an unserer Beziehung etwas ändern und wie kann ich es ändern?» Das ist so ähnlich, wie wenn man sein Auto in die Werkstatt gibt oder Inventur macht.
Wann ist eine Paartherapie sinnvoll?
Matt: Wenn einer oder beide das Gefühl haben, es könnte an irgendeiner Stelle optimiert werden. Das kann Eifersucht sein, die Aufgabenverteilung im Haus, die Kindererziehung oder wie man mit dem Geld umgeht.
Sollte man dann alleine oder zu zweit kommen?
Matt: Beides ist möglich. Stellen Sie sich die Partnerschaft als eine Art Mobile vor und dass dieses Mobile aus dem Gleichgewicht geraten kann. Dann ist es zwar effektiver, wenn man an zwei Stellen gleichzeitig korrigiert. Es ist aber durchaus auch möglich, dass man es nur an einer Stelle wieder ins Gleichgewicht bringt.
Wie viel Sinn macht eine Paartherapie, wenn einer von beiden sich nur widerwillig darauf einlässt?
Matt: Das ist häufig so. Zwar kommen die Paare, weil sie sich auf diesen Schritt geeinigt haben. Aber meist gibt es tatsächlich einen, der die Therapie mehr befürwortet als der andere. Wenn einer von beiden deutlich macht, dass er quasi unfreiwillig vor mir sitzt, ist das ein gutes Einstiegsthema. Ich schaue ihn dann mit einem Grinsen an und frage: «Sind Sie freiwillig hier oder wurden Sie unter Gewaltandrohung hierher geschleppt?» Dann lachen sie meistens, aber an dem Lachen sieht man auch schon, wie es demjenigen gerade geht. Oft sind es die Männer, die nicht freiwillig in die Therapie kommen, aber manche Frauen sind auch nicht freiwillig da. Ich schlage dann Einzelgespräche vor – und bekomme oft zwei völlig verschiedene Aufträge: Die Frau sagt, sie möchte die Ehe retten, und der Mann sagt, er möchte sich selbst nicht verlieren, was unterm Strich möglicherweise in dieselbe Richtung zielt, manchmal aber auch nicht.
Wie bringt man einen Partner dazu, mit zum Therapeuten zu gehen? Ein solcher Vorschlag kann ziemlich verletzend sein...
Matt: Ja, das ist wahr, denn man vermittelt dem Partner ja, dass die Beziehung gestört ist. Man macht ihm auf der anderen Seite aber auch deutlich, dass man die Beziehung retten möchte. Ich rate, diesen Tüv-Gedanken anzusprechen – so nach dem Motto: «Lass uns doch mal ein Gespräch machen mit einem neutralen Dritten, der soll mal gucken, ob wir an irgendeiner Stelle etwas optimieren oder lernen können, besser miteinander zu reden.»
Geben vor allem Frauen den Anstoß zu einer Paartherapie?
Matt: Generell ist es so, dass es Frauen leichter fällt, Hilfe zu suchen. Aber inzwischen ergreifen auch sehr viele Männer die Initiative und suchen Rat, weil sie in eine Dreiecksgeschichte verstrickt sind oder weil sie unter dem Genörgel der Frauen leiden und sich unsicher sind, was ihre Frauen eigentlich wollen.
Was raten Sie dann?
Matt: Zu hinterfragen, um was es eigentlich geht. Bei dem Genörgel ist es ja oft so, dass Frauen das Gefühl haben, nicht wahrgenommen zu werden. Frauen nörgeln ja nicht, weil das so cool ist, sondern weil es irgendeinen Grund gibt. Und den müssen Männer irgendwie herausbekommen.
Mit welchen Problemen kommen die Paare am häufigsten zu ihnen?
Matt: Die Probleme sind so verschieden wie es Menschen gibt: Sie nörgelt, er nörgelt, sie drängt, er drängt, sie hat einen anderen, er hat eine andere. Bei den einen geht es um Eifersucht, andere haben sich auseinander gelebt, haben keine Zeit füreinander oder der Job ist wichtiger als die Beziehung. Es ist wirklich ganz bunt, aber wenn man dahinter guckt, gibt es sehr wohl ein Standardproblem – und das lautet «Warum nimmt mich mein Partner nicht wahr?» beziehungsweise «Bin ich noch wichtig für ihn?».
Haben sich dadurch, dass sich die Rollenbilder von Mann und Frau verändert haben, auch die Beziehungsprobleme verändert?
Matt: Die Probleme sind meines Erachtens ähnlich geblieben, aber die Ansprüche an sich selbst und den Partner sind gestiegen. Früher war es so, dass man zum Scheidungsanwalt ging und parallel dazu zum Paartherapeut. Aber das hat sich gründlich gewandelt. Zu mir kommen ganz junge Paare, die in der ersten Beziehung sind. Die sagen: «Wir möchten, dass es hält – was können wir tun?» Der Trend, den Partner schnell zu wechseln, weil es nicht mehr läuft, ist vorbei. Mein Eindruck ist, dass man mittlerweile sehr viel mehr wertschätzt, eine Beziehung weiterzuführen – in dem Sinne Lebenskrisen sind Lebenschancen. Und man sagt nicht gleich: «Okay, das war's - der Nächste bitte!»
Leserkommentare (1)
Aber hallo
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